Joachim v. Ungern-Sternberg

Limper / Musiol (Hrsg.), Handbuch des Fachanwalts Urheber- und Medienrecht


Josef Limper / Christian Musiol (Hrsg.), Handbuch des Fachanwalts Urheber- und Medienrecht, Köln (Carl Heymanns Verlag) 2011, ISBN 978-3-452-27431-1, € 154,-

MMR-Aktuell 2011, 316244  Urheber- und Medienrecht bestimmen maßgeblich die Rahmenbedingungen bedeutender Teile der Wirtschaft und damit auch das weit gespannte Berufsfeld einer wachsenden Fachanwaltschaft. Das soeben erschienene "Handbuch des Fachanwalts Urheber- und Medienrecht" erfüllt in hervorragender Weise wesentliche Informationsbedürfnisse dieses Berufskreises.

Insgesamt 40 Autoren (33 Rechtsanwälte und Syndikusanwälte, dazu Richter, Verwaltungsbeamte und Hochschullehrer) erschließen die rechtlichen Sonderbereiche in Einzeldarstellungen. Ihre fast durchweg besonders gelungenen, teilweise glänzenden, zumindest aber soliden Beiträge bestimmen entscheidend den sehr hohen Gebrauchswert des Werkes. Einer Verlagsunsitte folgend werden die Herausgeber auf dem Bucheinband wie Autoren genannt, statt ihre beachtliche Leistung bei der Gestaltung des Sammelwerkes durch einen Herausgeberzusatz hervorzuheben. Ansprechend ist dagegen der platzsparende Zitiervorschlag ("FA-UMR/Bearbeiter Kap. 4 Rn. 25"), der auf Zitate abzielt, die auf die Einzelleistungen der Autoren hinweisen.

Das Werk stellt konsequent und sehr erfolgreich auf die Bedürfnisse des Praktikers ab, der rasch einen zuverlässigen Einblick in Rechtsgrundlagen und Vertragsübung in den verschiedenen Bereichen der Kulturwirtschaft gewinnen und zugleich ein Höchstmaß an Erfahrungswissen aufnehmen will. Kurze, anregende Beiträge führen zunächst in die Zusammenhänge des öffentlich-rechtlichen und des privaten Medienrechts ein (Schwartmann, Peifer). Beim Urheberrechtsgesetz liegen Schwerpunkte bei den Voraussetzungen des Werkschutzes (Hecker), einer betont praxisbezogenen Darstellung der Leistungsschutzrechte (Büch), bei dem allgemeinen Urhebervertragsrecht, das in der Art eines guten Lehrbuchs behandelt wird (Lutz), sowie bei der klaren Einführung in System und Einzelregelungen der komplizierten Schranken des Urheberrechts (Grosskopf). Die grenzüberschreitenden Bezüge des Urheberrechts werden bewundernswert konzentriert und übersichtlich dargestellt (v. Lewinski).

Umfassend und eingehend werden die Vertragstypen im Bereich des Filmrechts (Ferwer, Frese), des Musikrechts (Limper, Meyer), des Verlagsrechts (Dresen, Schmid) und des Rechts der bildenden Kunst (Kirchmaier) behandelt, äußerst knapp dagegen das Bühnenrecht. Insider geben einen guten Überblick über die Arbeit der Verwertungsgesellschaften (Schierholz, Wohlgemuth, Gerlach, Richly) und das Künstlersozialversicherungsrecht (Görder). Das Kapitel über die Internetpiraterie und ihre Bekämpfung (Drücker) betont in wichtigen Fragen zu einseitig die Sicht des Bundesverbands der Musikindustrie e.V.: Ein Fachanwalt vertritt auch Mandanten, die zu Unrecht oder missbräuchlich in Anspruch genommen werden.

Ein besonderer Wert des Werkes liegt darin, dass nicht nur die Kernbereiche des Medienrechts eingehend dargestellt sind (Äußerungsrecht [Ebhardt, Musiol], Rundfunkrecht [Gardemann, v. Bentivegni], Telekommunikations- und Telemedienrecht [Wrona, Burkart]), sondern ebenso Nebengebiete wie das Recht der Anzeige und das Pressevertriebsrecht (Mann), das Filmförderungsrecht (Bensinger), das Recht der Kulturveranstaltungen (Banasch), das Arbeitsrecht (Aghamiri, Grimm), der Schutz von Werktiteln und Marken (Hoene, Viefhues) sowie einschlägiges Wettbewerbs- und Werberecht (Russ). Besonders hervorzuheben ist eine umfassende Einführung (103 S.) in Probleme, Vertragsgestaltung und Abwicklung von Unternehmenstransaktionen im Medienbereich (Schuhmacher/Vedder). Manche besonders wertvolle Einzeldarstellungen werden durch die Werkgliederung eher versteckt und sind auch mithilfe des (lückenhaften) Stichwortverzeichnisses nicht immer leicht auffindbar: So wird kaum jemand vermuten, dass sich eine eingehende, aus der Praxis erwachsene Abhandlung (mit Formulierungsvorschlägen) über die Gestaltung von Film- und Fernsehlizenzverträgen (Hülbach) unter der Überschrift "Privater Rundfunk" findet oder ein besonders klar geschriebener Beitrag über Probleme des Urheberrechts (insbesondere der Lizenzen) in der Insolvenz (Holzer) am Ende des Teils "Verwandte Rechtsgebiete". Eher versteckt im Kapitel "Wettbewerbsrechtliche und werberechtliche Bezüge des Urheber- und Medienrechts" ist auch der sehr instruktive Abschnitt über den wirtschaftlich wichtigen Formatschutz (Joppich). Da sich die Beiträge teilweise in ihren Themen überschneiden, könnten vermehrte Querverweise die volle Ausschöpfung des Werkgehalts durch den Nutzer erleichtern.

Wer sich noch nicht langjährig mit der Durchsetzung urheberrechtlicher Verletzungsansprüche in Zivilverfahren befasst hat, wird mit besonderem Gewinn den entsprechenden Beitrag von Rachow lesen, der das Werk abrundet.

Zu den Rechtsgebieten, die das von Limper und Musiol herausgegebene Handbuch behandelt, sind in neuerer Zeit auch andere Werke (erstmals oder in neuer Auflage) erschienen, die den Fachanwalt bei seiner täglichen Arbeit unterstützen sollen. Trotz dieser Konkurrenz wird sich das "Handbuch des Fachanwalts Urheber- und Medienrecht" rasch als ein Standardwerk durchsetzen.

 

Dr. Joachim v. Ungern-Sternberg, Richter am BGH a.D., Freiburg i. Br.