IFRIC 23 zu Steuerunsicherheiten veröffentlicht


IRZ, Heft 7/8, Juli/August 2017, S. 294

Am 7. Juni 2017 hat der IASB den finalen Stand der vom IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) entwickelten Interpretation IFRIC 23 „Unsicherheit bezüglich der ertragsteuerlichen Behandlung“ veröffentlicht. Ausgangspunkt der Entwicklung der neuen Interpretation war die vom IFRS IC beobachtete unterschiedliche Vorgehensweise in der Praxis in Bezug auf den Ansatz und die Bewertung von tatsächlichen und latenten Ertragsteuern in Fällen, in denen Unsicherheit hinsichtlich des Betrags der geschuldeten (erstattungsfähigen) Ertragsteuern besteht. Durch die Interpretation soll eine einheitliche Vorgehensweise in diesem Bereich erreicht werden.

Die neue Interpretation ist auf zu versteuernde Gewinne bzw. steuerliche Verluste, steuerliche Basiswerte, nicht genutzte steuerliche Verlustvorträge, nicht genutzte Steuergutschriften und Steuersätze anzuwenden, wenn Unsicherheit bzgl. der ertragsteuerlichen Behandlung nach IAS 12 besteht. Dabei werden unterschiedliche Teilsachverhalte hinsichtlich der Ermessensausübung durch das berichtende Unternehmen adressiert:

  1. Bei der Entscheidung, ob jede steuerliche Behandlung einzeln oder ob mehrere steuerliche Behandlungen gemeinsam beurteilt werden sollen, hat ein Unternehmen Ermessen anzuwenden und den Ansatz zu wählen, der die bessere Vorhersage der Auflösung der Unsicherheit ermöglicht.
  2. Ein Unternehmen hat davon auszugehen, dass eine Steuerbehörde von ihrem Prüfungsrecht hinsichtlich der gemeldeten Daten Gebrauch machen wird und dabei vollständige Kenntnis über alle relevanten Informationen besitzt.
  3. Ein Unternehmen hat zu berücksichtigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die entsprechende Behörde die jeweilige steuerliche Behandlung (oder Kombination von steuerlichen Behandlungen) akzeptiert, die das Unternehmen bei seiner Ertragsteuererklärung verwendet hat oder zu verwenden beabsichtigt. Bei voraussichtlicher Nicht-Akzeptanz ist der wahrscheinlichste Betrag oder der erwartete Wert der steuerlichen Behandlung anzusetzen. Dabei sollte die Entscheidung darauf beruhen, welche Methode die bessere Vorhersage der Auflösung der Unsicherheit ermöglicht.
  4. Sofern sich Tatsachen oder Umstände ändern, hat ein Unternehmen seine Ermessensentscheidungen und Schätzungen zu überprüfen.

 

Neue Angabevorschriften enthält IFRIC 23 nicht; vielmehr wird ausdrücklich auf bestehende Angabevorschriften in IAS 1 und IAS 12 verwiesen. IFRIC 23 ist verpflichtend für Berichtsperioden anzuwenden, die – für IFRS-Anwender in der EU unter der Voraussetzung des Endorsement – am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen.