Erfolgskennziffer EBIT


Wie wird die Ertragskennzahl „EBIT“ (Earnings Before Interests and Taxes) ermittelt, und wo liegen die Grenzen der Aussagekraft? Konkrete Antworten aus der Praxis finden Sie hier!

 

  

Was soll mit EBIT besser erkannt werden?

Die absolute Ertragskennzahl „EBIT“ (Earnings Before Interests and Taxes) ist eine international gebräuchliche Messgröße für die operative Ertragskraft eines Unternehmens. In der Erfolgsstruktur-Analyse wird sie zur Ermittlung des ordentlichen Betriebsergebnisses herangezogen (siehe Berechnungsschemata).

 

  

EBIT-Berechnungsschema –

angelehnt an das GuV-Gliederungsschema „Gesamtkostenverfahren“ (§ 275 Abs. 2 HGB)

  

Umsatzerlöse (Nr. 1)

+/- Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen (Nr. 2)

+ andere aktivierte Eigenleistungen (Nr. 3)

+ sonstige betriebliche Erträge (Nr. 4, bereinigt um periodenfremde/außergewöhnliche Bestandteile, z.B. Erträge aus Zuschreibungen zu Forderungen)

./. Materialaufwand (Nr. 5)

./. Personalaufwand (Nr. 6, ohne Zinsanteil in Pensionsrückstellungen)

./. sonstige betriebliche Aufwendungen (Nr. 8, bereinigt um periodenfremde/außergewöhnliche Bestandteile, z.B. Verluste aus Anlagenabgang)

= EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation)

./. Abschreibungen auf Anlagevermögen (Nr. 7 Buchst. a, bereinigt um periodenfremde/außergewöhnliche Bestandteile, z.B. außerplanmäßige AfA)

= EBIT (Earnings Before Interests and Taxes)

 

 

 

 

 

 

 


 

  

EBIT-Berechnungsschema –

angelehnt an das GuV-Gliederungsschema „Umsatzkostenverfahren“ (§ 275 Abs. 3 HGB)

  

Umsatzerlöse (Nr. 1)

./. Herstellungskosten (Nr. 2)

= Bruttoergebnis vom Umsatz (Nr. 3)

./. Vertriebskosten (Nr. 4)

./. allgemeine Verwaltungskosten (Nr. 5)

+ sonstige betriebliche Erträge (Nr. 6, Saldo: bereinigt um periodenfremde/außergewöhnliche Bestandteile, z.B. Erträge aus Zuschreibungen zu Forderungen)

./. sonstige betriebliche Aufwendungen (Nr. 7, Saldo: bereinigt um periodenfremde/außergewöhnliche Bestandteile, z.B. Verluste aus Anlagenabgang)

= EBIT (Earnings Before Interests and Taxes)

+ Abschreibungen auf Anlagevermögen [*]

= EBITDA (Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation)

 

 

 


[*] Die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände sind beim Umsatzkostenverfahren auf die einzelnen Funktionsbereiche verteilt: So sind z.B. planmäßige und außerplanmäßige Abschreibungen auf Fertigungsanlagen, Patente, Lizenzen und Know-how aus den Herstellungskosten des Umsatzes herauszurechnen. Die Abschreibungen auf Bürogebäude sind – entsprechend der Nutzung – auf den Fertigungs-, Vertriebs- und Verwaltungsbereich aufgeteilt.

 

 

Das EBIT zeigt an, welches Ergebnis ein Unternehmen nach folgenden Kriterien erwirtschaftet hat:

 

Jahresüberschuss

  • vor Zins- und Beteiligungsergebnis
  • vor Abzug der Ertragsteuern und
  • vor außerordentlichem Ergebnis

= EBIT

 

 

Der Ausschluss national unterschiedlicher Zins- und Steuerbelastungen soll die Voraussetzungen für die Vergleichbarkeit von Unternehmen (unabhängig von der individuellen Kapitalstruktur) schaffen.

Mit dem Herausrechnen dieser Positionen aus dem Jahresüberschuss wird ein unverzerrter Einblick in die geschäftliche Situation einer Gesellschaft angestrebt. Zudem soll beim Vergleich von zwei Unternehmen vermieden werden, dass das eine Unternehmen unberechtigterweise wesentlich besser oder auch schlechter aussieht als das andere. Denn Unternehmen mit einer höheren Eigenkapitalquote auf Grund geringerer Fremdkapitalkosten schneiden bei Verwendung des Jahresüberschusses bzw. der Netto-Umsatzrendite tendenziell besser ab.

Durch Hinzurechnen der Zins- und Steueraufwendungen besteht allerdings die Gefahr, bei externen Adressaten einen höheren Gewinn zu suggerieren.

 

 

Beispiel in Bezug auf Zinszahlungen:

Das stärker verschuldete Unternehmen S leistet höhere Zinszahlungen als das überwiegend mit Eigenkapital finanzierte Unternehmen E. In der Ertragsgröße „Jahresüberschuss“ werden diese Zinszahlungen berücksichtigt, d.h., sie führen zu einer Verminderung des Jahresüberschusses.

Beim stärker mit Eigenkapital finanzierten Unternehmen E, das den selben Ertrag aus der betrieblichen Tätigkeit erzielt hat, wird dementsprechend der Jahresüberschuss nicht oder nicht so deutlich durch Zinsaufwendungen vermindert. Das Unternehmen E scheint also bei seiner wirtschaftlichen Tätigkeit wesentlich erfolgreicher zu sein als das Unternehmen S, obwohl beide rein operativ dasselbe leisten.

 

 

Für außerordentliche Aufwendungen und Erträge (z.B. Erträge aus der Auflösung von Sonderposten mit Rücklageanteil), die außerhalb der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit einer Kapitalgesellschaft anfallen, sowie für die einem anderen Geschäftsjahr zuzurechnenden Erträge/Aufwendungen besteht (gemäß § 277 Abs. 4 Satz 3 HGB) eine Angabepflicht, falls diese für die Beurteilung der Ertragslage nicht von untergeordneter Bedeutung sind (= Wesentlichkeits-/Materiality-Grundsatz).

 

                                EBIT
EBIT-Marge = -----------------
                         Umsatzerlöse

 

 

 

Die EBIT-Marge ist quasi eine „operative Umsatzrendite“, die zuweilen zum Betriebsvergleich eingesetzt wird – vor allem innerhalb derselben Branche. Richtwerte sind allerdings nicht bekannt. Es gilt: Je höher die EBIT-Marge, desto besser.

 

  

Berechnungsbeispiel zur EBIT-Marge:

Umsatzerlöse: 4.493 Mio. €

EBIT: 681 Mio. €

EBIT-Marge = 681/4.493 = 15%

 

 

 

Die Eliminierung der Abschreibungen auf Sachanlagen (D = Depreciation) und auf immaterielle Vermögensgegenstände (A = Amortisation) im EBIDTA – im Unterschied zum EBIT – hat die Funktion, verzerrende Effekte, welche durch unterschiedliche Abschreibungsverfahren sowie Bewertungsspielräume bei den Wertminderungsaufwendungen entstehen, auszuschließen. Durch die Neutralisierung der Abschreibungen werden Finanzierungspotenziale aus der operativen Tätigkeit herausgestellt, die insbesondere für Unternehmen mit weitem Anlagehorizont von Bedeutung sind.

Setzt man der Einfachheit halber die Veränderung langfristiger Rückstellungen gleich Null, entspricht der EBITDA dem Brutto-Cash-Flow (= Einsatz zur Befriedigung der Zahlungsansprüche der Kapitalgeber und zur Finanzierung von (Ersatz-)Investitionen).

 

  

Welche Faktoren bestimmen für Unternehmen die Veränderung des EBIT?

Generell können alle in den beiden Berechnungsschemata genannten Erlös- und Aufwands-/Kostenpositionen den EBIT bzw. EBITDA verändern:

  • Erhöhung der Umsatzerlöse (u.a. durch verstärktes Auslandsengagement, Produktinnovationen),
  • Verringerung der Umsatzerlöse (u.a. Verlust eines Großkunden),
  • Straffung des Kostenmanagements (u.a. Reduzierung von Personal-/Materialkosten),
  • Kostensteigerungen (u.a. durch Ausdehnung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, Personaleinstellungen oder Abfindungen/Sozialpläne im Rahmen von Restrukturierungen),
  • Erhöhung der Abschreibungen – wirkt sich nur auf EBIT aus (u.a. durch Ersatz-/Erweiterungsinvestitionen).

Nachstehend finden sich vier Beispiele aus Geschäftsberichten, die von der Redaktion komprimiert wurden.

 

  

Beispiel WALTER BAU-AG (1. Halbjahr 2004 – Auszüge): 

  • Operatives Ergebnis (EBIT): -29,4 Mio. € (Vergleichszeitraum 2003: -45,2 Mio. €),
  • Bauleistungen (Konzernumsatz): 1.283 Mio. € (Vergleichszeitraum 2003: 1.348 Mio. €),
  • Mitarbeiter/innen im Konzern zum 30.6.2004: 9.367 Personen (10.138 zum 30.6.2003); die Verringerung gegenüber dem Vorjahr ergibt sich überwiegend aus noch in 2003 eingeleiteten Kapazitätsanpassungen im Inland.

Das operative Ergebnis (EBIT) soll im Vergleich zum bereits positiven Vorjahresniveau weiter gesteigert werden. Dabei wird der Ergebnisbeitrag aus den geplanten Desinvestments im Immobilienbereich und dem Verkauf einzelner nicht zum Kerngeschäft gehörender Beteiligungen im Vergleich zum Vorjahr wesentlich geringer sein. [Dies sind ohnehin außerordentliche Erträge, die eigentlich bei der Berechnung des EBIT zu eliminieren sind! Anm. d. Red.].

Die in den letzten Jahren verlustbringende Tochtergesellschaft WCC (Kanada und USA) wird bis zum Jahresende geschlossen sein; lukrative Infrastrukturaufträge in dieser Region werden künftig durch die auf das internationale Projektgeschäft ausgerichtete Tochtergesellschaft DYWID AG International GmbH (DIG) gemeinsam mit der Sparte Ingenieurbau abgewickelt. Weiterer Restrukturierungsaufwand für die Tochtergesellschaft WCG (Australien) ist bereits im EBIT des Halbjahres enthalten und wird deshalb keine weiteren Belastungen zur Folge haben.

 

  

 

Beispiel Grammer AG (1. Halbjahr 2004 – Auszüge): 

  • Operativer Gewinn im Konzern (EBIT): 27,7 Mio. € (+ 16,2 Mio. €),
  • Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit: 24,7 Mio. € (+ 12,7 Mio. €),
  • Nettoergebnis: 16,5 Mio. € (Vorjahr: 6,2 Mio. €),
  • DVFA-Gewinn je Aktie: 1,69 € (Vorjahr 0,59 €),
  • Konzernumsatz: 424,5 Mio. € (+ 6%, Vorjahr: 400,6 €),
  • operativer Cash-Flow: 30,0 Mio. € (+ 44 %, Vorjahr: 20,8 Mio. €),
  • Konzernmitarbeiter/innen am 30.6.2004: 7.651 Personen (Vorjahr: 7.480).

Zurückzuführen ist die positive Ergebnisentwicklung zum einen auf die „Grammer Offensive 2004+“, ein bereits in der zweiten Jahreshälfte 2003 initiiertes Programm zur Kostenreduzierung und Effizienzsteigerung im Konzern. In den ersten sechs Monaten 2004 führten vor allem Einsparungen bei den Verwaltungskosten, die Erhöhung der Effizienz im Einkauf und die Optimierung der logistischen Abläufe zu deutlichen Einsparungen.

Zum anderen profitierte Grammer von den zahlreichen neuen Produkten, die 2003 im Rahmen der Innovations- und Prozessoffensive entwickelt wurden. Der überwiegende Teil des Umsatzzuwachses wurde im Ausland generiert.

 

 

 

 

Beispiel IVU Traffic Technologies AG (Geschäftsjahr 2003 – Auszüge): 

  • Umsatzerlöse: 30 Mio. € (-16%),
  • EBIT: -6,2 Mio. € (-0,8 Mio. €),
  • Konzernverlust: -7,4 Mio. € (-3,5 Mio. €).

Der Vergleich von Umsatz und EBIT mit dem Vorjahr ist durch eine Reihe von Sondereffekten verzerrt: So waren 2002 Rechnungen im Wert von rund 5 Mio. € gestellt worden für Projekte, die sich im Verzug befanden. Berücksichtigt man dies, hat die IVU 2001, 2002 und 2003 annähernd den gleichen Umsatz erreicht. Darüber hinaus waren 2002 erhebliche Sondererträge durch Anteilsverkäufe [Dies sind außerordentliche Erträge, die eigentlich bei der Berechnung des EBIT zu eliminieren sind! Anm. d. Red.] und die Auflösung von Rückstellungen angefallen. Der Vergleich mit dem Vorjahr wird außerdem dadurch verzerrt, dass die IVU 2003 deutlich weniger Eigenleistungen aktivierte als noch 2002. Die Summe dieser Effekte beläuft sich auf 5,8 Mio. €, die auf das Ergebnis im Geschäftsjahr 2003 durchschlagen.

Nach der Entlassung von rund 50 Mitarbeitern im Frühjahr 2003 liegen die Personalkosten im laufenden Jahr um mehr als 2 Mio. € niedriger. Auch die sonstigen Kosten werden weiter reduziert. Darüber hinaus werden die immer noch hohen, das Ergebnis belastenden Abschreibungen bis 2007 auf ein Normalmaß zurückgeführt, das in einem vernünftigen Verhältnis zu den Neu-Investitionen steht. Dazu beitragen wird insbesondere die Tatsache, dass künftig keine Eigenleistungen mehr aktiviert werden.

In den vergangenen Jahren sind hohe Eigenleistungen insbesondere für die Entwicklung der Software-Plattform für den öffentlichen Verkehr aktiviert worden. Diese Investition beginnt sich auszuzahlen, die Systeme sind am Markt erfolgreich.

Aller Voraussicht nach wird zum Ende des ersten Quartals 2004 mehr als die Hälfte des Eigenkapitals aufgezehrt sein. Aufgrund der vorsichtigen Planung für 2004 ist zu erwarten, dass dies auch zum Jahresende 2004 der Fall sein wird.

 

 

 

 

Beispiel WEB.DE AG (1. bis 3. Quartal 2004 – Auszüge): 

  • Konzernumsatz: 30,9 Mio. € (+31%, Q1-Q3/2003: 23,5 Mio. €),
  • Bruttoergebnis: 23,2 Mio. € (Vorjahr: 17,7 Mio. €),
  • Operatives Ergebnis: 2,4 Mio. € (Vorjahr: 2,2 Mio. €),
  • EBITDA: 3,0 Mio. € (Vorjahr: 2,8 Mio. €),
  • Periodenüberschuss (vor a.o. Beteiligungsergebnis): 0,6 Mio. € (Vorjahr: 0,6 Mio. €),
  • Operativer Cash-Flow: 8,6 Mio. € (5,2 Mio. €),
  • Eigenkapital: 126,0 Mio. € (131,2 Mio. €),
  • Bilanzsumme: 149,9 Mio. € (148,7 Mio. €).

Im hochprofitablen Portalgeschäft insgesamt erreichte WEB.DE in Q3/2004 bei einem EBITDA von 3,2 Mio. € (EBITDA-Marge von 30%) sogar ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 1,7 Mio. € bzw. eine EBIT-Marge von 16%. Bezogen auf den 9-Monats-Berichtszeitraum liegt das Portal-EBIT bei 4,6 Mio. €; das Portal-EBITDA bei 9,5 Mio. €.

Durch die nachhaltigen F&E-Investitionen erzielte das Geschäftsfeld Web-Telekommunikation in den ersten neun Monaten 2004 ein EBITDA von -6,5 Mio. €.

Das Konzern-Nettoergebnis wurde durch eine einmalige und nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf die im Jahre 2000 eingegangene Minderheitsbeteiligung an der VoIPGroup Inc., Miami (USA) in Höhe von 3,9 Mio. € beeinflusst. Die Beteiligungsgesellschaft hatte nach umfangreichem Know-how-Transfer an WEB.DE stark unterschiedliche Schwerpunkte entwickelt, sodass die Beteiligung, die vollständig abgeschrieben wurde, mittlerweile außerhalb des strategischen Fokus von WEB.DE liegt. Dies nicht zuletzt, weil die WEB.DE AG mit dem Launch von FreePhone® im abgelaufenen Quartal über eine eigene VoIP-Lösung verfügt.

  

 

 

 

Welche Grenzen der Aussagekraft müssen beim EBIT beachtet werden?

Bei der Bilanzerstellung lassen sich bekanntermaßen beträchtliche Ansatz- und Bewertungswahlrechte sowie Ermessensspielräume nutzen (z.B. Lagerreichweitenabschläge, vgl. Hoffmann, BiBu 11/1995, S. 258, und Popp, BC 3/1997, S. 51). Bilanzierungs- und Bewertungsprobleme ergeben sich beispielsweise bei der Erfassung der immateriellen Vermögenswerte nach HGB, IAS/IFRS und US-GAAP (z.B. Patente in der Technologie-Branche oder Filmrechte bei Medienunternehmen). Sowohl bei der Aktivierung als auch bei der Bestimmung der Nutzungsdauer der immateriellen Vermögensgegenstände sind erhebliche Ermessensspielräume gegeben (vgl. ausführlich Küting/Zwirner, BC 8/2001, S. 173 ff.), was sich nachhaltig auf die Höhe des EBIT auswirkt (über niedrigere/höhere sonstige betriebliche Aufwendungen/Abschreibungen).

Im IFRS-Abschluss orientieren sich die planmäßigen Abschreibungen auf das langfristige Vermögen – stärker als im HGB-Abschluss – am tatsächlichen Nutzungsverlauf, und die Möglichkeiten der Bilanzierungs- und Bewertungspolitik mittels planmäßiger Abschreibungen sind eingeschränkt. Andererseits bestehen nach IAS/IFRS zahlreiche Ermessensspielräume und Prognosen bei der Ermittlung der Wertminderungsaufwendungen, weshalb der auf Basis des IFRS-Abschlusses ermittelte EBIT kaum aussagefähiger ist als der auf Grund des HGB-Jahresabschlusses.

Die angesprochenen Ermessensspielräume bei der Bewertung und Abschreibung von Vermögensgegenständen (z.B. Wertminderungsaufwendungen) werden allerdings – wie oben Seite 4 dargestellt – durch die Ermittlung des EBITDA weitgehend neutralisiert. Das EBITDA wird häufig auch von Unternehmen verwendet, die andere Firmen gekauft haben; denn das Jahresergebnis solcher Unternehmen würde über die Abschreibungen vermutlich einbrechen.

Die Erfolgskennziffer EBIT erscheint zwar – rein formal – als klar definierte Größe, eine allgemein anerkannte genaue Inhaltsdefinition existiert allerdings bislang nicht. Nicht eindeutig geregelt ist beispielsweise, ob nur die Ertragsteueraufwendungen oder auch die Betriebssteuern zum Betriebsergebnis hinzuaddiert werden sollen. In jedem Fall schließt das EBIT (wie bereits erwähnt) einen wichtigen Aspekt aus – und zwar die Schulden eines Unternehmens. Nicht nur Start-Up-Unternehmen müssen ihr Wachstum über Schulden finanzieren. Mit dem Erwerb anderer Unternehmen oder z.B. milliardenteurer UMTS-Lizenzen haben viele Firmen hohe Schuldenberge abzubauen – und wenn dann die Zinslast nicht durch Erlöse bedient werden kann, ist die Liquidität in Gefahr. Nicht erfasst von Kennzahlen wie EBIT und EBITDA werden weiterhin die Kapitalbindung bzw. Verschuldung (Zinsaufwendungen) durch Aufbau der Vorratsbestände.

Zur Steuerung des Unternehmenserfolgs ist es daher empfehlenswert, wichtige Liquiditäts- und Rentabilitätskennzahlen heranzuziehen (z.B. Cash-Flow, Return on Investment, vgl. ausführlich Bohne, BC 2/1999, S. 37 ff.). Auch Kapitalanleger sollten die Zinsaufwendungen im Blick behalten: Sofern überschuldete Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung nur den EBIT erwähnen, ist dies problematisch. Seriöse Unternehmen geben deshalb alle wesentlichen Positionen an (vgl. Beispiel Bayer AG).

 

 

Beispiel Bayer-Konzern (Geschäftsjahr 2003):

Ergebnis (in Mio. €)

2003

2002

Veränderung in %

Umsatzerlöse

28.567

29.624

- 3,6

EBITDA [1]

3.532

4.922

- 28,2

Operatives Ergebnis (EBIT)

-1.203

1.610

-

Ergebnis vor Ertragsteuern

-1.994

956

-

Konzernergebnis

-1.361

1.060

-

Brutto-Cash-Flow [2]

3.244

3.085

5,2

Netto-Cash-Flow [3]

3.293

4.458

-26,1

Eigenkapital

12.213

15.335

-20,4

Bilanzsumme

37.445

41.692

-10,2

Investitionen

1.739

2.383

-27,0

Mitarbeiter (Jahresende)

115.400

122.600

-5,9

Personalaufwand

7.990

8.176

-2,3

Forschungs- und Entwicklungskosten

2.414

2.577

-6,3

[1] EBITDA:Operatives Ergebnis (EBIT) zuzüglich Abschreibungen

[2] Brutto-Cashflow: Operatives Ergebnis (EBIT) zuzüglich Abschreibungen abzüglich Gewinne aus dem Abgang von Anlagevermögen und Ertragsteuern sowie zuzüglich bzw. abzüglich Veränderung der Pensionsrückstellungen

[3] Netto-Cashflow: Entspricht Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit nach IAS 7

 

 

 

Zur „Problematik einer schrittweisen Annäherung der Ergebnisgröße an den Umsatz“ (Küting/Heiden, StuB 2002, S. 1088) sowie zu Warnhinweisen der amerikanischen Börsenaufsicht (SEC) beim Umgang mit EBIT bzw. EBITDA vgl. Info-Börse von BC 11/2004, S. XVI).

 

[Redaktion der Zeitschrift BC]

 

PDF-Datei siehe hier

 

BC 11/2004