Constantin Herfurth

4. DialogCamp 2015 in München


Tagungsbericht zum 4. DialogCamp am 20.2.2015 in München

ZD-Aktuell 2015, 04138     Am Freitag, den 20.2.2015, fand das 4. DialogCamp als Kooperation der Fachzeitschriften MMR und ZD mit der FOM Hochschule statt. Inhaltlich konzentrierte sich das DialogCamp auf fünf sog. „Tracks“: Daten – Handel – Software – Content – Kontrolle.

 

Konkret umfasste es die Themen wie „Binding Corporate Rules – Und was kommt nach der Genehmigung?“ (Gabriela Krader, LL.M.); „The Right To Be Forgotten Or The Right To Be Delisted? - Die Löschpraxis von Google nach dem EuGH-Urteil (Thomas Stadler); „Vertrieb von Apps über App-Stores“ (Christian R. Kast); „Konvergenz und ihre Konsequenzen – Für Markt, Recht und Regulierung“ (Dr. Tobias Schmid); „Grundrechtsschutz in der Terrorismusbekämpfung“ (Birgit Sippel); „Zum Stand der Verhandlungen der Datenschutz- Grundverordnung“ (Dr. Winfried Veil); „Verkehrstelematik in der Versicherungsgesellschaft“ (Markus Schröder) und „Die Spähaffäre der Geheimdienste und deren Auswirkungen auf Grundrechte und den Datenschutz“ (Matthias Lachenmann). Während der Mittagspause richtete Prof. Dr. Thomas Städter eine Krypto-Party unter dem Motto „Wie setzen Sie den Selbstdatenschutz praktisch um?“ aus.

 

In diesem Jahr konnte das DialogCamp bereits seinen 4. Geburtstag feiern. Anlässlich dieser kleinen Erfolgsgeschichte soll einmal herausgestellt werden, weshalb schon die vergangenen Veranstaltungen so positiv angenommen wurden, was die Organisatoren unternehmen, damit die Teilnehmer gerne wiederkommen und aus welchem Grund sich schon jetzt wieder die ersten Zuhörer für das 5. DialogCamp im kommenden Jahr angemeldet haben.

 

Die Themen befinden sich stets am Puls der Zeit. Die Referenten und Teilnehmer sind hochrangige Experten aus den Bereichen Informationstechnologie und Datenschutz. Besonders prägend ist aber das spezielle Format der Veranstaltung. Das DialogCamp beruht auf der Idee eines BarCamp. Das Konferenzprogramm wird nicht im Vorhinein festgelegt, sondern am Tag der Veranstaltung in einem morgendlichen Plenum der Teilnehmer zusammengestellt. Alle Teilnehmer haben hier die Möglichkeit, einen eigenen Vortrag anzubieten und kurz vorzustellen. Trifft das Angebot im Plenum auf ausreichendes Interesse der anderen Besucher, erhält der Vorschlagende einen Raum und eine Uhrzeit für seinen Beitrag zugeteilt.

 

Die konkrete Zusammensetzung aus Leuchtturmreferenten und Spontanvorträgen war auch in diesem Jahr gut dosiert und sorgte für eine angenehme Mischung aus Stabilität und Flexibilität. Viel durfte, wenig musste. So entwickelten sich bei „The Right To Be Forgotten Or The Right To Be Delisted? - Die Löschpraxis von Google nach dem EuGH- Urteil“ und „Warum wir keinen Markt für datenschutzkompatible Produkte haben und wie wir einen bekommen?“ kritische, aber konstruktive Diskussionen, während es bei „Konvergenz und ihre Konsequenzen – Für Markt, Recht und Regulierung“ die Teilnehmer vorzogen, einfach nur zuzuhören. Die Struktur passte sich den Interessen und der Stimmung an, das wurde von den Teilnehmern honoriert und drückte sich durch eine besonders positive Atmosphäre aus.

 

Einen weniger offensichtlichen Effekt des DialogCamps stellt man erst am Ende des Tages fest: Selten konnte man einer Konferenz bis zum Schuss so konzentriert beiwohnen. Bei einer typischen Konferenz verfolgt man die morgendlichen Vorträge noch interessiert und motiviert, im Laufe des Tages nimmt jedoch die Konzentration sukzessive ab. Spätestens nach der Mittagspause treten erste Ermüdungserscheinungen auf. Die letzten Vorträge nimmt man zwar physisch wahr, aber inhaltlich nicht mehr mit. Aktive Teilnahme weicht passiver Berieselung. Anders beim DialogCamp. Die Konferenz ist in fünf zeitliche Sessions zu je einer Stunde unterteilt. Während jeder Session finden mehrere Vorträge in unterschiedlichen Räumen statt. Man muss sich also fortlaufend neu entscheiden, welchen Vorträgen man beiwohnen möchte und die jeweiligen Säle aufsuchen. So trivial es womöglich klingen mag, aber durch die Impulse, sich aktiv entscheiden und orientieren zu müssen, bleibt der Geist wach, die Konzentration hoch und die Teilnahme rege.

 

So endete das DialogCamp erst deutlich später als veranschlagt, weil die Teilnehmer einfach nicht gehen wollten. Ein besseres Feedback für eine Veranstaltung kann es kaum geben und das erklärt auch, warum das DialogCamp in diesem Jahr bereits seinen 4. Geburtstag feiern konnte. Die Kooperation der Fachzeitschriften MMR und ZD mit der FOM Hochschule stellt inhaltlich und konzeptionell eine echte Bereicherung für die Gebiete Informationstechnologie und Datenschutzrecht dar. Ich kann allen Interessierten die Teilnahme am 5. DialogCamp am 19.2.2016 nur wärmstens empfehlen.

Constantin Herfurth ist Rechtsreferendar am OLG München.