BC 11/1997: Titelthema: Rationalisierung der Jahresabschlußarbeiten


21. Jahrgang; Seiten 241 - 264; November 1997
Titelthema
Rationalisierung der Jahresabschlußarbeiten

Buchführung/
Rechnungslegung/
Jahresabschluß
Alfred Berner
Rationalisierung der Jahresabschlußerstellung S.241

Günther Wittwer
Fälle zur Rückstellungsbildung bei der Jahresabschlußerstellung S.244

Günther Wittwer
Checkliste zur Jahresabschlußerstellung S.246

EDV/Organisation
Brigitte Lanzendorfer und Ernst Maier-Siegert
Der steuerliche GmbH-Jahresabschluß am Beispiel der VSRW-Software S. 251

Rezension S. 254

Investition/Finanzierung
Manfred Ertl
Rentabilitätsorientiertes Bilanzstrukturmanagement aus finanzwirtschaftlicher Sicht S. 255

Steuerrecht
Hermann Dewein
Rationeller Ablauf von Außenprüfungen S. 258

BVBB-Nachrichten S. 261

Impressum S. XIII

Durchbrechung des Maßgeblichkeitsprinzips

Wer sich in den kommenden Wochen an die Erstellung des Jahresabschlusses heranmacht, wird bei der Bildung von Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften mit einem Verlust anderer Art konfrontiert – dem der einheitlichen Bilanzierung in der Handels- und Steuerbilanz. Denn mit dem «Gesetz zur Fortsetzung der Unternehmenssteuerreform», das im September 1997 die parlamentarischen Hürden genommen hat (vgl. BC 9/1997, Seite X), ist die Bildung von Drohverlustrückstellungen für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.1996 enden, steuerlich nicht mehr zugelassen. Bisher gebildete Rückstellungen für derartige Verluste sind in 1997 mit mindestens 25 Prozent und in den folgenden fünf Jahren mit jeweils 15 Prozent gewinnerhöhend aufzulösen.
Da § 5 Abs. 4a i. V. m. § 52 Abs. 6a EStG (neuer Fassung) nur für das Steuerrecht gelten und diese Bestimmungen insbesondere nicht umgekehrt maßgeblich für die Handelsbilanz sind, müssen die Drohverlustrückstellungen in der Handelsbilanz weiterhin gemäß § 249 HGB gebildet werden (Fallbeispiele hierzu siehe in diesem Heft Seite 250).
Zurecht kritisieren Experten (z.B. Adalbert Uelner, früherer Abteilungsleiter Steuern im Bundesfinanzministerium, FAZ vom 25.7.1997) neben der Aufweichung des Maßgeblichkeitsgrundsatzes bei der steuerlichen Gewinnermittlung auch eine Abkehr von den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung und vom Vorsichtsprinzip. Von der zum Teil bekundeten Angleichung an internationale Bilanzierungssysteme wie US-GAAP oder IAS kann hier nicht die Rede sein, denn dort besteht ebenfalls eine Passivierungspflicht für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften. Das steuerliche Verbot der Bildung von Drohverlustrückstellungen entspricht allenfalls der weitgehenden Abkoppelung der US-amerikanischen Steuerbilanz vom Vorsichtsprinzip.
Bekanntlich erhöhen sich 1997 aufgrund der Nichtanerkennung der Rückstellungsbildung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften in der Steuerbilanz das steuerpflichtige Einkommen und damit die Steuerlasten der Unternehmen. Zu beachten ist, daß damit auch erhöhte Steuerrückstellungen – sowohl handels- als auch steuerrechtlich – am Bilanzstichtag zu berücksichtigen sind. Dieser Effekt wird sich durch die ratenweise Auflösung der bisher in der Steuerbilanz zulässigerweise gebildeten Drohverlustrückstellungen in den ersten sechs Wirtschaftsjahren, die nach dem 31.12.1996 enden, noch verstärken.


Vorschau

Die voraussichtlichen Themen der BC-Dezember-Ausgabe 1997:

  • Vergleich der Rechnungslegungsvorschriften nach US-GAAP und nach deutschem Recht;
  • Fallbeispiele zum Jahresabschluß;
  • Steuerhinweise für den Unternehmensbereich zum Jahresende 1997;
  • Investitionszulagengesetz 1999 mit Fallbeispielen;
  • Arbeits- und wirtschaftsrechtliche Aspekte der freien Mitarbeit.


Organ des Bundesverbandes der
Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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