Tim Wybitul/Jan Tretow

Mansdörfer/Habetha, Strafbarkeitsrisiken des Unternehmers


Marco Mansdörfer/Jörg Habetha, Strafbarkeitsrisiken des Unternehmers. Verhaltensstrategien, Krisenmanagement, Compliance, München (C.H.BECK) 2015, ISBN 978-3-406-66783-1, € 65,-

ZD-Aktuell 2016, 04180     Wirtschaftsstraftaten stehen seit Jahren verstärkt im Fokus der Ermittlungsbehörden und der Öffentlichkeit. Für Unternehmer gilt es dabei nicht nur die strafrechtlichen Risiken ihrer eigenen Entscheidungen und ihres eigenen Handelns zu kennen. Sie müssen auch laufend evaluieren, was in ihrem Unternehmen vor sich geht. Jedes strafrechtliche Verhalten im Unternehmen z.B. durch Mitarbeiter schadet einerseits dem Ansehen des Unternehmens und kann andererseits u.U. sogar zur eigenen strafrechtlichen Verantwortlichkeit des Unternehmers führen, wenn er nicht unverzüglich und in wohlbedachter Weise reagiert.

Die Autoren Mansdörfer und Habetha geben mit ihrem Buch „Strafbarkeitsrisiken des Unternehmers" einen gelungenen Überblick über strafrechtliche Risiken, Präventionsmöglichkeiten und das richtige Verhalten im Falle strafrechtlicher Ermittlungen. Dabei profitiert die Darstellung von der mehrjährigen Beratungspraxis der Autoren als Strafverteidiger. Das Buch überzeugt durch einen hohen Praxisbezug. Zur Anschaulichkeit tragen vor allem die zahlreichen Beispiele, Praxishinweise und Checklisten bei. Adressaten des Buchs sind insb. Unternehmer, Mitarbeiter mit Leitungsverantwortung und Berater.

Das Buch ist in zwei Kapitel eingeteilt: Im ersten Kapitel behandeln die Autoren die strafrechtlichen Risiken im unternehmerischen Regelbetrieb. Zunächst beschäftigen sie sich mit allgemeinen Vorsorgemaßnahmen und geben Handlungsempfehlungen für eine erste Reaktion bei der Konfrontation mit strafrechtlichen Vorfällen. In der Folge werden die allgemeinen strafrechtlichen Verhaltensgebote des Unternehmers sowie die Treuepflichten der Organe und Entscheidungsträger in den verschiedenen Gesellschaftsformen dargestellt. Im Anschluss beschäftigen sich die Autoren mit den strafrechtlichen Risiken in zahlreichen relevanten Sondersituationen. Das erste Kapitel schließt mit der Behandlung von Fragen zu Compliance, Beratung und Verteidigung.

Im zweiten Kapitel arbeiten die Autoren die besonderen strafrechtlichen Risiken in der unternehmerischen Krise heraus. Sie beginnen das Kapitel mit dem Problem des Entwickelns einer Verhaltensstrategie angesichts einer unternehmerischen Krise. Danach stellen sie die insolvenzrechtlichen Besonderheiten einzelner Gesellschaftsformen dar. Anschließend behandeln sie die besonderen strafrechtlichen Verhaltenspflichten vor und in der Insolvenz. Abgerundet wird das zweite Kapitel wiederum durch Hinweise zu Compliance und Verteidigung speziell in der Insolvenz.

Angesichts des Umfangs und der Komplexität des Themas in Verbindung mit der Beschränkung des Buchs auf 271 Seiten kann eine umfassende Darstellung aller Probleme nicht erwartet werden. Dementsprechend betonen die Autoren im Vorwort selbst die Fokussierung auf zentrale Probleme und Positionen des „gelebten Wirtschaftsstrafrechts". Folgerichtig sind auch die Nachweise auf die wichtigste Rechtsprechung und ausgewählte Literaturbeiträge beschränkt. Das Buch eignet sich daher insb. für einen ersten Einstieg in die Thematik und die gezielte Suche zu bestimmten Problemen als Ausgangspunkt für eine weiterführende Recherche.

Trotz dieser Ausrichtung auf die Praxis setzen sich die Autoren insb. im zweiten Kapitel auch kritisch mit der Rspr. und h.M. auseinander. Sie plädieren u.a. für eine Erweiterung des Anwendungsbereichs von § 283 Abs. 2 StGB und damit für eine geringe Verschärfung der Verhaltenspflichten auch vor der Krise (vgl. Rdnr. 661 ff. sowie Fußn. 652). Außerdem stellen sie fest, dass in den Fällen, in denen die Rspr. nach Aufgabe der Interessentheorie aus § 283 Abs. 1 StGB bestraft, daneben das Festhalten an der Bestrafung wegen Untreue nicht mehr erforderlich sei (vgl. Rdnr. 176, 673 sowie weiterführend Habetha, NZG 2012, 1134). Im Interesse des gewählten Adressatenkreises und der Intention des Buchs bleiben entsprechende kritische Ausführungen aber zu Recht kurz und sind auf einzelne Fälle beschränkt.

Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Buch, das durch seinen hohen Praxisbezug und eine anschauliche Darstellung überzeugt.

 

Tim Wybitul ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner im Frankfurter Büro von Hogan Lovells sowie Mitherausgeber der ZD. Jan Tretow ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Frankfurter Büro von Hogan Lovells.