Prof. Dr. Frank-J. Witt

Renditekennzahlen im Investitionscontrolling


Bei klassischen Investitionsobjekten (z.B. Maschinen) favorisiert die Controllingpraxis meist Rendite- statt absolute Erfolgskennzahlen (z.B. Kapitalwert einer Investition = Summe der Barwerte der jährlichen Nettozahlungen), weil sie anschaulich den erwarteten Investitionserfolg als Prozentsatz ausweisen.

Handfeste Kriterien zum optimalen Einsatz von Renditekennzahlen gibt Ihnen eine Checkliste mit prägnanten Praxistipps.

Checkliste zum effektiven Einsatz von Renditekennzahlen im Investitionscontrolling

Gibt es bei Investitionsentscheidungen in Ihrem Unternehmen mindestens 3 Kennzahlen (z.B. Kapitalrentabilität, Kapitalwertrendite, interner Zinsfuß), um damit Bandbreiten/Korridore für die Perioden-Cash-Flows von Investitionen – bei sonst gleichen/identischen Parametern (z.B. Kalkulationszins) – aufzuzeigen?

Wird eine Sensitivitätsanalyse (Untersuchung der eingeschränkten Aussagekraft) eines Parameters durchgeführt (z.B. mittels Variation des Kalkulationszinssatzes), um somit ggf. eine Änderung der Rangfolge der eingesetzten Renditekennzahlen auf Grund der Variation von Parametern zu erkennen?

Welche Renditekennzahl favorisiert die Geschäftsleitung (z.B. vereinfachte Kapitalrentabilität)? Ist dies mit Ihrem "Controllergewissen" stimmig (hinsichtlich Aussagekraft, Gefahr von Fehleinschätzungen)?

Sind die Einsatzbedingungen für die jeweilige Renditekennzahl realistisch in Ihrem Unternehmen (z.B. die vereinfachte bzw. häufig unrealistische Annahme: lineare Abschreibung bei der Renditekennzahl "Kapitalrendite")? Was tut sich bei der jeweiligen Renditekennzahl, falls hingegen eine realistische Voraussetzung zum Zuge kommt (z.B. degressive Abschreibung)? Muss man sich hier einmal strategisch mit der Geschäftsleitung abstimmen?

 

Praxistipps

Erstellen Sie ein standardisiertes DV-Formular, um den Cash-Flow aus Ihren Investitionen laufend überwachen zu können: Sämtliche Renditekennzahlen lassen sich als Excel-fähige Lösung berechnen. Die Einmal-Arbeit der Formelprogrammierung lohnt sich bei späteren Investitionsentscheidungen!

Zudem wird dadurch Ihr Zwischenreporting (z.B. zur Halbzeit der Nutzungsdauer eines Investitionsprojekts) erleichtert, indem Sie Soll-Ist-Abweichungen genau und nachvollziehbar darstellen können (z.B. Cash-Flow einer Produktionsanlage liegt unter dem Plan)!

Rechnen Sie einmal "alte" Investitionen durch, deren Daten (Anschaffungskosten, Laufzeit, jährliche Cash-Flows) Sie genau kennen. Daran können Sie erfahrungsgemäß gut feststellen, ob andere Renditekennzahlen aussagekräftiger sind bzw. gewesen wären bzw. wie zweckmäßig Ihre bisher verwendeten Renditekennzahlen sind.

Vergleichen Sie die von Ihnen ausgewählten Renditekennzahlen im Zeitvergleich (sofern vergleichbare Investitionen vorhanden sind), um damit deren Nutzen/Aussagefähigkeit zu erkennen. (Gibt es Ausreißer? Sind die Werte der Parameter – wie etwa Kalkulationszins – adäquat gewählt?)

Ordnen Sie Ihren Investitionsentscheidungen entsprechende Renditekennzahlen zu: Großvolumige und risikobehaftete Investitionen (z.B. Neubau eines Betriebsgebäudes, Erschließung neuer Marktregionen – u.a. mit Investitionen in den Standortaufbau) erfordern z.B. mehrere "parallele" Renditekennzahlen, bei "einfachen" Investitionen (z.B. Ersatzbeschaffung im Fuhrpark mit relativ geringen Investitionssummen oder Erneuerung eines Leasingvertrages) ist hingegen meist schon die eher triviale Renditekennzahl "Kapitalrendite" völlig ausreichend.


Wie typische Renditekennzahlen (z.B. interner Zinsfuß) in der Praxis des Investitionscontrolling ermittelt werden und wo die jeweiligen Grenzen ihrer Aussagekraft für Investitionsentscheidungen liegen, lesen Sie in der PRINT-AUSGABE BC 5/2001 im Beitrag "Renditekennzahlen im Investitionscontrolling" auf Seite 112 ff.)


DER AUTOR

Prof. Dr. Frank-J. Witt ist Leiter des Transfer-Instituts Management & Controlling TIM&C, Kenzingen/Freiburg.

Tätigkeiten/Dienstleistungen:

Manager- und Unternehmerberatung – speziell in der Geschäftsführung – in den Bereichen strategisches Management, Kundencontrolling, Erlöscontrolling,

Coaching der Geschäftsleitung bei Entscheidungssituationen,

Design von Controllingsystemen,

Design und Auswahlberatung von Controllingsoftware sowie

Controller´s Know-how-updating durch Inhouse-Seminare.

Kontakt:

Prof. Dr. Frank-J. Witt, Leiter des Transfer-Instituts Management & Controlling TIM&C, Kenzingen/Freiburg.
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