BC 6/1998: Titelthema: Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)


22. Jahrgang; Seiten 121-144; Juni 1998
Titelthema
Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)

Buchführung / Rechnungslegung / Jahresabschluß
Stefan Wehner
KonTraG – Auswirkungen auf die Rechnungslegungs- und Prüfungspraxis S. 121

Bernhard Lewicki
Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz und KonTraG S. 125

Steuerrecht
Jörg Zimmermann und Christian Rech
Auswirkungen des neuen Umwandlungssteuererlasses auf mittelständische Unternehmen S. 128

Wirtschaftsrecht
Prof. Dr. Axel Jäger
Reform des Aktienrechts durch das KonTraG S. 132

Ralf Kuhn
Das neue Handelsrecht S. 136

Rezensionen S. 140

BVBC-Nachrichten S. 141

Impressum S. XIII

Risikenprognose im Lagebericht

Bilanzadressaten (z.B. Anteilseigner, Gläubiger, Lieferanten) von mittleren und großen Kapitalgesellschaften haben in Zukunft einen gesetzlichen Informationsanspruch, über die «Risiken der künftigen Entwicklung» eines Unternehmens aufgeklärt zu werden. Dies regelt das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), das am 1. Mai 1998 in Kraft getreten ist (vgl. in diesem Heft Seite 123 f.). Hierzu wurden die Pflichtangaben im Lagebericht gemäß § 289 Abs. 1 HGB (Berichterstattung über den Geschäftsverlauf im abgelaufenen Wirtschaftsjahr und die Lage der Gesellschaft zum Abschlußstichtag) um den entsprechenden Teilsatz, «dabei ist auch auf die Risiken der künftigen Entwicklung einzugehen», erweitert.
Die Neuregelung gleicht einer ‹Auferweckung aus dem Dornröschenschlaf›, da schon bislang im Bericht über die «Lage der Kapitalgesellschaft» Risikenprognosen eingeschlossen waren. Nach der Begründung zum KonTraG-Referentenentwurf geht es in erster Linie um bestandsgefährdende Risiken (Insolvenzgefahren). Wie detailliert und über welchen Zeitraum die «Risiken der künftigen Entwicklung» im Lagebericht dargestellt werden müssen, bleibt offen.
Unmittelbare Auslöser von Unternehmenskrisen sind in der Regel drohende Liquiditätsprobleme oder Überschuldung. Diese lassen sich wiederum auf strukturelle Risiken zurückführen, welche die Marktposition des Unternehmens oder seine Handlungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Dazu gehören z.B. Lieferantenabhängigkeiten, politische Risiken bei Auslandsinvestitionen oder Absatzeinbrüche durch den Verlust von Großkunden.
Allerdings ist bei den Angaben zur Risikenprognose viel ‹Fingerspitzengefühl› erforderlich, denn sie tragen die Gefahr sich selbst erfüllender Zusammenbruchsprophezeiungen in sich. Wollte man diese psychologische Gesetzmäßigkeit durch ‹Beimischen› von Chancen der künftigen Geschäftsentwicklung im Lagebericht bannen, drohen zudem Wettbewerbsnachteile (z.B. bei offenbarten Verhandlungen über laufende Großprojekte, die auch für Konkurrenzunternehmen interessant sind).
Eine nähere Beschreibung, aus welchen getroffenen oder geplanten geschäftspolitischen Maßnahmen (z.B. hohe Entwicklungskosten zur Erweiterung der Produktpalette) mögliche bestandsgefährdende Risiken resultieren könnten, wird die Bilanzierungspraxis sicherlich auch künftig meiden.


Vorschau

Die voraussichtlichen Themen der BC-Juli-Ausgabe 1998:

  • Besonderheiten des Einzelabschlusses von Kreditinstituten;
  • Analysepraxis der Kreditinstitute am Beispiel der Baden-Württembergische Bank AG;
  • Operative Steuerung des Verwaltungsaufwands bei Banken;
  • Struktur der Europäischen Zentralbank;
  • Drittes Finanzmarktförderungsgesetz – Auswirkungen auf die Eigenkapitalbeschaffung mittelständischer Unternehmen;
  • Verhalten der Banken in der Krise von Firmenkunden.



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Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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