Thomas Hoeren

Gundel/Heermann/Leible (Hrsg.), Konvergenz der Medien – Konvergenz des Rechts?


Jörg Gundel/Peter W. Heermann/Stefan Leible (Hrsg.), Konvergenz der Medien – Konvergenz des Rechts? (JWV – Jenaer Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft) 2009, ISBN 978-3-86653-133-8, € 29,80

MMR-Aktuell 2011, 314459  Vor mir liegt ein Buch, in dem die Vorträge zum 3. Bayreuther Forum für Wirtschafts- und Medienrecht 2008 enthalten sind. Die Vorträge beziehen sich auf die Frage der Konvergenz - ein bis vor kurzem gängiges Schlagwort in der politischen Diskussion rund um Internetregulierung.

Der erste Beitrag von Jürgen E. Müller, Medienwissenschaftler der Universität Bayreuth, beschäftigt sich mit dem Thema „Mediale Recyclings und Re-Mediationen im digitalen Zeitalter – zur Auflösung des „Werk“Begriffs“. Müller beschreibt hier die eigentlich schon seit langem gängigen Thesen zum medialen Recycling von Texten, etwa im Vergleich Fernsehen/Internet, was allerdings mit der Auflösung des „Werk“-Begriffs, etwa im Urheberrecht, nichts zu tun hat. Die Ausführungen bleiben insofern unklar. Auch gelingt es Müller nicht, die Brücke zur Jurisprudenz herzustellen.

Herausgehoben seien dagegen die verschiedenen Referate zur presserechtlichen Verantwortlichkeit im Internet, zum einen von Karl-Nikolas Peifer und zum andern von dem Nestor des deutschen Presserechts Jörg P. Soehring. Die beiden „streiten“ über den adäquaten Regulierungsrahmen für elektronische Presse, wobei Soehring mit guten Gründen darauf hinweist, dass von einem Haftungsgefälle zwischen elektronischen Medien und sonstigen Telemedien nicht die Rede sein kann. Dem stellt Peifer die These gegenüber, dass die Haftungserleichterungen der E-Commerce-Richtlinie die Pressefreiheit belasten und den Geschäftsverkehr privilegieren (so die Überschrift auf S. 54).

Ähnlich spannend sind die einander zugeordneten Referate von Knut Werner Lange und K. Peter Mailänder zur crossmedialen Zusammenschlusskontrolle (ab S. 135). Auch wenn ich befangen bin, hat mir natürlich auch der Kommentar von Ansgar Ohly zum Fall Hartplatzhelden gefallen (S. 195 ff.), in dem Ohly eigene Leistungsschutzrechte oder sonstige Rechte im Bereich von Amateurfußball-Foren konsequent ablehnt.

Sehr hilfreich sind auch die Überlegungen von Thomas Dreier zum IPTV im Urheberrecht (S. 107 ff.), ergänzt durch Hinweise von Eva-Irina Freifrau von Gamm zur Einordnung von urheberrechtlichen Nutzungsberechtigungen (S. 127 ff.).

Weitere Beiträge finden sich noch zum Rundfunkrecht, insbesondere was das neue Informationsangebot öffentlich- rechtlicher Rundfunkanstalten angeht.

Der Band wird ergänzt durch ein ausführliches Stichwortverzeichnis, was bei Tagungsbänden eher selten ist. In dieser Form lässt sich ein solcher Tagungsband gut lesen und hat auch seinen eigenen Wert. Besonders löblich ist die Gegenüberstellung von Thesen und die sich ergänzenden Referate, da sie dem Leser zumindest einen Großteil der Tagungsdiskussion transparent machen. Insofern ist der vorliegende Tagungsband ein gutes Abbild der informationsrechtlichen Bestimmungen der Jahre 2008/2009 und gerade deshalb zum Erwerb empfohlen.

 

Professor Dr. Thomas Hoeren, Münster.