Silke Glossner

Büchner, Die rechtlichen Grundlagen der Übertragung virtueller Güter


Thomas Büchner, Die rechtlichen Grundlagen der Übertragung virtueller Güter, Baden-Baden (Nomos Verlagsgesellschaft) 2011, ISBN 978-3-8329-6500-6, € 49,-

 

ZD-Aktuell 2012, 30106                   Via Internet computergenerierte Welten erobern, Abenteuer bestreiten oder online eine Farm betreiben – immer mehr Menschen verbringen ihre Freizeit mit und in virtuellen Welten. Indes: auch wenn der Unterhaltungssektor das dominierende Anwendungsfeld für virtuelle Realitäten ist, so dienen diese auch mehr und mehr dazu, Nutzer  fortzubilden oder ihnen die gemeinsame Entwicklung bestimmter Dinge, Ideen und Produkte zu ermöglichen. Und immer dann, wenn Menschen zueinander in Beziehung treten – in realen oder virtuellen Sphären – da treten sie früher oder später auch in Rechtsbeziehungen zueinander.

 

Einem besonders interessanten Aspekt der Rechtsbeziehungen in virtuellen Welten widmet sich Thomas Büchner im Band „Die rechtlichen Grundlagen der Übertragung virtueller Güter“, der in der Reihe der Schriften zum geistigen Eigentum und zum Wettbewerbsrecht erschienen ist. Dankenswerterweise klärt Büchner zunächst die grundlegenden Begrifflichkeiten und erläutert die Erscheinungsformen virtueller Güter, die eben nicht nur auf das berühmte Schwert mit magischen Kräften im Online-Adventurespiel beschränkt sind;  auch wenn gerade für solche bisweilen enorme Summen –realen– Gelds bezahlt werden. Das große Potenzial virtueller Waren wird für den Leser offensichtlich, wenn der Autor verdeutlicht, dass sich derartige nicht reale Gegenstände generell gut dazu eignen, solche Abläufe zu simulieren, die in der Realität aufwändig oder gefahrgeneigt sind.

 

Büchner macht sich sodann an die Aufgabe, die Rechtsnatur dieser Waren zu ermitteln und kommt zu dem Ergebnis, dass sie als Immaterialgüter einzuordnen sind. Schritt für Schritt erläutert er die Rechtspositionen an diesen Gütern; hierbei differenziert er zwischen den sog. „Vertikalen Rechtspositionen“ aus den Beziehungen zwischen Betreiber und Teilnehmer und den „Horizontalen Beziehungen“ zwischen allen Teilnehmern. Beim Lesen des Bands ist immer wieder zu spüren, dass der Autor ein Thema gefunden hat, dass ihn wirklich begeistert; noch besser, es gelingt ihm, diese Begeisterung auch auf seine Leser zu übertragen.

 

Den Schwerpunkt des Buchs bildet die Analyse der Möglichkeiten, virtuelle Güter zu übertragen. Vorbildlich ist hierbei das klare Konzept – einem solch sperrigen, weil sich zunächst den herkömmlichen Strukturen und Begrifflichkeiten widersetzenden Thema Herr zu werden, ist keine Selbstverständlichkeit. Sicherlich, die Väter des Bürgerlichen Gesetzbuchs kannten keine virtuellen Güter; dass man sie dennoch sicher im System des BGB verorten kann, zeigt Büchner gekonnt.

 

Der Band endet mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Arbeitsergebnisse. Gedacht ist diese als Abschluss –wer aber zunächst einen guten Einstieg in die Materie sucht, der kann die Lektüre auch von hinten beginnen.

 

Fazit:   Das Buch ist ein echter Gewinn. Auch dem  Leser, der meint so gar keine Ahnung von virtuellen Gütern und Welten zu haben, sei die Lektüre ans Herz gelegt. Danach ist man jedenfalls gewappnet – für das Abenteuer „Virtuelle Welt“!

 

Silke Glossner ist Richterin in der 5. Zivilkammer des LG München I und Mitherausgeberin des „Anwaltshdb. IT-Recht".