BiBu 9/1996: Titelthema: Rechnungslegung in Versicherungsunternehmen


20. Jahrgang; Seiten 193-216; September 1996
TITELTHEMA
Rechnungslegung in Versicherungsunternehmen

BUCHFÜHRUNG/ RECHNUNGSLEGUNG/
JAHRESABSCHLUSS
Andreas Freiling
Besonderheiten des Jahresabschlusses von Versicherungsunternehmen nach Umsetzung der Versicherungsbilanzrichtlinie S. 193

KOSTENRECHNUNG/ CONTROLLING
Prof. Dr. Frank-Jürgen Witt
Targetcosting als Controllingtool in der Versicherungswirtschaft S. 196

INVESTITION/ FINANZIERUNG
Dr. Christoph Schröder
Kapitalanlagemanagement bei Versicherungsunternehmen S. 200

Ralf Jungebloed
Derivative Finanzinstrumente nach Vorgaben der Versicherungsaufsicht S. 203

Dr. Norbert Konrath
Das Solvabilitätssystem der Versicherungsunternehmen in der EU S. 206

BERUFSRECHT
Dr. Rainer Frehland
Freie Mitarbeit bei einem Steuerberater und unbefugte Hilfeleistung in Steuersachen S. 210

BVBB-NACHRICHTEN S. 214

Impressum S. XIII

Rechnungslegung in Versicherungsunternehmen

Um die ist es in der Versicherungsbranche geworden.
Nach einer Untersuchung der Bayerischen Vereinsbank schlummern in den Versicherungsbilanzen in Milliardenhöhe. Dies betrifft sowohl die Aktivposten (Immobilien, Beteiligungen, Kapitalanlagen) als auch die Rückstellungen auf der Passivseite der Bilanz. Spitzenreiter ist die Allianz AG Holding mit stillen Reserven von etwa 52 Mrd. DM (nach Abzug der Anteile für den Lebensversicherungsbereich und von Steuerbelastungen).
Auch nach Umsetzung des europäischen Rechts in das deutsche Versicherungsbilanzrichtlinie-Gesetz (mit Wirkung zum 1. Januar 1995) werden Versicherungsgesellschaften weiterhin – wie alle anderen Unternehmen hierzulande – an der Bilanzierung zu Anschaffungskosten (Vorsichtsprinzip) festhalten; es wird keine Aktivierung von Vertragsabschlußaufwendungen und nicht realisierten Gewinnen geben, wie dies für Versicherungsunternehmen in den angelsächsischen Staaten grundsätzlich möglich ist. Lediglich bei Wertpapieren und Beteiligungen, die zu Anschaffungskosten bilanziert werden, ist künftig die Differenz zwischen Buch- und Marktwert offenzulegen. Sie müssen ab dem Geschäftsjahr 1997 im Anhang zum Jahresabschluß mit dem Zeitwert in einer Summe ausgewiesen werden. Die mit dem Nennwert angesetzten Kapitalanlagen (Namensschuldverschreibungen, Hypothekenforderungen) sind hiervon aber nicht betroffen. Des weiteren müssen von 1999 an auch die Reserven in den Immobilienbeständen aufgedeckt werden.
Selbst Versicherungsmathematiker sehen diese Regelung als halbherzig an, da sie keinen vollständigen Einblick in die Höhe der stillen Reserven ermöglicht. Sollte der Forderung nach einer Bewertung mit aktuellen Tageswerten in den nächsten Jahren entsprochen werden, müsse dies nicht nur für die Aktiv-, sondern auch für die Passivseite der Versicherungsbilanz gelten.
Für viele Vertreter der Versicherungswirtschaft hat sich allerdings die bisherige Bewertungspraxis bewährt, da gerade die Möglichkeit des Aufbaus bzw. des Rückgriffs auf stille Reserven jene Stetigkeit mit sich bringt, die z.B. das Angebot der Lebensversicherer auszeichnet.

Die Redaktion bedankt sich beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, namentlich bei den stellvertretenden Verbandsdirektoren, Herrn Dr. Klaus-Wilhelm Knauth und Herrn Dr. Hans-Joachim Welzel, für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieser Ausgabe.

Vorschau

Die voraussichtlichen Themen der Oktober-Ausgabe 1996 des Bilanzbuchhalter:

  • Bilanzierungsprobleme bei der Umstellung auf Eurowährung;
  • Organisatorische Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Währungsunion;
  • Auswirkungen der Europäischen Währungsunion auf das Anlagengeschäft;
  • Cash-Management im Zeichen der Währungsunion;
  • Eurowährung und bestehende Vertragsvereinbarungen.

Organ des Bundesverbandes der
Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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