Bernd Holznagel

Castendyk/Dommering/Scheuer, European Media Law


Oliver Castendyk/Egbert Dommering/Alexander Scheuer (Eds.), European Media Law, Kluwer Law International BV, The Netherlands, 2008, ISBN 9789041123473, € 295,-

MMR-Aktuell 2010, 299957  Das europäische Medienrecht hat sich in den letzten Jahren als ein eigenständiges Rechtsgebiet etabliert. Wer sich einen kurzen Überblick über die Entwicklung und die Rechtsquellen dieser neuen Materie verschaffen will, dem sei das Lehrbuch von Fink/Cole/Keber Europäisches- und internationales Medienrecht, 2000, C.F. Müller Verlag, empfohlen. Wem jedoch an einer tiefgründigen Analyse der einzelnen relevanten Vorschriften gelegen ist, der kommt an dem von Wolters Kluwer verlegten Kommentar zum European Media Law nicht vorbei.

Das erste Kapitel (S. 35-261) ist der Kommentierung von Art. 10 EMRK und der für den Medienbereich einschlägigen Vorschriften des europäischen Primärechts (Art. 43 ff., 81 ff., 87, 151 EG) gewidmet. Sodann werden die einzelnen Artikel der RL über das grenzüberschreitende Fernsehen und der jüngst in Kraft getretenen RL über audiovisuelle Mediendienste erläutert. Die Darlegungen (S. 267-1004) sind in ihrer Vollständigkeit ohne Vorbild. Für die Praxis dürfte dieses Kapitel von besonderer Bedeutung sein, gilt es doch die nationalen Regeln in Kürze den europäischen Vorgaben anzupassen. Die Richtlinien, die einen starken Bezug zum Medienrecht aufweisen, wie z.B. die Zugangs-, Satelliten und Kabel- oder E-Commerce-RL, werden auszugsweise in dem abschließenden dritten Kapitel abgehandelt (S. 1009-1177).

Das Werk ist auf Englisch geschrieben. Es stellt den Versuch dar, die Werkform des Kommentars in den anglo-amerikanischen Sprachraum einzuführen. Dies ist ein ambitioniertes Vorhaben. Es konnte nur gelingen, weil sich profilierte Mitarbeiter des Erich-Pommer-Instituts, des Institute for Information Law of the University of Amsterdam und des Institute of European Media Law (EMR) gemeinsam diesem Projekt verschrieben haben. Nur durch diese Art von Kooperation wurde es möglich, die verschiedensten Disziplinen des Medienrechts in eine kohärente und durchgängig fachlich gelungene Kommentierung zu fassen. Überaus hilfreich ist die Einleitung des Werkes, in dem die Entwicklung des europäischen Medienrechts sachkundig skizziert wird. Für den Praktiker von großem Wert ist die Auflistung der einschlägigen Gerichtsurteile, die sich im Anhang befindet.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass der European Media Law-Kommentar zu einem Standardwerk auf diesem Sektor werden wird. Es ist schon beeindruckend zu sehen, mit welcher Vollständigkeit die Autoren das in diesem Bereich existierende Schrifttum zusammengetragen haben. Auch die Rechtsprechung des EuGH ist umfassend ausgewertet worden. Es bleibt zu hoffen, dass es dem Autorenteam gelingt, dieses Werk auch aktuell fortzuschreiben.

 

Professor Dr. Bernd Holznagel, ITM - Öffentlich-rechtliche Abteilung, Universität Münster