IASB veröffentlicht Änderungen an IAS 28 und IFRS 10


IRZ, Heft 10, Oktober 2014, S. 374

Der IASB hat am 11. September 2014 den Änderungsstandard „Veräußerung oder Einbringung von Vermögenswerten zwischen einem Investor und einem assoziierten Unternehmen oder Joint Venture (Änderungen an IFRS 10 und IAS 28)“ veröffentlicht. Die Änderungen adressieren eine bekannte Inkonsistenz zwischen den Vorschriften des IFRS 10 „Konzernabschlüsse“ und des IAS 28 „Anteile an assoziierten Unternehmen und Joint Ventures“ für den Fall der Veräußerung von Vermögenswerten an bzw. der Einlage von Vermögenswerten in ein assoziiertes Unternehmen oder ein Gemeinschaftsunternehmen.

Durch die Änderungen wird klargestellt, dass bei Transaktionen des berichtenden Unternehmens (Investor) mit einem assoziierten Unternehmen oder einem Gemeinschaftsunternehmen das Ausmaß der Erfolgserfassung davon abhängt, ob die veräußerten oder eingebrachten Vermögenswerte einen Geschäftsbetrieb darstellen oder nicht.

In IAS 28 wurde bisher vorgeschrieben, Gewinne und Verluste aus Transaktionen zwischen dem berichtenden Unternehmen und seinen assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen im Abschluss der berichtenden Einheit nur entsprechend der Anteile nicht nahestehender dritter Investoren (Fremdanteile) an den Beteiligungsunternehmen zu erfassen. In IFRS 10 wurde jedoch gleichzeitig gefordert, dass eine vollständige Erfolgserfassung beim Verlust der Kontrolle über ein Tochterunternehmen zu erfolgen hat. Insbesondere unter Berücksichtigung der konzeptionellen Grundlagen des IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ kam der IASB zu dem Schluss, dass eine vollständige Erfolgserfassung nur dann erfolgen soll, wenn die veräußerten oder eingebrachten Vermögenswerte einen Geschäftsbetrieb i.S.d. IFRS 3 darstellen. Dies soll unabhängig davon gelten, ob die Transaktion als share deal oder asset deal ausgestaltet ist bzw. ob der Geschäftsbetrieb zu einem Tochterunternehmen gehört oder nicht. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Erfolge aus dem Verkauf an bzw. der Einbringung in assoziierte Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen von Vermögenswerten, die keinen Geschäftsbetrieb i.S.v. IFRS 3 darstellen, werden nur anteilig in Höhe der Beteiligung nicht nahestehender dritter Investoren am assoziierten Unternehmen oder Joint Venture erfasst.

Es wurden folgende Änderungen in IAS 28 aufgenommen:

 

  • Anpassung der Regelungen zur Erfassung von Gewinnen und Verlusten aus Transaktionen zwischen einem Unternehmen und seinem assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen dergestalt, dass sie sich nur noch auf Vermögenswerte beziehen, die keinen Geschäftsbetrieb darstellen;
  • Ergänzung des Standards um die Vorschrift, Erfolge aus Transaktionen mit assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen im Zusammenhang mit Vermögenswerten, die einen Geschäftsbetrieb i.S.v. IFRS 3 darstellen, vollständig (und nicht nur anteilig) im Abschluss des Investors zu erfassen;
  • Einführung der Verpflichtung zu überprüfen, ob Vermögenswerte, die in separaten Transaktionen veräußert oder eingebracht werden, einen Geschäftsbetrieb darstellen und insoweit als eine einzige Transaktion bilanziert werden sollten.

 

Korrespondierend wurden die folgenden Änderungen an IFRS 10 vorgenommen:

 

  • Aufnahme einer Ausnahme von der Verpflichtung zur vollständigen Erfolgserfassungsvorschrift beim Verlust der Beherrschungsmacht (control) über ein Tochterunternehmen, das keinen Geschäftsbetrieb beinhaltet, wenn der Verlust aufgrund einer Transaktion mit einem at equity bilanzierten assoziierten Unternehmen oder einem Gemeinschaftsunternehmen eintritt;
  • Ergänzung der Anwendungsleitlinien u.a. um Regelungen, nach denen Erfolge aus derartigen Transaktionen nur in Höhe des Anteils nicht nahestehender dritter Investoren am assoziierten Unternehmen oder Joint Venture in der Gewinn- und Verlustrechnung des Mutterunternehmens erfasst werden können. Ebenso sind Gewinne und Verluste aus der Fair Value-Bewertung von verbleibenden Anteilen an früheren Tochterunternehmen, die zu assoziierten Unternehmen oder Joint Ventures geworden sind und nach der Equity-Methode bilanziert werden, nur in Höhe des Anteils nicht nahestehender dritter Investoren am neuen assoziierten Unternehmen oder Gemeinschaftsunternehmen im Gewinn oder Verlust des früheren Mutterunternehmens zu erfassen.

 

Die Änderungen sind prospektiv für Berichtperioden erstmals verpflichtend anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen. Eine frühere freiwillige Anwendung ist – vorbehaltlich der noch ausstehenden Übernahme in der EU – zulässig.