Aktuelle Trends beim internen und externen Reporting


Ergebnisse der empirischen Studie von Horváth & Parnter

Das Konzernberichtswesen, in dieser Studie als Corporate Reporting bezeichnet, ist ein Teil im Steuerungswerkzeugkasten ist, dessen „Leistung“ (Performance) von großem Interesse ist.

Horváth & Partner hat aus diesem Grund eine Studie initiiert, um die aktuellen Ausprägungsformen im Corporate Reporting aufzunehmen, sowie Trendaussagen zu identifizieren.

Unter Corporate Performance Reporting ist ein Konzept zur unternehmensinternen und -externen Informationskoordination international vernetzter Unternehmen, mit dem Ziel, sowohl Management- als auch Shareholder- und Stakeholderbedürfnisse zu befriedigen, zu verstehen.


Welche Untenehmen wurden im Einzelnen wann befragt?

Es wurden die Top-500-Unternehmen von Deutschland sowie die Top-100-Unternehmen von Österreich und der Schweiz eingeladen an der Studie teilzunehmen. Eine Beschränkung auf börsennotierte Unternehmen war nicht beabsichtigt, weil auch kleinere Unternehmensgruppen beteiligt werden sollten.

98 Antworten sind in die Auswertung der Ergebnisse eingeflossen. Geantwortet haben Führungskräfte aus den Bereichen Rechnungswesen, Controlling und Finanzen.

72 % der Antworten kommen von deutschen Unternehmen. Die restlichen Studienteilnehmer kommen aus Österreich und der Schweiz. Die teilnehmenden Unternehmen verteilen sich gleichmäßig auf alle Branchen, vom Maschinenbau, über Elektrotechnik bis hin zu Handel und Finanzdienstleistung.

  • 41 % der teilnehmenden Unternehmen sind börsennotierte Aktiengesellschaften (7 DAX Unternehmen, 11 MDAX Unternehmen, 22 Unternehmen die anderen Indizes der deutschen, österreichischen und schweizerischen Börse angehören),
  • 50 % nicht börsennotierte Aktiengesellschaften und
  • 9 % Personengesellschaften.

Über 90 % der teilnehmenden Unternehmen sind Kapitalgesellschaften, die fast alle einen Umsatz von mehr als 500 Mio. Euro im Jahr erzielen. Zur Erstellung des Konzernabschlusses werden bei

  • 55 % der Unternehmen immer noch landesrechtliche Vorschriften (z.b. OR, HGB) angewendet,
  • bei 29 % die IAS und schließlich
  • bei 16 % die US-GAAP.


67 % sind ein Konzernmutterunternehmen und die restlichen sind Tochterunternehmen eines Konzerns.

Die Befragung und Beantwortung erfolgte schriftlich bzw. online (http://212.114.128.209/rogator/horvath/Business_Reporting/) von November bis Dezember 2001.

Die Studie wurde vom Competence Center Controllingsysteme von Horváth & Partner durchgeführt. Neben Privatdozent Dr. Ronald Gleich stehen folgende Ansprechpartner zur Verfügung: Dipl.-Wirtsch.-Ing. Jens Gräf, Mag. Sabine Kogler, Dr. Alexander Sasse.


Welche Kennzahlen/Erfolgsgrößen dominieren im Berichtswesen?


  • Traditionelle, vergangenheitsorientierte Kennzahlen, wie Erfolgs-, Umsatz- und Auftragseingangsgrößen, und absolute Erfolgsgrößen, wie EBIT(A) (nähere Erläuterungen siehe hier:, Cash-Flow dominieren die Berichtsinhalte – sowohl an das Top-Management als auch an die Kapitalgeber.
  • Überraschend gering ist der Anteil von wertorientierten Berichtsgrößen (wie EVA, DCF, CFROI) bei den befragten Unternehmen (vgl. Abb. 1).
  • Nicht-monetäre Informationen (z.B. prognostizierte Rohstoffentwicklungen, geplante Absatzmengen mit Key Accounts oder Projektfortschritte von wesentlichen Projekten) für die Beurteilung der künftigen Lage sind in den Berichten kaum enthalten. Die Mehrzahl der Unternehmen gaben an, dass weniger nicht-monetäre als monetäre Informationen an das Top-Management und an die Kapitalgeber berichtet werden. Auf die Frage, ob auch über den Fortschritt von Projekte und Maßnahmen an das Top-Management berichtet wird, antworteten 74 Unternehmen mit Ja. In der Berichterstattung an die Kapitalgeber sind diese Informationen nur bei 55 Unternehmen enthalten.


Abbildung 1: Finanzielle Steuerungsgrößen für die Berichterstattung an das Top Management und an die Kapitalgeber (mehrfache Antwortmöglichkeit)



Wie häufig werden wesentliche Reportingbestandteile berichtet?


  • Die interne Betriebsergebnisrechnung wird beim Großteil (91 %) monatlich durchgeführt.
  • Mehr als ein Drittel der Befragten nutzen neben der quartalsweisen und jährlichen Bilanz- und Kapitalflussrechnung diese Instrumente auch monatlich.
  • Erstaunlich hoch ist im Vergleich dazu der Anteil der Unternehmen, die eine monatliche Gewinn- und Verlustrechnung berichten, nämlich zwei von drei Unternehmen.
  • Ferner sind bei einem Viertel der Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, auch Risikoindikatoren im monatlichen Berichtswesen enthalten (siehe Abb. 2).


Abbildung 2: Die Grundlage der Berichterstattung basiert auf folgenden Instrumenten in der folgenden Periodizität (mehrfache Antwortmöglichkeit):


Im Rahmen der Konsolidierung der Ergebnisse einzelner Konzernunternehmen zum Konzernergebnis spielt die Berechnung der internen Wertschöpfung eine wichtige Rolle. 86 % der teilnehmenden Unternehmen befürworteten die These, dass konsolidierte Kunden- und Produktdeckungsbeiträge als Entscheidungsunterstützung zur Unternehmenssteuerung gebraucht werden.

Die Grundlage für die Segmentberichterstattung ist bei 46 % der befragten Unternehmen die Konsolidierung der Management-Unternehmensstruktur, bei 40 % die legale Unternehmensstruktur und bei 14 % dient eine Nebenrechnung zur Ermittlung der Segmentergebnisse.



Wie hoch ist der Standardisierungsgrad der Berichte?


  • Nur die Hälfte setzen bereits standardisierte Berichte an die Kapitalgeber ein.
  • Der Standardisierungsgrad von Berichten an das Top-Management ist schon sehr hoch und liegt bei den Studienteilnehmern bei 76 %.


Dies ist ein wichtiger Indikator für die Effizienz von Berichtsprozessen. 99 % der befragten Unternehmen stimmen der These zu, dass die Berichterstattung an die Eigen- und Fremdkapitalgeber standardisiert werden muss.


Inwieweit besteht schon eine Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen?


  • Nach Ansicht von 89 % der Befragten führen das kapitalmarktorientierte Management und die Harmonisierung der internationalen Rechnungslegung zu einer Veränderung des Aufgabenbereichs des Controllers.
  • 79 % sehen eine Verschmelzung zwischen internem und externem Rechnungswesen als sinnvoll an.
  • Bei 27 % der befragten Unternehmen ist die Verschmelzung schon abgeschlossen,
  • 24 % haben damit begonnen und
  • 21 % haben sie noch vorgesehen.


Die Verschmelzung bedeutet aber nicht einheitliche Wertansätze, dies bestätigte die Aussage, dass ausgewählte Kosten- und Aufwandsarten separat bewertet werden, sei es für den Zweck des internen oder externen Rechnungswesens oder für den Zweck der Steueroptimierung. Dies trifft insbesondere auf materielle und immaterielle Abschreibungen, Wagnisse bzw. Rückstellungen, Eigen- und Fremdkapitalzinsen sowie Entwicklungsaufwendungen zu (siehe Abb. 3).


Abbildung 3: Kosten- und Aufwandsarten mit separaten Wertansätzen (mehrfache Antwortmöglichkeit)


Wie viele Konsolidierungsstufen sind erforderlich und welche Software wird dabei eingesetzt?


Bei knapp der Hälfte (45 %) der Unternehmen ist die Intercompany Verrechnung Anlass für Ergebnisdiskussionen. Als Ursachen dafür wurde vor allem genannt, dass geltende Transferpreisregelungen immer wieder in Frage gestellt werden, der Prozess unzureichend durch DV-Instrumente unterstützt ist und dass die Verantwortlichkeiten unzureichend geregelt sind. Dabei verwendete Konsolidierungsstufen:

  • 1 Konsolidierungsstufe: 43,6 %,
  • 2 Konsolidierungsstufen: 29,8 %,
  • 3 Konsolidierungsstufen: 18,1 %,
  • mehr als 3 Konsolidierungsstufen: 8,5 %.


Somit befinden sich ein Viertel im obersten Komplexitätsbereich und verwenden mehr als zwei Konsolidierungsstufen.

Unterstützt wird der Konsolidierungsprozess bei 60 % der Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, von einer speziellen Softwarelösung. Nur 10 % setzen dafür die Funktionen ein, die im Transaktionssystem dafür zur Verfügung stehen und immerhin 16 % verwenden dafür MS Excel oder ACCESS. Die State-of-the-art Variante, die Konsolidierung mit einem integrierten Management Informationssystem durchzuführen, haben nur 16 % der teilnehmenden Unternehmen realisiert.


DER AUTOR


Privatdozent Dr. Ronald Gleich

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BC 8/2002