IASB ergänzt IFRS 9


IRZ, Heft 11, November 2017, S. 446

Am 12. Oktober 2017 hat der IASB den Ergänzungsstandard „Vorfälligkeitsregelungen mit negativer Ausgleichsleistung (Änderungen an IFRS 9)“ herausgegeben. Die Änderungen sollen verdeutlichen, wie bestimmte finanzielle Vermögenswerte mit Vorfälligkeitsregelungen nach IFRS 9 zu klassifizieren sind. Darüber hinaus wird ein Aspekt der Bilanzierung finanzieller Verbindlichkeiten infolge einer Modifikation klargestellt. Im Einzelnen wurden folgende Änderungen an IFRS 9 vorgenommen:

 

  • Nach den bisher gültigen Regelungen für die Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte in IFRS 9 ist die Zahlungsstrombedingung nicht erfüllt, wenn der Kreditgeber im Falle einer Kündigung durch den Kreditnehmer eine Ausgleichszahlung leisten müsste. Durch die Neuregelung werden die bestehenden Vorschriften in IFRS 9 zu Kündigungsrechten dahingehend geändert, dass auch bei negativen Ausgleichszahlungen eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten (beim Geschäftsmodell „Halten“) bzw. erfolgsneutral zum Fair Value (beim Geschäftsmodell „Halten oder Veräußern“) möglich ist. Das Vorzeichen einer vorgesehenen Ausgleichszahlung ist damit nicht mehr relevant, d.h., in Abhängigkeit von dem bei Kündigung vorherrschenden Zinsniveau ist eine Zahlung auch zugunsten der Vertragspartei möglich, welche die vorzeitige Rückzahlung herbeiführt. Die Berechnung dieser Ausgleichszahlung muss allerdings sowohl für den Fall einer Vorfälligkeitsentschädigung als auch für den Fall eines Vorfälligkeitsgewinns dieselbe sein.
  • Unabhängig davon erfolgt zum Thema Restrukturierung von finanziellen Verbindlichkeiten, die nicht zu deren Ausbuchung führen bzw. geführt haben, eine Klarstellung in den Grundlagen für Schlussfolgerungen (basis for conclusions). Demnach soll nach der Restrukturierung der Buchwert einer finanziellen Verbindlichkeit unmittelbar erfolgswirksam angepasst werden. Somit kann eine rückwirkende Änderung der Bilanzierung notwendig werden, wenn bisher nicht die fortgeführten Anschaffungskosten, sondern der Effektivzinssatz angepasst wurde.

                                                                                                                      

Die vorstehend dargestellten Änderungen an IFRS 9 sind grundsätzlich retrospektiv auf Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist gestattet, wobei innerhalb der EU zunächst der Abschluss des europäischen Anerkennungsverfahrens abzuwarten ist. Grundsätzlich sollte damit eine Anwendung in IFRS-Abschlüssen zum 31. Dezember 2018 (und damit zeitgleich zur Erstanwendung des IFRS 9) möglich sein. Hinsichtlich der Zwischenabschlüsse im Jahr 2018 hängt die Anwendbarkeit vom Zeitpunkt der Anerkennung durch die EU ab.