Max Schoenthal

Kabelfernsehen: Weitere Weichenstellungen für die Digitalisierung


Mehrere deutsche Kabelnetzbetreiber haben bekannt gegeben, dass sie auf umfangreiche Gerätespezifikationen gegenüber Empfangsgeräteherstellern verzichten wollen. So hat die Kabel Deutschland GmbH (KDG) angekündigt, in Zukunft keine umfangreichen Anforderungen an Set-Top-Boxen zu stellen.
Hersteller solcher Geräte müssten lediglich sicherstellen, dass die Angebote der KDG empfangen werden können. Dafür müssen die Boxen entweder das von der KDG verwandte Verschlüsselungssystem Nagra enthalten oder über ein sog. Common Interface (CI), d. h. über einen standardisierten Steckplatz, mittels dessen verschiedene Entschlüsselungsmodule angeschlossen werden können, verfügen. Daneben müssen die Hersteller in Form einer Selbstzertifizierung anzeigen, dass ihre Geräte Jugendschutz- und Kopierschutzfunktionalitäten aufweisen. Die Entscheidung über weitere Funktionen, wie etwa die Ausrüstung mit einem Elektronischen Programmführer (EPG) oder Schnittstellen für interaktive Anwendungen bleibt damit den Herstellern überlassen. Auch die Kabel Baden-Württemberg GmbH und Co KG (Kabel BW) ermöglicht den digitalen Empfang mit einer breiten Palette von Set-Top-Boxen. Überdies haben Kabel BW sowie ARD und ZDF sich in einer bis 31.12.2007 gültigen Vereinbarung auf Rahmenbedingungen für die digitale Kabelverbreitung geeinigt. Damit werden Kabelkunden ungehinderten Zugang zu den Angeboten der öffentlich-rechtlichen Veranstalter haben. Eine vergleichbare Einigung war zuvor auch mit der KDG erzielt worden.

Schließlich wurde der elektronischen Programmzeitschrift, dem TV Movie EPG der Bauer Verlagsgruppe, von der Hamburgischen Anstalt für Neue Medien die medienrechtliche Unbedenklichkeit bescheinigt (zu anderen elektronischen Programmzeitschriften s. MMR 5/2004, S. XXIV, MMR 8/2004, S. XVI). Diese soll in der zweiten Jahreshälfte 2005 starten und sowohl für Kabelkunden als auch für Empfänger von digitalem Satellitenfernsehen zur Verfügung stehen und eine Orientierung im wachsenden Angebot des digitalen Fernsehens ermöglichen.

Max Schoenthal

PM der KDG v. 1.2.2005 abrufbar unter: http://www.kabeldeutschland.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen.php?id=58; PM des ZDF v. 7.2.2005 abrufbar unter: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2258786,00.html.

Diese Meldung wurde der Rubrik «EMR - die medienrechtliche Monatsschau» entnommen. Das Institut für Europäisches Medienrecht (EMR) berichtet monatlich über die jüngsten Entwicklungen im Bereich Medienrecht und -politik aus den europäischen Institutionen und den Staaten Europas. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Neuerungen für den Rundfunk und die neuen Medien, insbesondere mit Blick auf die europarechtlichen Bezüge. Die EMR-Monatsschau wird freundlicherweise unterstützt durch die Veröffentlichung «IRIS - Rechtliche Rundschau der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle». Nähere Informationen im Internet unter www.emr-sb.de oder über EMR, Nell-Breuning-Allee 6, 66115 Saarbrücken; E-Mail:


MMR 2005, Heft 04, XII