Thomas Hoeren

Taeger, Die Welt im Netz - Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft


Jürgen Taeger (Hrsg.), Die Welt im Netz - Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Tagungsband Herbstakademie 2011, Edewecht (olWIR Verlag) 2011, ISBN 978-3-939704-63-8, € 49,80

 

ZD-Aktuell 2012, 02901       Die Deutsche Stiftung für Recht und Informatik (DSRI) hat nicht die Aufmerksamkeit, die ihr fachlich gebührt. Es handelt sich um eine seit vielen Jahren existierende Vereinigung, die vor allem junge Leute dazu motivieren möchte, durch Vorträge und kleine Forschungsprojekte ein eigenes wissenschaftliches Profil zu bekommen und zu präsentieren. Einmal jährlich organisiert die Stiftung, vorzüglich vorbereitet durch den Vorstandsvorsitzenden Professor Dr. Jürgen Taeger von der Universität Oldenburg, eine mehrtägige Wissenschaftsveranstaltung mit Vorträgen junger Informationsrechtler. Nun liegt der Tagungsband für 2011 vor, der die exzellenten Vorträge wiedergibt, die im September 2011 an der Universität Lüneburg gehalten wurden. Die knapp 50 Vorträge decken ein breites Spektrum vom Internetrecht, Immaterialgüterrecht, Steuer- und Strafrecht, IT-Recht, Datenschutzrecht bis hin zum TK- und Medienrecht ab. Um es vorab zu sagen: Die Vorträge sind fachlich wirklich „spitze“. Um nur einzelne Themen herauszugreifen: Thorsten Feldmann berichtet über die zivilrechtlichen und datenschutzrechtlichen Probleme bei der Gestaltung von mobilen Apps (S. 47 ff.). Robert Bartel beschäftigt sich mit Internetabzocke und den damit verbundenen zivil- und betrugsstrafrechtlichen Konsequenzen (S. 67 ff.). Gut gefallen hat mir ferner der Beitrag von Sami Bdeiwi über die markenrechtlichen Probleme in sozialen Netzwerken (S. 139 ff.). Mina Kianfar plädiert dafür, Online-Videorekorder nicht urheberrechtlich auszubremsen (S. 211 ff.). Viele Beiträge beschäftigen sich mit datenschutzrechtlichen Themen, etwa Franziska Boehm mit einer sehr schönen Übersicht über aktuelle Fragen im europäischen Datenschutzrecht (S. 399 ff.) oder Jana Moser mit einer kritischen Analyse der Regelungen zur Auftragsdatenverarbeitung (S. 595 ff.). Ergänzt werden die Beiträge um Übersichten zu den einzelnen Rechtsgebieten; etwa durch Updates zum EDV-Vertragsrecht, zum Steuerrecht oder zum Internetrecht. Auch österreichische oder Schweizer Überlegungen fließen in die Texte mit ein, etwa bei dem Beitrag von Elisabeth Hödl und Christina Hofmann zur Philosophie des Datentransports (S. 665 ff.). Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass man die Vorträge sowohl als Powerpoint wie auch als Videoübertragung auf der Website der DSRI nachverfolgen kann. Auch äußerst positiv sei der sehr günstige Preis des Tagungsbands erwähnt, der der Verbreitung zugutekäme – wäre die DSRI in breiteren Kreisen mehr bekannt.

 

Prof. Dr. Thomas Hoeren ist Direktor der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und Mitherausgeber der ZD.