Durchbruch bei weltweitem neuen Schiffssicherheitssystem in der IMO


Minister Bodewig begrüßt die Ergebnisse der internationalen Verhandlungen über Schiffssicherheit bei der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO): "Dank intensiver deutscher Bemühungen werden Schiffsdatenschreiber (Black Box) und Schiffsidentifizierungssysteme (AIS) künftig verbindlicher Standard in der internationalen Seeschifffahrt.

Damit ist ein Quantenspruch in der Kollisionsverhütung und Überwachung des Schiffsverkehrs sowie in der Unfallursachenuntersuchung erreicht."

Heute hat der Schiffssicherheitsausschuss der IMO folgende wesentliche Regelungen angenommen, die weltweit gleichzeitig am 1. Juli 2002 in Kraft treten:

Änderungen dese Internationalen Übereinkommens zum Schutz des menschlichen Lebens auf See (SOLAS)

Das völlig überarbeitete Kapitel V, "Sicherung der Seefahrt" enthält entsprechende Ausrüstungspflichten der Schiffe mit nautischen Systemen, Geräten und Instrumenten, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. So wird u. a. schrittweise, nach Schiffsgrößen gestaffelt, ein automatisches Schiffsidentifizierungssystem (AIS) für alle Schiffe von einer Bruttoraumzahl von mehr als 300 beginnend ab 1. 7. 2002 eingeführt, für bestimmte neue Schiffe erstmals ein Schiffsdatenschreiber (Black Box) zur Unfallursachenermittlung vorgeschrieben und darüber hinaus wird die Ausrüstung aller Schiffe mit satellitengestützten Ortungs- und Navigationssystemen zur Pflicht gemacht. Erstmals wird auf deutsche Initiative in einem internationalen Regelwerk die Beachtung ergonomischer Kriterien für die sichere Bedienung nautischer Geräte und für die Gestaltung der Brücke verankert.

Bodewig: "Damit ist jetzt auch international der Weg frei, wesentliche Forderungen der Pallas-Expertenkommission und der Küstenländer für ein verbessertes und erweitertes Küstenüberwachungssystem in Nordund Ostsee umzusetzen."

Änderungen des Internationalen Sicherheitsmanagement Code (ISM Code)

Der Internationale Sicherheitsmanagement Code wurde dahingehend erweitert, dass alle Bereiche der Auditierung, der Zeugniserteilung und Gültigkeit, sowie des Zeugnisentzuges weltweit einheitlich verbindlich gemacht worden sind. Damit wird eine einheitliche Anwendung der Anforderungen des ISM-Code an das Sicherheitsmanagementsystem der Reeder bei der Überprüfung und Zeugniserteilung durch die Schifffahrtsverwaltungen sichergestellt und die Sicherheit des Schiffsbetriebes weiter verbessert.

Umsetzung des Internationalen Übereinkommens über Normen für die Ausbildung, die Erteilung von Befähigungszeugnissen und den Wachdienst von Seeleuten (STCW-Übereinkommen von 1978, 1995 revidiert)

Der Schiffssicherheitsausschuss hat nunmehr die Vertragsparteien identifiziert, die das STCW-Übereinkommen voll und ganz erfüllen. Auch Deutschland ist unter diesen Vertragsparteien und wird in der Positivliste im Anhang des entsprechenden MSC-Rundschreibens (sogenannte ¹Weiße Liste``) aufgeführt. Aufgrund der Aufnahme in die "Weiße Liste" müssen die anderen Vertragsparteien nunmehr deutsche Befähigungszeugnisse anerkennen.

Darüber hinaus hat der Schiffssicherheitsausschuss nach mehrjährigen Beratungen die weltweite verbindliche Einführung des Internationalen Code zur Beförderung gefährlicher Güter mit Seeschiffen (IMDG Code) im Rahmen des SOLAS-Übereinkommens (Kapitel VII) beschlossen. Ab 2004 gelten die bisher nur auf nationaler Ebene angewandten Regeln weltweit.

Bodewig: "Diese Ergebnisse zeigen, dass die IMO als die zuständige Internationale Seeschifffahrts-Organisation in der Lage ist, das weltweit verbindliche Regelwerk zügig an die Weiterentwicklung der Technik anzupassen und die zeitgleiche weltweite Umsetzung sicherzustellen."

(Quelle: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, Berlin)


NZV 2/2001