Freisprecheinrichtungen senken Zahl von Todesopfern


"Die Benutzung von Handys am Steuer ist ein hohes Gefahrenpotenzial für den Straßenverkehr" sagt Bert Korporal, Straßenverkehrsexperte bei der TÜV NORD STRASSENVERKEHR GMBH.
Korporal: "Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung ist sehr gefährlich, denn wer nicht beide Hände am Lenkrad hat, kann in Gefahrensituationen nicht schnell und präzise reagieren". Aus einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) geht hervor, dass im Jahr 1996 das Telefonieren am Steuer 20 Tote, 100 Schwer- und 450 Leichtverletzte verursacht hat. Vor vier Jahren aber waren Handys in Deutschland längst nicht so verbreitet wie heute. Damals gab es nur 5,5 Millionen Mobiltelefone. Heute hat sich die Zahl vervierfacht, mehr als 20 Millionen Deutsche telefonieren mobil. Und die meisten von ihnen fahren Auto.

"Einfach nur die Zahlen der Unfalltoten und -verletzten analog der Handyverbreitung hochzurechnen, das wäre falsch. Aber es ist sicher so, dass die Zahl der Unfälle gestiegen ist, die durch das Telefonieren am Steuer verursacht wurden", merkt Korporal an.

 Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Telefonieren am Steuer unaufmerksam und unsicher macht, das berichtet das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Die Autofahrer bremsen zu spät, halten ihre Fahrspur nicht ein, übersehen Verkehrszeichen und Passanten, fahren in die falsche Richtung. "Mit einer Freisprechanlage lassen sich diese Fehler um die Hälfte reduzieren", zitiert Korporal aus der Begründung zur Gesetzesänderung des Bundesministeriums.
Der TÜV empfiehlt hier eine Freisprechanlage mit Sprachsteuerung, sie berge das geringste Gefahrenpotenzial, denn auch die Bedienvorgänge, etwa das Wählen, lenken Autofahrer ab. Dennoch: Eine Ablenkung sei auch das Telefonieren mit der Freisprechanlage gegeben, gerade bei geschäftlichen Anrufen, bei denen man sich zudem nicht selten Notizen machen müsse. Deswegen empfiehlt Korporal allen Autofahrern, das Telefonieren unterwegs zu koordinieren. "Wenn man weiß, dass man sich bei dem Gespräch sehr konzentrieren muss, sollte man lieber der Sicherheit Vorfahrt gewähren, den nächsten Parkplatz aufsuchen und seinen Gesprächspartner in Ruhe zurückrufen. Dann kann man sich auch Notizen machen und regt sich während der Fahrt nicht so sehr auf. Das ist alles eine Frage der Organisation und Planung. So kann man ebenso Anrufe, die man selber tätigen muss, auch auf diese Pausenzeiten verlegen und gerät nicht in Stress". 



Der Straßenverkehrsexperte der TÜV NORD STRASSENVERKEHR GMBH Bert Korporal macht die Autofahrer zudem darauf aufmerksam, dass das Telefonieren während der Fahrt teuer werden kann, denn wer mit dem Handy am Steuer in einen Unfall verwickelt wird, den trifft bei Unfällen zumindest eine Teilschuld, oftmals auch die volle Schuld. "Und da heute per Einzelgesprächsnachweis alle Telefonate und die Zeiten aufgeführt sind, kann der Autofahrer sich nicht rausreden und leugnen, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls telefoniert hat. Mit dieser Technik ist heute alles nachvollziehbar".


NZV 3/2001