Thomas Hoeren

Wanckel, Foto- und Bildrecht


Endress Wanckel, Foto- und Bildrecht, München (C.H. Beck) 4. Aufl. 2012, ISBN 978-3-406-61433-0, € 49,-

 

 

MMR-Aktuell 2012, 338306           Bilder sind ein immer größerer Schatz der modernen Gesellschaft. Umso wichtiger wird demnach auch das Fotorecht. Lehrbücher oder praktische Darstellungen dazu gibt es kaum, außer seit vielen Jahren den „Wanckel“. Der Hamburger Anwalt schreibt seit vielen Jahren zu Fragen des Fotorechts und hat auch in der Neuauflage wieder die aktuelle Rechtsprechung bis Februar 2012 in das Buch so integrieren können, dass eine Gesamtübersicht über alle Fragen des Bildrechts vorliegt. Er beginnt seine Arbeit mit Fragen der Bildbeschaffung, insbesondere unter Einbeziehung von Haus- und Eigentumsrechts. Dann beschäftigt er sich mit der Veröffentlichung von Fotos, getrennt nach Sachfotos und Personenfotos. Bei Letzterem beschäftigt er sich über viele Seiten hinweg mit Fragen des KUG und bringt hier nicht mehr oder weniger als eine sehr kurze, rechtsprechungsorientierte Kommentierung zu §§ 22, 23 KUG. Nach einer Darstellung der verschiedenen Rechtsfolgen insbesondere im KUG kommt er dann auch auf das Thema des Model-Vertrages zu sprechen und thematisiert hier ausführlich die Rechtsbeziehungen zwischen Fotografen und Verwertern (S. 229 ff.). Erörtert werden dabei auch urheberrechtliche Fragen bei der Erstellung von Fotos, unter besonderer Einbeziehung der Verwertungs- und Urheberpersönlichkeitsrechte von Fotografen (S. 287 ff. und 304 ff.). Schön gesehen werden auch die verschiedenen Schranken des Urheberrechtes die durch aktuelle Rechtsprechungen etwa zum Bild im Bild noch einmal eine gewisse Zuspitzung erfahren haben (S. 310 ff.). Man wird gespannt auf die nächste Auflage sein, in der der Verfasser dann auch die neuste Rechtsprechung des OLG Düsseldorf zu den Beuys-Fotografien verwerten kann. Die Arbeit schließt dann mit Hinweisen zu den verschiedenen Honorarkatalogen und Tarifsätzen (S. 365 ff.).

Der „Wanckel“ überzeugt auf jeden Fall auch in seiner Neuauflage. Wenn man überhaupt irgendetwas kritisieren wollte, dann ist es gleichzeitig auch das, was den Vorzug des Buchs ausmacht. Es handelt sich nämlich um ein Praktikerbuch, geschrieben von einem versierten Praktiker für Praktiker. Wer dogmatische Hinweise sucht, wird enttäuscht sein. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung fehlt ebenso wie eine dogmatische Problematisierung, etwa des Lichtbildschutzes. Aber das darf man eben von dem Buch auch nicht erwarten, das zu Recht auf dem Klappentext als Beschreibung darauf verweist: „Dieses Werk beantwortet auf neuestem Stand die alltäglichen Fragestellungen des Fotorechts entsprechend den Bedürfnissen der Praxis kompakt und kompetent.“ So ist es!

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der MMR.