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Halloween

 

Hätten Sie es gewusst, liebe Leserinnen und Leser? Im vergangenen Jahr haben die Deutschen 1700 Tonnen Halloween-Süßigkeiten gekauft und dafür rund 10 Mio. Euro auf den Tisch gelegt. Das hat uns die Tagespresse Ende Oktober wissen lassen. So viel steht fest: Gebraucht haben wir diese Meldung nicht wirklich, auch nicht zu Halloween. Und: Das Geld hätte man sicherlich sinnvoller investieren können. Aber angesichts von Kürbis-Marshmallows in knalligen Orange- und Grüntönen, bunten Fruchtgummivampiren und schwarzen Lakritz-Tarantulas gelingt die Differenzierung zwischen Sinn und Unsinn vorm Süßwarenregal halt nicht immer. Aber Hauptsache, die Halloween-Party war ein voller Erfolg und kein Fall für die Justiz. Das passiert übrigens immer öfter, wie etwa jüngst in Mainz (Urt. v. 18.6. 2018 – S 14 U 45/17).

In dem Fall hatte der spätere Kläger, seines Zeichens Student, zusammen mit einigen Kommilitonen eine Halloween-Party in den Räumen der Mainzer Uni organisiert. Mit den Einnahmen sollte der anstehende Examensball finanziert werden. Zu fortgeschrittener Stunde beobachtete er, wie ein Gast eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank stibitzte und ohne Bezahlung das Weite suchte. Der Kläger stellte sich ihm in den Weg und forderte ihn auf, entweder 2,50 Euro für das Bier zu zahlen oder die Flasche zurück in den Kühlschrank zu stellen. Beiden Handlungsalternativen konnte der Ertappte wenig abgewinnen, weshalb er zur Flucht ansetzte, die erbeutete Bierflasche dicht am Mann, den heißen Atem des Verfolgers im Nacken. Ihren Höhepunkt fand die wilde Verfolgungsjagd in einer ebensolchen Rangelei, bei der erst die Bierflasche und dann der Kläger zu Boden ging; Erstere zerbrach in tausend Scherben, Letzterer verletzte sich an diesen erheblich und wollte deshalb die wilde Hatz als Arbeitsunfall anerkennen lassen. Doch die zuständige Unfallkasse lehnte ab, und zwar völlig zu Recht, wie das SG Mainz meinte. Denn zum einen sei eine Halloween-Party auch dann keine universitäre Veranstaltung, wenn sie mit dem Segen der Uni-Leitung stattfinde; zum anderen habe der Kläger neben dem Dieb primär private Interessen verfolgt, weil es ihm vor allem um die geklaute Bierflasche bzw. den Kaufpreis dafür ging. Dagegen sei an sich nichts einzuwenden; die Unfallversicherung sei aber aus dem Rennen, wenn bei solchen Verfolgungsjagden etwas passiere.

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