Thomas Hoeren

Stöver, Sportübertragungsrechte im Profi- und Amateurfußball


Kirsten Stöver, Sportübertragungsrechte im Profi- und Amateurfußball, Berlin (LIT Verlag) 2011, ISBN 978-3-643-10881-4, € 34,90

 

MMR-Aktuell 2012, 329295      Seit der BGH-Entscheidung „Hartplatzhelden“ ist die Frage nach der Rechtsnatur von Übertragungsrechten im Fußball, gerade auch im Amateurbereich, sehr virulent. Insofern ist es ein besonderes Verdienst der Regensburger Doktorandin Stöver, sich dieser schwierigen Thematik angenommen zu haben. Sie beschreibt zunächst in ihrer Einführung die wirtschaftliche Ausgangslage und die Bedeutung von Sportübertragungsrechten und präzisiert die Begriffe „Profifußball“ in Abgrenzung zum „Amateurfußball“. Dann untersucht sie, ob der Sportler und Sportveranstalter nach §§ 2 ff. UrhG geschützt sein kann (S. 20 ff.). Diese Prüfung halte ich für überflüssig, da es von vornherein ausgeschlossen sein dürfte, Fußballspieler als Werke i.S.d. UrhG anzusehen. Ähnlich redundant sind die Ausführungen zu den Leistungsschutzrechten (S. 36 ff.). Erstaunlich ist dabei nur, dass die Verfasserin Plädoyers, wie etwa von Schack übersieht, den Begriff der Leistungsschutzrechte auch auf Varieté-Veranstalter und ähnliche auszudehnen. Dann prüft sie die Rechtsschutzmöglichkeiten nach dem KUG. Erstaunlicherweise kommt sie zu dem Ergebnis, dass Amateurfußball ein Ereignis der Zeitgeschichte sein soll (S. 65 ff.), was sehr überraschend sein dürfte. Sie kommt dann auf das Hausrecht zu sprechen (S. 86 ff.). Dabei übersieht sie, dass das Hausrecht wohl nicht das Problem sein dürfte, sondern die Frage der Übertragbarkeit des Hausrechts auf andere. Es rächt sich hier, dass die Verfasserin den Begriff des Sportveranstalters nicht präzisiert hat und daher auch nicht zu der Frage kommt, ob der überregionale Fußballverband – wie im Fall Hartplatzhelden – Veranstalterrechte überhaupt geltend machen kann. Dann folgt der Einstieg in das UWG, wo die Verfasserin allerdings sehr knapp und unter Missachtung des TMG den Platzbetreiber in das UWG hineinliest (S. 119 f.). Gut sind dann die Überlegungen ab S. 165 ff., dem Herzstück der Arbeit, zur Frage der Unlauterkeit, insbesondere nach § 4 Nr. 9 UWG. Die Verfasserin lehnt im Ergebnis einen Schutz des Sportveranstalters und des Sportlers weitestgehend ab und wird auch, und gerade für den Bereich des Amateurfußballs, eine Anwendung des UWG nicht zulassen. Sie distanziert sich damit kritisch vom OLG Stuttgart und dem dortigen Hartplatzhelden-Urteil. Nur im Nachtrag (S. 246) konnte die Verfasserin kurz das BGH-Urteil in Sachen Hartplatzhelden erwähnen, das nach Abschluss der Arbeit veröffentlicht worden ist.

 

Im Ergebnis handelt es sich um eine klassische Subsumtions- und Sammelarbeit, die überdies vom BGH-Urteil der Sache Hartplatzhelden überrollt worden ist. Dennoch ist der Fleiß der Autorin zu begrüßen; sie hat sich ihren Doktortitel redlich verdient.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren, Münster.