Änderungen an IAS 1 und IAS 8 zur Definition der Wesentlichkeit vorgeschlagen


IRZ, Heft 10, Oktober 2017, S. 396

Am 14. September 2017 hat der IASB den Entwurf ED/2017/6 „Definition von wesentlich“ (Vorgeschlagene Änderungen an IAS 1 und IAS 8) veröffentlicht. Ziel dieses Entwurfs ist es, einerseits die Definition von „wesentlich“ zu präzisieren und andererseits die verschiedenen Definitionen im Rahmenkonzept und in den Standards selbst zu vereinheitlichen. Kernpunkt der vorgeschlagenen Änderungen ist eine überarbeitete Definition des Wesentlichkeitsbegriffs, der sowohl in IAS 1 als auch in IAS 8 zur Anwendung gelangen soll.

Demnach sind Informationen wesentlich, wenn vernünftigerweise zu erwarten ist, dass ihre Auslassung, fehlerhafte Darstellung oder Verschleierung die auf der Basis des Mehrzweckabschlusses eines bestimmten Unternehmens getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen der primären Adressaten dieses Abschlusses beeinflussen.

Die überarbeitete Definition der Wesentlichkeit betont insbesondere drei Aspekte, die zur Beurteilung durch das bilanzierende Unternehmen herangezogen werden sollen:

  • … vernünftigerweise zu erwarten ist: In der derzeitigen Definition heißt es bisher lediglich „beeinflussen könnten“. Der IASB kam zu dem Schluss, dass eine Einschränkung erforderlich ist.
  • Verschleierung: In der bestehenden Wesentlichkeits-Definition wurde nur auf das Auslassen oder fehlerhafte Darstellen von Informationen eingegangen. Nach Ansicht des IASB kann jedoch auch eine Verschleierung von wesentlichen Informationen durch Informationen, die weggelassen werden können, ähnlich negative Auswirkungen auf das Verständnis des Abschlusses haben.
  • Primäre Adressaten: In der bisherigen Definition wird auf „Adressaten“ ohne nähere Spezifikation Bezug genommen. Der IASB befürchtet, dass dies zu weit dahingehend ausgelegt werden könnte, dass alle denkbaren Adressaten von Abschlüssen zu berücksichtigen sind.

 

Darüber hinaus werden Klarstellungen der Erläuterungen zur Wesentlichkeitsdefinition vorgeschlagen.

Die Änderungen sollen prospektiv anzuwenden sein.

Stellungnahmen zu ED/2017/6 werden bis zum 15. Januar 2018 erbeten.