Thomas Hoeren

Volker Haug, Internetrecht


Volker Haug, Internetrecht. Erläuterungen mit Urteilsauszügen, Schaubildern und Übersichten, Stuttgart (Kohlhammer), 2. Aufl. 2010, ISBN 978-3-17-021259-6, € 32,-

MMR-Aktuell 2011, 313141  „Der Haug“ war schon in der ersten Auflage ein sehr gut einsetzbares Grundwerk zum Einstieg in das Internetrecht. Jetzt hat der Verfasser, seines Zeichens Ministerialrat und Honorarprofessor an der Universität Stuttgart, das Werk noch einmal auf Stand März 2010 aktualisiert. Eingearbeitet wurden insbesondere Änderungen durch das Telemediengesetz, die neuen Sicherheitsbestimmungen (z.B. Online-Durchsuchungen), der zweite Korb des Urheberrechts sowie Neuerungen beim Fernabsatz- und Widerrufsrecht. Ergänzt wurden auch zahlreiche Urteile aus den Jahren 2009 und Anfang 2010.

Schon bei der ersten Auflage gut gefallen haben mir die Urteilsauszüge und Schaubilder, die der Verfasser ebenso didaktisch gut einsetzt wie die zahlreichen Zwischenzusammenfassungen. Außerdem findet sich in dem Buch auch eine Reihe von Themen, die in anderen Lehrbüchern zum Internetrecht fehlen oder nur wenig behandelt sind. So finden sich z.B. ausführlichere Hinweise zum Jugendschutz (Rdnr. 192 ff.) und sehr ausführliche Erläuterungen zum Thema E-Government (Rdnr. 864 ff). Das Buch sei insbesondere Nichtjuristen empfohlen. 

Für Juristen sind allerdings einige Tücken zu beachten, die man eventuell zumindest teilweise in einer Neuauflage verbessern könnte. Das Thema Dialer (S. 17 ff.) hat sich mit der Einführung von DSL nahezu erledigt. Fragwürdig sind einige Hinweise insbesondere zum Kollisionsrecht, etwa was den Hinweis auf Spill-over-Effekte im Werberecht angeht (Rdnr. 140), oder die schlichtweg unzutreffenden Überlegungen zum Kollisionsrecht im Bereich Datenschutz (Rdnr. 111; Rdnr. 112 ist dann wieder richtig). Insgesamt fehlen im Kollisionsrecht Hinweise zu den Rom I- und Rom II-Verordnungen. Zum Teil wird noch das alte BDSG angegeben, was die Frage des Direktmarketing angeht (Rdnr. 414). Für Jura-Studenten fehlt insbesondere das Problembewusstsein, etwa was die praktische Bedeutung der Signatur angeht. Auch setzt sich der Verfasser an kaum einer Stelle einmal kritisch mit den vielen Entscheidungen auseinander, die er auszugweise wiedergibt. So vermisst man z.B. eine Analyse der BGH-Entscheidungen zur Internethaftung. Auch die Schaubilder sind nicht ganz fehlerfrei. So wird z.B. auf Seite 270 ein Schaubild zum Domainrecht gebracht, das eine gefährliche Rubrik „Anwendungsbereich“ enthält. Dort wird z.B. für das Namensrecht als Anwendungsbereich der „nationale Bereich oder private/persönliche Sphäre“ angegeben. Das Namensrecht gilt aber nicht nur für die private/persönliche Sphäre, sondern schützt auch den Namen von Wirtschaftsunternehmen. Noch gefährlicher ist der Hinweis, dass der Marke nach dem Markengesetz „EU- und weltweite Bedeutung für die kommerzielle Sphäre zukomme“. Dies dürfte so auf keinen Fall richtig sein; erst über eine EU-Marke ließe sich dies besser begründen. In dieser Form ist die Rubrik jedenfalls sehr verwirrend und sollte meines Erachtens gestrichen werden.

All diese kleinen „Mäkeleien“ ändern aber nichts am hohen Wert des vorliegenden Handbuchs, das mit seinen vielfältigen Hinweisen einen exzellenten Einstieg in das Internetrecht gibt. Es sei daher nachhaltig zum Kauf und zur Lektüre empfohlen.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren, Münster