Silke Glossner

Wilcke, Internationaler Online-Handel und Verbraucherschutz


Tobias Wilcke, Internationaler Online-Handel und Verbraucherschutz. Lösungsansätze im deutschen, europäischen und australischen internationalen Zivilprozessrecht und Kollisionsrecht, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 2011, ISBN 978-3-8329-6503-7, € 96,-

 

MMR-Aktuell 2012, 332736        Der Band aus der Reihe der Düsseldorfer Rechtswissenschaftlichen Schriften befasst sich mit einem der aktuell spannungsgeladensten Themen des Online-Handels: dem Verbraucherschutz – allerdings aus einem für den typischen deutschen Leser eher ungewöhnlichen Blickwinkel. Der Autor hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, das deutsche und das australische Recht rechtsvergleichend daraufhin zu untersuchen, inwieweit es in diesen Rechtssystemen gelungen ist, einen Ausgleich zwischen den Interessen der Händler im Netz und dem Schutz der Verbraucher zu finden.

 

Der Band gliedert sich grob in zwei Teile: Der erste Teil befasst sich mit dem Vergleich der Regelungen zur internationalen Zuständigkeit im deutschen und im australischen Recht, der zweite Teil ist dann dem jeweiligen internationalen Vertragsrecht gewidmet.

 

Besonders hervorzuheben ist das Bemühen des Autors, auch dem Leser mit eher geringen Vorkenntnissen in diesen Materien einen gewinnbringenden Einstieg in die Thematik zu ermöglichen. So gibt das Kapitel zur internationalen Zuständigkeit im deutschen Recht zunächst einen Überblick zu den Regelungen in EuGVVO, EuGVÜ und LugÜ II, der auch für den nicht mit der Thematik vorbefassten Leser leicht nachvollziehbar ist. Das Kapitel zur internationalen Zuständigkeit im  australischen Recht beginnt sodann dankenswerterweise mit einer Einführung in das australische Rechts- und Gerichtssystem. Nachdem Australien dem angloamerikanischen Rechtskreis angehört und ein Common-Law-System besitzt, würde sich mancher Leser sonst bisweilen vielleicht schwer tun, gewisse Problemstellungen korrekt zu verorten und nachzuvollziehen.

 

Beide Teile des Bandes enden jeweils mit einer Zusammenfassung der herausgearbeiteten Ergebnisse in Form einer Übersicht über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verglichenen Systeme. Diese Zusammenfassungen sind dabei so konzise und gelungen, dass ein erster gewinnbringender Einstieg in die dargestellte Materie auch durchaus darin bestehen kann, mit der Lektüre dieser Kapitel zu beginnen. Vom Duktus des Werks her hätte man  einerseits dem Autor bisweilen etwas mehr Mut zu einer freieren Formulierung gewünscht – andererseits erlaubt aber natürlich die klare, detaillierte Gliederung und die nahe Arbeit am Gesetz dem Leser das rasche und punktgenaue Auffinden von Einzelfragen im Text.

 

Im Ergebnis kann also sowohl jenen, die von Haus aus eine Affinität zum australischen Recht haben, als auch jenen, „die einfach ein wenig über den Tellerrand hinausblicken möchten“, die Lektüre dieses Bands nur ans Herz gelegt werden. 

 

Silke Glossner ist Richterin in der 5. Zivilkammer des LG München I und Mitherausgeberin des "Anwaltshandbuch IT-Recht".