Aktuelle Finanzierungsbedingungen deutscher Unternehmen – Herausforderungen an Rechnungswesen und Controlling


Die KfW Mittelstandsbank gibt alljährlich einen Kompass heraus, wie sich die aktuellen Finanzierungsbedingungen auf deutsche Unternehmen auswirken. Für Bilanzbuchhalter und Controller von Bedeutung: Banken legen besonderen Wert auf aktuelle und aussagekräftige Rechnungswesen-/Controllingdaten. Der Beitrag bietet BC-Lesern vor allem eine brauchbare Hinweissammlung auf BC-Beiträge zur optimalen Vorbereitung auf das Bankenrating.
Die KfW Mittelstandsbank hat im Herbst 2003 über ihre Fach-/Regionalverbände deutsche Unternehmen zu Kreditbedingungen befragt (Veröffentlichung im März 2004).


Welche Anforderungen stellen Banken an die Kreditgewährung?


  • Für 43 % der befragten Unternehmen ist die Kreditaufnahme schwieriger geworden – in der Bauwirtschaft beispielsweise für 58 % und im Einzelhandel für nahezu 47 % der Unternehmen. Eine Entwicklung zu Margen (Kreditkonditionen), die nach der Bonität differenziert werden, ist im Gange.


Gründe für die Verschlechterung der Kreditaufnahme*: Umsatzgrößenklassen (Anteile in %):




  • Banken sind risikobewusster geworden und steigern die Erfassung, Bewertung und Steuerung von Risiken (Verbesserung der Risikoerfassungs- und Risikosteuerungsinstrumente); auch zur Berechnung risikodifferenzierter Kreditmargen drängen sie verstärkt auf die Offenlegung von Geschäftszahlen und -strategien (Transparenz) – so sehen dies 63 % der befragten Unternehmen, deren Kreditaufnahme schwieriger geworden ist: Es gilt, Bonität zu dokumentieren, die strategische Unternehmensplanung darzustellen sowie aussagekräftige und aktuelle Zahlen zu präsentieren.

  • Fast die Hälfte der befragten Unternehmen – vor allem der Mittelstand – hat zur Vorbereitung auf das Rating externe Beratung genutzt, und zwar durch Rating-Agenturen, Kammern, Verbände, Unternehmens- und Steuerberater.


Eine optimale Vorbereitungsmöglichkeit auf ein ratinggerechtes Reporting bietet der BC mit seinen aktuellen Beiträgen zum Rating in BC 3/2004 sowie in früheren Veröffentlichungen (vgl. insbesondere BC 5/2001, BC 6/2002 sowie BC 2/2003 – eine komplette Übersicht finden Sie hier).


Darüber hinaus werden mehr werthaltige Sicherheiten verlangt (vgl. ausführlich Hundt/Stobinski/Grabau, Kreditwürdigkeitsprüfung und Bewertung von Sicherheiten, BC 2/2003, S. 38 ff.). Nur wer die Rating-Kriterien kennt (bei 58 % der befragten Unternehmen ist dies der Fall), kann sein Rating beeinflussen – einerseits durch entsprechende Erhebung, Aufbereitung und Präsentation der relevanten Unternehmensdaten, andererseits durch adäquate Gestaltung der Unternehmensaktivitäten.



  • Auch steigen die Anforderungen an die Dokumentation der Erfolgsaussichten einzelner größerer Investitionsvorhaben (bei etwa 40 % der Unternehmen).


Praxis-Infos zu Prognose und Rentabilitätsberechnungen (in BC-Print und BC-online)


BC-Print-Ausgaben (2001 bis 2003)

  • Rieg, Rentabilität von E-Business am Beispiel eines Internetportals (BC 7/2003, S. 148 ff.),

  • Ebbeken/Kaminski, Kontroll- und entscheidungsorientiertes Berichtswesen mit Cognos (BC 12/2003, S. 272 ff.),

  • Buchner/Weigand, Früherkennung in der Unternehmenssteuerung am Beispiel der RINGSPANN GmbH (BC 8/2002, S. 178 ff.),

  • Hundt/Neitz, Gestaltungstipps für Business-Pläne in Klein- und mittelständischen Unternehmen (BC 8/2002, S. 181 ff.),

  • Kogler/Kopp, Praktische Impulse zur Verbesserung der Planung und Budgetierung (BC 9/2001, S. 201 ff.),

  • Blüm, Softwaregestützte Erfolgs- und Finanzplanung (BC 9/2001, S. 209 ff., BC 10/2001, S. 230 ff.).


BC-online-Artikel

  • Wichtige Früherkennungssignale für mittelständische Unternehmen (von Dr. Holger Buchner und Dr. Andreas Weigand) hier,

  • Konkrete Gestaltungstipps zur Unternehmensplanung und Budgetierung hier,

  • Renditekennzahlen im Investitionscontrolling (von Prof. Dr. Frank-J. Witt) hier,

  • Der vollständige Finanzplan (VOFI; von Prof. Dr. Frank-J. Witt) hier.


  • Mehr als 12 % der befragten Unternehmen wurde der gewünschte Investitionskredit verweigert: Für rund 37 % der Befragten scheiterten die Kreditverhandlungen an einer zu niedrigen Eigenkapitalquote (weitere Ablehnungsgründe: veränderte Geschäftspolitik knapp 60 %, mangelnde Sicherheiten mehr als 40 %). Inwieweit auch strukturelle oder konjunkturelle Einflüsse dahinter stehen, ist schwer zu bestimmen. Die Eigenkapitalquote ist trotz mancher Mängel ein wichtiger Bonitätsindikator. So nutzen beispielsweise Einzelunternehmen häufig steuerliche Gestaltungsspielräume bei der Abgrenzung zwischen betrieblichem und privatem Vermögen: Werden Schulden in die betriebliche und wird Finanzvermögen in die private Sphäre verlagert, dann verringert sich die steuerliche Belastung.


Welche Maßnahmen ergreifen Unternehmen zur Verbesserung der Ratingnote?


  • An erster Stelle steht im Blick auf das Rating der Aufbau eines zeitnahen und aussagekräftigen Rechnungswesens: Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen haben dies bereits realisiert.
  • Sehr bedeutsam wird ebenfalls die Einführung bzw. Verbesserung des Controlling eingeschätzt: Erst 45 % haben allerdings ein Controllingsystem eingeführt bzw. im Blick auf das Rating verbessert.
  • Als ebenso wichtig wird von 89 % der Unternehmen die Verbesserung des Forderungsmanagements (Liquiditätsmanagement) eingeschätzt; realisiert von fast 60 % der Unternehmen.
  • Erhöhung der Eigenkapitalquote – geplant, eingeleitet oder durchgeführt von 90 % der Unternehmen, die ihre Bonität verbessern wollen.
  • Diversifizierung der Unternehmensfinanzierung (realisiert von 77 % der Unternehmen).
  • Verbesserung des Berichtswesens an die Kreditgeber (realisiert von 60 % der Unternehmen).
  • Formulierung einer langfristigen Unternehmensstrategie (realisiert von 37 % der Unternehmen): Mehrjährige Finanzplanungen sowie rollierende 3-5-Jahresplanungen werden hierbei von mehr als 50 % der Unternehmen regelmäßig genutzt. Darüber hinaus sind das strategische Controlling (Bewertung und Steuerung von Chancen und Risiken), Aktionspläne und Budgets (zur Umsetzung der strategischen Planung) bei fast 50 % der Befragten ebenfalls wichtige Instrumente. Darüber hinaus haben das Unternehmensleitbild, d.h. die Festlegung der Unternehmensziele sowie der Mittel und Wege ihrer Verfolgung durch die Beschäftigten (40 %), Stärken-/Schwächenanalysen (zur Identifizierung von Engpässen und Potenzialen im Unternehmen), Umweltanalysen und -prognosen sowie die Balanced Scorecard im Rahmen der stategischen Planung Bedeutung.
  • Regelmäßige Markt- und Wettbewerbsanalysen (realisiert von rund 40 % der Unternehmen).
  • Regelung der Unternehmensnachfolge (realisiert von knapp 50 % der Unternehmen).
  • Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation (realisiert von weniger als 30 % der Unternehmen).

Von untergeordneter Bedeutung sind die Inanspruchnahme bankenunabgängiger Beratungsleistungen, Online-Ratingtests oder der Kauf von Software zur Unternehmensbeurteilung.


Maßnahmen zur Verbesserung des Rating: Bedeutung - Umsatzgrößenklassen:



Was sind derzeit die wichtigsten Finanzierungsquellen/Fördermittel für Unternehmen?


  • Am bedeutendsten ist nach wie vor die Innenfinanzierung aus Gewinnen und Abschreibungen: Rund 44 % der befragten Unternehmen streben eine Erhöhung der Eigenkapitalquote durch stärkere Einbehaltung von Gewinnen an (73 %) – zum Teil auch durch eigene Einlagen (25 %), eigenkapitalähnliche ("mezzanine") Finanzierungsformen wie Nachrangdarlehen, stille Beteiligungen (rund 15 %). Für kleine und mittlere Unternehmen werden auch Beteiligungsfinanzierung, Leasing  und Factoring zunehmend wichtig. Allerdings wollen sie nicht die unternehmerische Leitung teilen.

  • Lieferantenkredite/Zahlungsziele haben – laut der KfW-Untersuchung aus dem Jahr 2002 – die viertgrößte Bedeutung bei der Fremdfinanzierung der Unternehmen: Durchschnittlich erhalten die Unternehmen ein Zahlungsziel von 32 Tagen und gewähren ein Zahlungsziel von 33 Tagen. Einzelunternehmen erhalten hingegen im Durchschnitt 29 Tage, gewähren aber nur ein Zahlungsziel von 21 Tagen. Lieferantenkredite sind jedoch teuer (vgl. Eichholz, BiBu 5/1994, S. 109 ff., sowie BiBu 6/1994, S. 127 ff.).

  • Rund 30 % der befragten Unternehmen haben Fördermittel beantragt (KfW/DtA-Förderkredite, Bürgschaften, Zulagen/Zuschüsse), knapp 75 % haben sie auch erhalten. Wesentlicher Grund für eine Nichtbewilligung beantragter Fördermittel war die fehlende Bereitschaft von Banken, einen Kredit-/Förderantrag weiterzuleiten (30 %); Gründe: mangelnde Kreditwürdigkeit des Antragsstellers sowie Kosten- und Risikogesichtspunkte.

  • Für selbständige Bilanzbuchhalter/Controller: Die meisten Unternehmen haben – laut der KfW-Untersuchung aus dem Jahr 2002 – Informationen über Fördermöglichkeiten von Banken erhalten (35 %). Die zweitwichtigste Informationsquelle waren Unternehmens- und Steuerberater (18 %). Hier eröffnet sich für selbständige Bilanzbuchhalter/Controller noch ein weites Betätigungsfeld.

Kriterien für die Wahl eines Finanzierungsinstruments sind: Am wichtigsten ist die Minimierung der Finanzierungskosten (neben Flexibilität bei der Inanspruchnahme/Tilgung, schneller Verfügbarkeit, Vermeidung der Einflussnahme der Kapitalgeber und Steuervorteilen); eine Offenlegung der Geschäftsdaten scheuen die Unternehmen hingegen am wenigsten.

Die Begebung von Anleihen oder Schuldverschreibungen kommt für 92 % der Unternehmen noch nicht in Frage – allenfalls für größere Unternehmen. Mittlerweile nutzen allerdings immer mehr mittelständische Unternehmen diese Finanzierungsalternative, und zwar in Eigenregie. Das heißt: Sie begeben Anleihen und Genussscheine direkt und machen dies u.a. durch Anzeigen in regionalen und überregionalen Tageszeitungen bekannt.

Beispiele: Confiserie Burg Lauenstein GmbH (Ludwigsstadt), Getreide AG (Rendsburg), PCC AG (Duisburg), Zimbo Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG (Bochum).


KfW: Neue Kreditmöglichkeiten mit Nachrangfinanzierungen


Die KfW Mittelstandsbank bietet seit 1.3.2004 im Programm „Unternehmerkapital“ für Gründer, junge Wachstumsunternehmen und etablierte Mittelständler langfristige Nachrangfinanzierungen für Investitionen an. Für die KfW-Nachrangdarlehen, die bis zu 50 % des Kreditvolumens betragen können, muss das Unternehmen keine Sicherheiten stellen. Als mezzanines Kapital enthält es eigenkapitalähnliche Elemente und bündelt damit die Vorteile von Fremd- und Eigenkapital.

Die Banken werden im Rahmen dieses neuen Programms der KfW von den Risiken aus einem etwaigen Ausfall des Nachrangkapitals entlastet. Mit dem neuen Angebot der KfW kann folglich eine Kreditfinanzierung zum Teil ohne Hausbank realisiert werden, und dies auch bei Unternehmen, die länger als fünf Jahre bestehen. Darüber hinaus können auf diesem Weg 20 % der Betriebsmittel finanziert werden.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme dieser KfW-Darlehen ist ein Betriebskonzept (vollständige Unternehmenskonzeption mit Vorhabensbeschreibung und Darstellung der Markt- und Wettbewerbsverhältnisse).

Das Unternehmerkapital ist mit längeren tilgungsfreien Anlaufzeiten ausgestattet. Je nach Risikolage des geförderten Unternehmens gelten unterschiedliche Zinssätze. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder Kreditnehmer eine Risikoprämie in der Höhe zahlt, die aus seinem statistischen Ausfallrisiko abgeleitet ist: Unternehmen mit guter Bonität profitieren also von niedrigen Zinssätzen, schwächere Unternehmen erhalten durch die risikogerechte Preisgestaltung weiter Zugang zu Kapital.


Für etablierte Unternehmen, die seit mehr als fünf Jahren am Markt tätig sind, gelten z.B. folgende Konditionen:

  • Es können Investitionen und Betriebsmittel finanziert werden.

  • Das Darlehen besteht in gleicher Höhe aus einer Fremdkapital- und einer Nachrangtranche, die fest miteinander verbunden sind.

  • Die Laufzeit beträgt 10 Jahre. Die Tilgung für die Fremdkapitaltranche setzt nach 2 Jahren ein, die Tilgung für die Nachrangtranche nach 7 Jahren.

  • Für die Nachrangtranche müssen keine Sicherheiten gestellt werden.

  • Die Hausbank ist für die gesamte Nachrangtranche von der Haftung befreit.

  • Pro Vorhaben eines Antragstellers können max. 2 Mio. EUR – also jeweils 1 Mio. EUR Fremdkapital- und Nachrangtranche – beantragt werden.

  • Der Nominalzinssatz beträgt bei mittlerer Bonität nach derzeitigem Stand 7,37 % p.a.

Interessenten können Anträge über ihre Hausbank stellen. Informationen erhalten sie unter der Telefonnummer des Infocenter der KfW Mittelstandsbank, Tel: 01801/24 11 24 oder unter www.kfw-mittelstandsbank.de.


Datenbasis:

Im Herbst 2003 hat die KfW Mittelstandsbank 24 Fach- sowie Regionalverbände der Wirtschaft zu Kreditbedingungen und Finanzierungsgewohnheiten der deutschen Unternehmen befragt; dabei sind 4.578 ausgefüllte Fragebögen eingegangen (von rund 50.000 Fragebögen an die Verbände der KfW versendeten, die sie wiederum an ihre Mitglieder weitergeleitet haben).

54 % der Befragten sind in der Rechtsform der GmbH, 28,2 % Personengesellschaften; etwa 62 % sind im verarbeitenden Gewerbe, 13,2 % im Groß-/Außenhandel tätig.

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