IFRS 14 veröffentlicht


IRZ, Heft 3, März 2014, S. 100

Der IASB hat am 30. Januar 2014 den Interims-Standard IFRS 14 „Regulatorische Abgrenzungsposten“ veröffentlicht. Zielsetzung des Standards ist, Unternehmen, die IFRS-Erstanwender sind und die nach ihren bisherigen Rechnungslegungsvorschriften regulatorische Abgrenzungsposten erfassen, zu gestatten, dies weiterhin auch nach dem Übergang auf die IFRS zu tun. Der Standard ist als kurzfristige Zwischenlösung gedacht, bis der IASB sein längerfristiges grundlegendes Projekt zu preisregulierten Geschäftsvorfällen abschließt.

Nach Aussage des IASB sollen mit Veröffentlichung dieses Standards keine Ergebnisse des umfassenden Projekts, das sich noch in der Anfangsphase befindet, vorweggenommen werden.

Seit September 2012 steht auf der Agenda des IASB das umfassende Projekt zu preisregulierten Geschäftsvorfällen, bei dem zunächst ein Diskussionspapier entwickelt werden sollte. Im Dezember 2012 entschied der Standardsetter, dem Projekt eine weitere Phase hinzuzufügen und einen begrenzten Zwischenstandard zu entwickeln. Im Rahmen dieses begrenzten Projekts wurde im April 2013 der IASB-Entwurf ED/2013/5 Regulatorische Abgrenzungsposten herausgegeben (siehe IRZ 2013, 223). Die eingegangenen Stellungnahmen zum Entwurf führten zu einigen Klarstellungen und kleineren Änderungen (u.a. zu einer neuen Angabevorschrift). Jedoch gingen die wesentlichen Vorschläge aus dem Entwurf ohne größere Änderungen in den jetzt veröffentlichten Zwischenstandard ein.

Die Anwendung von IFRS 14 kann nur zum gleichen Zeitpunkt erfolgen wie die Anwendung von IFRS 1. Er steht somit lediglich IFRS-Erstanwendern zur Verfügung. Zudem müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Insbesondere muss ein Unternehmen, das den Standard anwenden möchte, „preisregulierte Geschäftstätigkeiten“ (wie in IFRS 14 definiert) ausüben und es muss in seinem bisherigen Abschluss Beträge erfasst haben, die sich nach den zuvor angewendeten Rechnungslegungsvorschriften als regulatorische Abgrenzungsposten qualifizieren.

Der Standard beinhaltet folgende wesentliche Einzelregelungen:

  • Die Posten, die die Auswirkungen der Preisregulierung widerspiegeln, sind als „aktivischer regulatorischer Abgrenzungsposten“ und „passivischer regulatorischer Abgrenzungsposten“ zu bezeichnen (Gesamtbezeichnung „regulatorische Abgrenzungsposten“). Diese Posten können nicht als Vermögenswerte oder Schulden benannt oder gemeinsam mit diesen dargestellt werden, da die Frage, ob diese Posten die Definition eines Vermögenswerts oder einer Schuld nach dem Rahmenkonzept erfüllen, noch auf Grundlage des umfassenden Projekts des IASB zum Rahmenkonzept geklärt werden muss.
  • Die Auswirkungen der Preisregulierung müssen in der Darstellung der Finanzlage und in der Gewinn- und Verlustrechnung oder im sonstigen Ergebnis separat ausgewiesen werden; im Standard sind erläuternde Beispiele zu den Ausweisvorschriften enthalten.
  • Alle Vermögenswerte und Schulden, Posten und Geschäftsvorfälle müssen entsprechend aller anderen einschlägigen IFRS bilanziert werden, sodass die regulatorischen Abgrenzungsposten die Auswirkungen der Preisregulierung erst nach der Erfüllung aller anderen IFRS-Vorschriften zeigen.
  • IFRS 14 enthält spezifische Vorschriften, wie andere Standards auf regulatorische Abgrenzungsposten oder Änderungen in diesen anzuwenden sind.
  • Der Standard definiert bestimmte Angabevorschriften, die darauf abzielen,

(a)     die Adressaten in die Lage zu versetzen, das Wesen des vorliegenden Preisregulierungssystems und damit verbundene Risiken einzuschätzen, und

(b)    den Adressaten zu ermöglichen, zu verstehen, wie die regulatorischen Abgrenzungsposten erfasst und erstmalig sowie nachfolgend bewertet werden.

 

Der Standard kann angewendet werden, wenn der erste IFRS-Abschluss eines Unternehmens für Berichtsperioden erstellt wird, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig. Die Anwendung von IFRS 14 ist freiwillig. Wenn sich ein Unternehmen allerdings entscheidet, den Standard im Rahmen der erstmaligen IFRS-Bilanzierung anzuwenden, gilt dies zwingend auch für alle Folgeperioden. Anwender in der EU müssen für die Berücksichtigung in einem befreienden IFRS-Konzernabschluss jedoch die noch ausstehende Anerkennung im Rahmen des EU-Endorsement-Verfahrens abwarten.