Geldwerter Vorteil bei Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte


FG Köln, Urteil vom 22.5.2003, 10 K 7604/98 (rkr.)

Bei der Ermittlung des Sachbezugswertes für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit einem auch zur privaten Nutzung überlassenen Pkw ist die kürzeste benutzbare Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu Grunde zu legen. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer bei der Ermittlung der Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die längere, aber verkehrsgünstigere Wegstrecke zu Grunde legt.


Praxis-Info:


Der Kläger hatte bei der Ermittlung der abziehbaren Werbungskosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die Kosten der von ihm tatsächlich gefahrenen kilometermäßig längeren, zeitlich aber günstigeren Strecke angesetzt. Bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils aus der privaten Nutzung des Firmenwagens für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte hat der Arbeitgeber dagegen die nicht benutzte kürzeste, verkehrsungünstigere Fahrtstrecke zugrunde gelegt.

Das FG Köln hat den unterschiedlichen Ansatz der Kilometer für die Ermittlung des geldwerten Vorteils und der Werbungskosten des Klägers für zulässig erklärt. Die Ermittlung folge in beiden Fällen sowohl den gesetzlichen Regelungen als auch der Verwaltungsanweisung im „Merkblatt für Arbeitgeber“ (Schreib. v. 23.11.1995, BStBl. I, 719). Auch wenn Pendler tatsächlich eine längere, günstigere Strecke benutzen, haben sie einen Anspruch darauf, dass bei der Berechnung des geldwerten Vorteils nur auf die kürzeste benutzbare Straßenverbindung abgestellt wird. Die Abzugsmöglichkeit beim Zahlenden und die Besteuerung beim Empfänger müsse nicht zwingend übereinstimmen.

Für die Bestimmung der Entfernungspauschale in der Einkommensteuererklärung ist zwar (gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG) grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung maßgebend. Eine andere Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte kann aber zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig benutzt wird. [Anm. d. Red.]

 

BC 9/2003