Digitalisierung krempelt Berufswelt um: Auch Bilanzbuchhalter und Controller stark betroffen


Bericht zum Symposium der BVBC-Stiftung vom 2.3.2017

 

 

1. Einführung

Für den 2.3.2017 hatten die BVBC-Stiftung und die Hochschule FOM zum Frühjahrssymposium nach Düsseldorf eingeladen. Das Thema war wie folgt gestellt: „Erfordert die Digitalisierung ein neues Berufsverständnis für Bilanzbuchhalter und Controller?“ Diese Fragestellung beleuchteten die Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln und gaben den zahlreichen Teilnehmern vielfältige Anregungen und Denkanstöße – gleich ob selbstständig oder angestellt als Bilanzbuchhalter oder als Controller. Bereits der erste Satz im Auftaktvortrag von Jörgen Erichsen, dass laut Job-Futuromat der ARD (https://job-futuromat.ard.de/) bereits heute 64% der Tätigkeiten eines Bilanzbuchhalters und 63% der Tätigkeiten eines Controllers von Maschinen übernommen werden könnten, zeigt die Brisanz dieses Themas mehr als deutlich. Das Veranstaltungsprogramm im Überblick:

  • Betriebswirtschaftliche Beratung als Chance für selbstständige Bilanzbuchhalter (Jörgen Erichsen)
  • Die Digitalisierung verändert Beratungsdienstleistungen: So können kleine Unternehmen profitieren (Dagmar Recklies; Recklies Management Project GmbH)
  • Auswirkungen von „künstlicher Intelligenz“ und Digitalisierung auf den Berufsstand der steuerberatenden Berufe (Ralph Gurski, MBA, Business Solutions for Services West GmbH)
  • Finance 2020: Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung; Gehaltsstudie 2017 Robert Half (Stilianos Tsikopoulos, Robert Half)
  • Der Controller zwischen Zahlenknecht und Digitaler Transformation – Wahrnehmung eines Berufsbilds und neue Herausforderungen (Prof. Dr. Thomas Heupel, FOM)
  • Analyse von Schnittstellen zwischen Controlling und Rechnungslegung durch Schaffung einer einheitlichen Datenbasis (Dr. Marcus Bieker, FOM).

 

 

2. Digitalisierung erfordert neues Berufsverständnis

Vieles ist noch unklar, aber sicher dürfte sein: Die Digitalisierung ist ein vielschichtiger Megatrend, der alle Aspekte des Wirtschaftslebens nachhaltig verändert. Dies gilt insbesondere auch für die Berufe der Bilanzbuchhalter und Controller. Und vor allem gilt: Die Digitalisierung ist nicht mehr oder weniger weit entfernt, sondern schon in vollem Gange – und holt erst richtig Schwung, so der Tenor aller Vorträge. Mehrfach wurde auf die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik in den vergangenen Jahrzehnten Bezug genommen.

So stehen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Blockchain (engl. für Blockkette: webbasiertes, dezentrales Buchhaltungssystem zur einheitlichen Datenverknüpfung) und Internet of Things (engl. für Internet der Dinge: digitale Vernetzung von Personen, Geräten, Sensoren, Prozessen etc. via Internetprotokoll (IP)-Netz) kurz vor dem Durchbruch in den Massenmarkt. Die Auswirkungen auf Unternehmen – und somit auf die Arbeit der Finanzbereiche – lassen sich derzeit zwar erahnen, aber noch nicht genau vorhersagen. Aber auch wenn die konkreten Auswirkungen der Digitalisierung schwer einschätzbar sind – dass die Berufe der Bilanzbuchhalter und Controller enorm verändert werden, stand in der Runde außer Zweifel.

Gerade deswegen sind angestellte wie selbstständige Bilanzbuchhalter und Controller gut beraten, sich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Nur so können sie sich rechtzeitig auf Veränderungen einstellen – so die Empfehlung von Dagmar Recklies in ihrem Vortrag zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf Beratung und KMU; sie nahm u.a. zum Durchbruch neuer Technologien näher Stellung (mehr dazu siehe auch unter http://www.managementportal.de/inhalte/artikel/fachbeitraege/18-maerkte-branchen-trends/790-digitalisierung-bilanzbuchhalter-controller.html).

Jörgen Erichsen zeigte sich überzeugt, dass ein verändertes Berufsbild ein verändertes Selbstverständnis erfordert. Denn zum Ausgleich wegfallender Tätigkeiten wird die Digitalisierung auch neue Fragestellungen und Aufgaben mit sich bringen. Für veränderungsbereite Menschen sind das neue Chancen. Dazu wurden von ihm und anderen Referenten verschiedene Ansätze von allgemein bis konkret diskutiert, z.B.

  • Bilanzbuchhalter und Controller müssen mehr IT-Kompetenzen entwickeln, um die Potenziale der Digitalisierung für sich und ihre internen wie externen Auftraggeber nutzen zu können.
  • Auch die verstärkte Kooperation mit IT-Experten ist eine Option.
  • Selbstständige Bilanzbuchhalter können durch betriebswirtschaftliche Beratung Zusatznutzen besonders für ihre kleinen und mittleren Unternehmenskunden schaffen.

In diesem Zusammenhang betonte Ralph Gurski, dass angestellte und selbstständige Bilanzbuchhalter und Controller bereits heute auf IT-Lösungen zugreifen können, mit denen sie die Aussagekraft des betrieblichen Zahlenwerks erheblich verbessern können. Als ein weiterer Referent appellierte Prof. Dr. Heupel, dass sich Controller und Bilanzbuchhalter heute und morgen als Managementberater, Navigator und Umsetzungsbegleiter verstehen müssen – und in ihren Unternehmen auch tatsächlich so positionieren sollten. Heupel erinnerte daran, dass schon immer Berufe verschwunden sind und dafür neue entstanden.

Trotz aller teilweise eingetrübten Aussichten sind aber menschenleere Finanzabteilungen nicht zu befürchten. Dies belegen aktuelle Daten, auf die Stilianos Tsikopoulos von Robert Half verwies. Demnach sehen die befragten CFOs sogar einen steigenden Bedarf an Finanzexperten, allerdings nur, wenn sie auch Kompetenzen in Bereichen wie IT und Datenanalyse mitbringen sowie strategische Weitsicht haben.

 

 

3. Zukunftsweg erfordert Veränderungsbereitschaft

Um von den anstehenden Entwicklungen tatsächlich profitieren zu können, wird für alle ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft notwendig sein: Es wird mehr denn je zuvor darauf ankommen, sich ständig weiterzuentwickeln, dazuzulernen und über die Grenzen angestammter Aufgabenfelder hinauszudenken. Wer als Buchhalter und/oder Controller über eine solche mentale Einstellung verfügt, hat gute Voraussetzungen, die Digitalisierung nicht nur als Chance zu begreifen, sondern auch zu nutzen, um in der Arbeitswelt von morgen noch relevant und gefragt zu sein.

 

 

4. Fazit

Im Anschluss an die Vorträge der einzelnen Referenten ergaben sich eine Vielzahl von Fragen aus dem Publikum und intensive Diskussionen. Die regen Diskussionen waren von Lösungsorientierung und Optimismus geprägt. Dass die Veranstaltung gelungen war, zeigte auch die Aussage eines Berliner Teilnehmers: „Die Veranstaltung war hochinteressant und spannend. Ich nehme viel mit und die Anreise aus Berlin hat sich in jedem Fall gelohnt.“ Der Vorstand der BVBC-Stiftung und Prof. Dr. Thomas Kümpel von der FOM zeigten sich hocherfreut, dass die Auswahl des Themas und die Vortragsthemen den „Nerv“ der Teilnehmer getroffen haben.

Um allen interessierten Fach- und Führungskräften auch im Nachgang zum Symposium den Zugang zu den Vortragsunterlagen zu ermöglichen, haben die Veranstalter die Vortragsskripte zum kostenfreien Download unter http://bvbc-stiftung.de/index.php/nachrichten/74-erfordert-die-digitalisierung-ein-neues-berufsverstaendnis-fuer-bilanzbuchhalter-und-controller zur Verfügung gestellt (selbstverständlich freut sich die Stiftung über jede freiwillige Spende).

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, Inhaber des BuS-Netzwerks für Betriebswirtschaftliche und Steuerliche Fachinformationen (www.bus-hillmer.de), Coesfeld

 

 

BC 4/2017