IFRS IC: Interpretationsentwürfe DI/2012/1 und DI/2012/2


IRZ, Heft 7-8, Juli/August 2012, S. 273

Das International Financial Reporting Standards Interpretations Committee (IFRS IC) hat am 31. Mai 2012 zwei Entwürfe für neue Interpretationen zu den IFRS veröffentlicht. Das IFRS IC (früher: IFRIC) ist, in Kooperation mit dem IASB, für die Entwicklung von Interpretationen zu den IFRS zuständig.

Zunächst werden in dem Interpretationsentwurf „Von Behörden erhobene Gebühren für das Tätigsein von Unternehmen in spezifischen Märkten(DI/2012/1 Levies Charged by Public Authorities on Entities that Operate in a Specific Market) Regelungen zur bilanziellen Erfassung und Darstellung solcher Gebühren vorgeschlagen. Betroffen sind von Behörden erhobene Gebühren (levies), wenn Unternehmen in spezifischen Märkten tätig werden, z.B. in einem spezifischen Land, einer spezifischen Region oder in einem spezifischen Markt eines Landes. In diesem Zusammenhang war dem IFRS IC die Frage vorgelegt worden, wie die Unternehmen solche Gebühren (bei denen es sich nicht um Ertragsteuern handelt und die dementsprechend nicht unter die Regelungen des IAS 12 fallen) in ihren Abschlüssen bilanziell abzubilden haben. Dabei wurde insbesondere gefragt, zu welchem Zeitpunkt die Gebühr erstmals zu erfassen ist. In dem nun vorgelegten Entwurf wird vorgeschlagen, diejenige Aktivität, welche gemäß gesetzlicher Vorschrift die Zahlung der Gebühr auslöst, als verpflichtendes Ereignis anzusehen, welches die Passivierung der Schuld auslöst.

Stellungnahmen zu DI/2012/1 werden in elektronischer Form erbeten und sind bis zum 5. September 2012 dem IFRS IC zuzuleiten.

Darüber hinaus beschäftigt sich der zweite Interpretationsentwurf mit „Geschriebenen Verkaufsoptionen auf einen nicht beherrschenden Anteil eines Anteilseigners(DI/2012/2 Put Options Written on Non-controlling Interests). Er bezieht sich auf die Bilanzierung für geschriebene Optionen eines Mutterunternehmens in Bezug auf (Eigenkapital-)Anteile an einem Tochterunternehmen, die von einem (Minderheits-)Anteilsinhaber dieser „nicht beherrschenden Anteile“ gehalten werden. Bei einer geschriebenen Option handelt es sich um einen Vertrag, der dem Käufer der Option das Recht gewährt, einen spezifizierten Vermögenswert an den Stillhalter bzw. den Aussteller der Option zu einem spezifizierten Preis und zu einem spezifizierten Zeitpunkt zu veräußern. Sofern ein Mutterunternehmen dazu verpflichtet ist, die (Eigenkapital-)Anteile an seinem Tochterunternehmen gegen Zahlungsmittel oder andere finanzielle Vermögenswerte zu erwerben, muss das Mutterunternehmen eine finanzielle Verbindlichkeit in seinem Konzernabschluss in Höhe des beizulegenden Zeitwerts des Optionsausübungspreises ansetzen. Dem IFRS IC war in diesem Zusammenhang die Frage vorgelegt worden, wie bei der Folgebewertung dieser finanziellen Verbindlichkeit vorzugehen ist, da insofern erheblich voneinander abweichende Auslegungen bestehen. Unter Bezugnahme auf die Regelungen zur Erwerbsbilanzierung war einerseits eine erfolgsneutrale Folgebewertung denkbar, während eine Behandlung als Finanzinstrument i.S.v. IAS 32/39 bzw. IFRS 9 eine erfolgswirksame Folgebewertung auslösen würde. Das IFRS IC hat sich für die letztgenannte Alternative entschieden, so dass alle Folgebewertungsänderungen der finanziellen Verbindlichkeit gemäß IAS 39 bzw. IFRS 9 in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen sind.

Die Stellungnahmefrist zu DI/2012/2 endet am 1. Oktober 2012. Stellungnahmen werden in elektronischer Form zur Einreichung beim IASB erbeten.