ESMA-Verlautbarung zur US-Steuerreform und IAS 12


IRZ, Heft 3, März 2018, S. 112

Nachdem am 22. Dezember 2017 der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika den „Tax Cuts and Jobs Act“ (TCJA) in Kraft gesetzt hat, sind gemäß IAS 12 die steuerlichen Konsequenzen bereits für IFRS-Abschlüsse zum 31. Dezember 2017 zu berücksichtigen. Die europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority, ESMA) hat angesichts diverser Anfragen zum Umgang mit dem komplexen Regelwerk in unmittelbarer Nähe zum Abschlussstichtag eine öffentliche Verlautbarung (Public Statement) veröffentlicht.

Darin wird darauf hingewiesen, dass IAS 12 keine Erleichterungen für Gesetzesänderungen kurz vor dem Abschlussstichtag vorsieht. Deshalb seien die Änderungen durch den TCJA vollumfänglich bereits in IFRS-Abschlüssen zum Jahresende 2017 zu berücksichtigen. Durch die Zeitnähe könne es allerdings zu erhöhten Schätzunsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen kommen. Diese seien transparent darzustellen und die Schätzungen in späteren Berichtszeitpunkten ggf. anzupassen. Im Regelfall sei dies im Wege einer prospektiven Schätzungsänderung, in Ausnahmefällen aber auch als Fehlerkorrektur darzustellen. Unternehmen hätten zu prüfen, welche Darstellungsvariante im Einzelfall zutreffend sei.

ESMA bezieht sich dabei ausdrücklich auf die Regelungen des IAS 12, die öffentliche Verlautbarung entfaltet insoweit keine eigene Bindungswirkung. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ESMA diese Auffassung den späteren Enforcement-Maßnahmen der EU-Mitgliedsstaaten zugrunde legen wird.

Die öffentliche Verlautbarung ist auf der Website der ESMA (www.esma.europe.eu) verfügbar.