BC 5/1998: Titelthema: Euro-Einführung im Finanz- und Rechnungswesen


22. Jahrgang; Seiten 97-120; Mai 1998
Titelthema
Euro-Einführung im Finanz- und Rechnungswesen

Buchführung / Rechnungslegung / Jahresabschluß
Christofer Hattemer und Lothar Stein
Handels- und steuerbilanzielle Konsequenzen der Euro-Einführung S. 97

Günther Wittwer
Ansatz und Bewertung von Forderungen während und nach der Euro-Umstellung im Rechnungswesen S. 101

EDV/Organisation
Werner Schmid und Ralf M. Haaßengier
Euro-Umstellung: Anpassung der DV-Systeme im Rechnungswesen S. 104

Steuerrecht
Jörg Zimmermann und Dr. Karin L. Pilny
Steuerliche Auswirkungen der Euro-Umstellung S. 109

Wirtschaftsrecht
Prof. Dr. Axel Jäger
Die Umstellung des Gesellschaftsrechts auf den Euro S. 112

Buchtip S. 103

BVBB-Nachrichten S. 117

Impressum S. XIII

Der Euro auf der Landebahn

Das Euro-Einführungsgesetz ist am 2. April 1998 vom Bundestag beschlossen und am 3. Mai 1998 sind die bilateralen Wechselkurse festgelegt worden.
Noch zu Beginn dieses Jahres dokumentierten Umfragen, z.B. des Instituts für Demoskopie in Allensbach (vgl. F.A.Z. vom 18.2.1998), daß über zwei Drittel aller Klein- und mittelständischen Unternehmen die Vorbereitungen auf den Euro ‹auf die lange Bank schieben›. Eine Trendwende zeigt allerdings der große Andrang in den letzten Wochen bei Industrie- und Handelskammern, die Seminare zur Euro-Einführung in Unternehmen anbieten.
Das weithin verbreitete Widerstreben in der deutschen Bevölkerung (über 60 Prozent) gegen den Euro darf nicht als ‹unreflektierte Angst› bagatellisiert werden. Schließlich offenbart eine Einschätzung der Deutschen Bundesbank im März diesen Jahres, nach der die Euro-Einführung «stabilitätspolitisch vertretbar» sei, im Grunde erhebliche Vorbehalte zur Stabilitätssituation. ‹Vertretbar› meint im juristischen wie auch im allgemeinen Sprachgebrauch, daß eine Maßnahme zwar in wichtigen Punkten nicht überzeugend begründet ist, aber einzelne Gesichtspunkte dafür sprechen. Sicherlich bereiten die derzeitige Angleichung der langfristigen Zinsen auf niedrigem Niveau sowie anhaltende niedrige Inflationsraten und stabile Wechselkurse einen ‹guten Boden› für den Euro. Aber eine dauerhafte Begrenzung der Defizite in den öffentlichen Haushalten der Euro-Teilnehmerstaaten ist noch nicht erreicht; schon eine kleinere ‹Konjunkturdelle› oder Zinswende können die Konsolidierungserfolge der vergangenen Jahre gefährden.
Rechnungswesenverantwortliche, namentlich Controller, kennen die Unsicherheit von Prognosen allzu gut, vor allem wenn sie sich nicht auf Trendbeobachtungen aus der Vergangenheit stützen lassen. Gewiß ist somit die Ungewißheit darüber, ob die Euro-Einführung dem Wirtschaftssystem dauerhaften Nutzen bringen wird.
Es gibt hingegen eine geschichtliche Parallele, die viel Zuversicht für das Gelingen der Europäischen Währungsunion aufkeimen läßt: die deutsche Reichsgründung im Jahr 1871, zu der auch eine Vereinheitlichung der Währung gehörte. Damals zerfiel Deutschland noch in sieben getrennte Währungsgebiete, und es gab 33 Notenbanken, die miteinander nicht in Verbindung standen sowie ihre Notenausgabe unter verschiedenen Vorschriften und Gesetzen betrieben. Das 1871 eingeführte, auf dem Goldstandard beruhende Währungssystem brachte für Deutschland einen raschen Aufschwung des Welthandels in der ganzen Epoche bis zum ersten Weltkrieg. – Damals fiel allerdings die Währungsunion mit der politischen Einheit zusammen!


Vorschau

Die voraussichtlichen Themen der BC-Juni-Ausgabe 1998:

  • KonTraG – Neuerungen zur Jahresabschlußprüfung;
  • Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz;
  • Umwandlungssteuererlaß;
  • KonTraG – Auswirkungen auf Vorstand und Aufsichtsrat.

Organ des Bundesverbandes der
Bilanzbuchhalter und Controller e.V. BV/BC

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