Andreas Thürauf

Tagungsbericht zum 3. DialogCamp von MMR, ZD und FOM


Tagungsbericht zum 3. DialogCamp von MMR, ZD und FOM

 

ZD-Aktuell 2014, 03185     Für das bereits 3. DialogCamp, das in Kooperation der Fachzeitschriften des Verlags C.H. BECK MultiMedia und Recht (MMR) und Zeitschrift für Datenschutz (ZD) und der FOM Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) am 21.2.2014 in den Räumlichkeiten der FOM Hochschule in München abgehalten wurde, fand sich ein nationales Fachpublikum ein, um sich - getreu dem Motto des Camps - in der „LawCloud“ zu treffen.

 

Als BarCamp organisiert hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, sich nach einer gemeinsamen Vorstellungsrunde, in welcher jeder sich mit 3 Schlagworten beschreiben durfte, mit einem eigenen „mitgebrachten“ 45-minütigen Beitrag in das DialogCamp einzubringen und dieses mitzugestalten. Die „Leuchtturmreferenten“ (Dr. D. Biene, K. Foitzick, S. Leutheusser-Schnarrenberger, Prof. Dr. M. Liesching, Prof. Dr. J. Schneider, O. Süme), deren Vorträge als einzige im Vorfeld feststanden, gaben hierbei den Rahmen vor. Die Beiträge, welche die Teilnehmer während des Anfangs-Plenums anboten, reichten von Vorträgen bis hin zu Case Studies und Workshops; selbst während des laufenden DialogCamps wurden noch spontan Vorträge angemeldet. Die Einzelveranstaltungen selbst wurden in 5 Zeitabschnitten parallel zueinander gehalten, sodass jeder Einzelne den Inhalt des DialogCamps selbst gestalten konnte.

 

Die Vorträge - deren Folien in Kürze auf der Homepage des DialogCamps abrufbar sein werden - umfassten:

  • Top-Level-Domains - Neues Domainrecht? (O. Süme)
  • Anwaltsautomat: Technologiegestütze Rechtsratgeberleistungen für den Massenmarkt (Dr. D. Biene)
  • Lässt sich der Datenschutz ohne ein neues Schutzgut regeln? (Prof. Dr. J Schneider)
  • Cloud Comuting rechtskonform einkaufen und verkaufen (K. Foitzick)
  • Verdachtsberichterstattung und Online-Archive (Dr. V. Schumacher)
  • Umsetzung der Verbraucherrichtlinien (Dr. C. Bierekoven)
  • Datability - Verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit großen Datenmengen (S. Dehmel)
  • Aktuelle Herausforderungen des Datenschutzrechts (S. Leutheusser-Schnarrenberger)
  • Glücks- und Gewinnspielrecht in den Medien (Prof. Dr. M. Liesching)
  • Case Study: Massenabmahnung für Streaming (Redtube) (J. Heidrich)
  • Einblicke in die Stiftung Datenschutz (F. Richter)
  • Cloud Computing in einem regulierten Umfeld am Beispiel der Pharmabranche (Prof. Dr. T. Städter)
  • Video- und Computerspiele - virtuelle Güter und Vertragsbedingungen (C. Oehler)
  • Verschlüsselung als Freiheit (R. Kast)
  • Bericht aus Brüssel über die Datenschutzgrundverordnung (M. Will)

 

Der Autor hatte Gelegenheit, die folgenden Vorträge zu besuchen:

Prof. Dr. Jochen Schneider warf in seinem Vortrag die Frage auf, ob es im Rahmen der zukünftigen Umsetzung der Datenschutzrichtlinie und der Datenschutzgrundverordnung angezeigt wäre, den Datenschutz im Rahmen eines neuen Schutzguts zu regeln und ob eine stärkere Sanktionierung von Datenschutzverstößen dem Datenschutz an sich Vorschub leisten könne.

 

Dr. Volker Schumacher bot in seinem Vortrag einen Überblick über die Problemlage der presserechtlichen Bewertung von Altmeldungen in Printmedien und Online-Archiven unter besonderer Berücksichtigung der „Appolonia-Entscheidung“ des BGH.

Ein Höhepunkt der Veranstaltung war der äußerst fesselnde Vortrag der Justizministerin a.D. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die sich mit den aktuellen Herausforderungen des Datenschutzrechts auseinandersetzte und forderte, dass der Datenschutz weiter in den Fokus des einzelnen Bürgers gerückt werden müsse.

 

Prof. Dr. Marc Liesching suchte in der Atmosphäre einer Diskussionsrunde mit den Teilnehmern nach Fragen und Antworten rund um den Glücksspielstaatsvertrag, der Sonderregelung Schleswig-Holsteins und der anstehenden diesbezüglichen Entscheidung des EuGH.

 

Michael Will bot in seinem Vortrag einen Bericht aus der Arbeitsgruppe der EU zur Datenschutzgrundverordnung, der er für die Bayrische Staatsregierung angehört, und ging dabei insbesondere auf die Rolle der Bundesrepublik Deutschland in der Arbeitsgruppe und den Nutzen einzelner Regelungen ein.

 

Nicht nur während des Begrüßungskaffees, sondern auch während der gemeinsamen Mittagspause und den Pausen zwischen den einzelnen Vorträgen unterhielt das interdisziplinäre Fachpublikum des 3. DialogCamps einen regen Diskurs über die Inhalte der Vorträge, knüpfte Kontakte und führte Fachgespräche. Hierbei hatten die Teilnehmer des 3. DialogCamps die Gelegenheit, direkt mit Herausgebern, Wissenschaftsbeiräten und Autoren der veranstaltenden Zeitschriften  - und natürlich auch vice versa - ins Gespräch zu kommen. Mittels eines extra eingerichteten „Hashtags“ (#dc14) konnten die Teilnehmer noch während der Veranstaltung ihre Eindrücke auf der Plattform Twitter mit ihren Lesern teilen.

 

Den Veranstaltern, den Leuchtturmreferenten und den engagierten Teilnehmern, die mit ihren Beiträgen das 3. DialogCamp mitgestalteten, gelang es, eine große Vielfalt an Beiträgen rund um Multimedia, Informationstechnologie, Internet und Datenschutz zu bieten. Besonders hervorzuheben ist auch die entspannte Stimmung, die einen fruchtbaren und interessanten Dialog förderte.

 

Das 4. DialogCamp wird am 20.2.2015 wieder in den Räumlichkeiten der FOM in München stattfinden.

 

Andreas Thürauf ist Rechtsreferendar (OLG München) und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU.