IASB-Entwurf zur Vereinbarkeit von IFRS 9 mit dem neuen Versicherungsstandard


IRZ, Heft 1, Januar 2016, S. 11

Der IASB hat am 9. Dezember 2015 den Änderungsentwurf ED/2015/11Anwendung von IFRS 9 'Finanzinstrumente' gemeinsam mit IFRS 4 'Versicherungsverträge' (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 4)“ veröffentlicht, mit dem den Bedenken hinsichtlich der unterschiedlichen Zeitpunkte des Inkrafttretens von IFRS 9 „Finanzinstrumente“ und dem zukünftigen Standard zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen Rechnung getragen werden soll.

Seit es sich abzeichnet, dass der Zeitpunkt des Inkrafttretens des demnächst erwarteten Standards zu Versicherungsverträgen nicht länger gleichzeitig mit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 9 erfolgen kann, haben verschiedene Interessierte Erleichterungen für Unternehmen gefordert, die von dem zukünftigen Versicherungsstandard betroffen sein werden. Diese Forderung resultiert zunächst aus befürchteten Bilanzierungsanomalien, erhöhten Volatilitäten und systematischen Inkonsistenzen bei einer zeitversetzten Erstanwendung von IFRS 9 und dem zukünftigen Versicherungsstandard. Darüber hinaus wird vorgebracht, dass zwei umfassende Änderungen in der Bilanzierung der betroffenen Unternehmen in relativ kurzer Zeit diese ebenso überfordern könnten wie die Abschlussadressaten.

Der IASB erkennt diese Bedenken an und schlägt daher vor, den als Interimsstandard konzipierten IFRS 4 dahingehend zu ändern, dass den betroffenen Unternehmen zwei Optionen eingeräumt werden sollen, um den Bedenken in Bezug auf die unterschiedlichen Zeitpunkte des Inkrafttretens von IFRS 9 und dem neuen Standard zu Versicherungsverträgen zu begegnen. Im Einzelnen werden folgende Wahlrechte vorgeschlagen:

  1. Unternehmen können einige der Aufwendungen und Erträge aus der Gewinn- und Verlustrechnung in das sonstige Gesamtergebnis umklassifizieren, die aus qualifizierenden Vermögenswerten entstehen. Diese Vorgehensweise wurde bisher als „Überlagerungsansatz“ diskutiert.
  2. Unternehmen, deren vorherrschende Geschäftstätigkeit das Begeben von Versicherungsverträgen im Anwendungsbereich von IFRS 4 ist, haben die Möglichkeit eines einstweiligen Aufschubs der Anwendung von IFRS 9. Dies ist der sog. „Aufschubansatz“.

Die Anwendung beider Ansätze ist für die betroffenen Unternehmen freiwillig. Außerdem soll es zulässig sein, die Anwendung der Optionen bereits aufzugeben, bevor der neue Standard zu Versicherungsverträgen vom IASB veröffentlicht wird.

Für ED/2015/11 ist eine Kommentierungsfrist von nur 60 Tagen vorgesehen, die am 8. Februar 2016 endet. Der IASB weist darauf hin, dass das Handbuch für den Konsultationsprozess eine solche verkürzte Stellungnahmefrist von weniger als der üblichen Mindestfrist von 120 Tagen gestattet, wenn der Sachverhalt eng umrissen und dringend ist. Der IASB wird die eingegangenen Stellungnahmen zum Entwurf erneut erörtern und hofft, diese erneuten Erörterungen sobald wie möglich in 2016 abzuschließen.