Geplante HGB-Konzernberichterstattung für Banken als Chance für selbstständige Bilanzbuchhalter


 

Die europäische Bankenaufsicht (EBA) hat am 20.12.2012 ein Konsultationspapier zu einem sog. Implementing Technical Standard (ITS) veröffentlicht. Bei einem ITS handelt es sich um eine Rechtsnorm, welche nach Verkündung automatisch in allen Ländern der Europäischen Union Rechtskraft erhält. Der ITS ist somit von europäischen Finanzinstituten verpflichtend anzuwenden.

Der Entwurf des neuen ITS regelt die „Supervisory reporting requirements for institutions“, also das aufsichtrechtliche Meldewesen für Finanzinstitute. Während alle bisherigen Entwürfe und Diskussionen lediglich von einer Einbeziehung von IFRS-Konzernabschlüssen ausgegangen sind, beinhaltet der aktuelle Entwurf auch die Pflicht zur Einbeziehung von nach nationalem Bilanzrecht aufgestellten Konzernabschlüssen (vgl. Kapitel 3 Sektion 2 Artikel 9 des ITS-Entwurfs).

 

 

Praxis-Info!

 

Was ist zu melden?

Der ITS konkretisiert in seinen Anhängen diverse meldepflichtige Finanzdaten. Hierzu sind über 20 verschiedene Tabellen auszufüllen. Ein Teil der Finanzdaten ist vierteljährlich, ein anderer Teil halbjährlich zu melden. Die auszufüllenden Tabellen gliedern sich in vier verschiedene Teile (Parts):

  1. Part I der meldepflichtigen Daten besteht aus der Konzernbilanz und Konzern-GuV.
  2. In Part II werden detaillierte Informationen zur Zusammensetzung der Vermögensgegenstände abgefragt.
  3. Part III befasst sich mit derivativen Finanzinstrumenten und Risiken.
  4. In Part IV werden schließlich Informationen zum Eigenkapital abgefragt.

 

 

Wer hat zu melden?

Meldepflichtig sind alle Finanzinstitute, welche einen Konzernabschluss aufstellen. Durch die Ausweitung der Meldepflicht auf HGB-Konzernabschlüsse werden von den geplanten Regelungen auch viele kleinere Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken erfasst. Eine erste Meldung wäre für den Stichtag 31.3.2013 abzugeben.

 

 

Chancen für selbstständige Bilanzbuchhalter?

Gerade die kleineren Privatbanken, Sparkassen und Volksbanken, welche einen Konzernabschluss nach HGB erstellen, würden durch ein Inkrafttreten des geplanten ITS vor große Herausforderungen gestellt. Neben der reinen Mehrbelastung, welche durch den hohen Detaillierungsgrad der Meldung verursacht wird, kommt für diese Institute erschwerend hinzu, dass sie ihren Konzernabschluss in der Regel nur jährlich aufstellen. Die vierteljährliche Meldepflicht wird die Institute aber zwingen, den Konzernabschluss quartalsweise zu erstellen. Es ist zweifelhaft, ob die Institute über genügend Fachpersonal im Rechnungswesen verfügen, um diese Mehrbelastung zu meistern. Wahrscheinlich werden sie auf externe Hilfe zurückgreifen müssen. Für selbstständige Bilanzbuchhalter, idealerweise mit Erfahrungen im Bereich Konzernabschluss und Bankbilanz, bietet sich hier die Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen.

 

 

Hinweise:

 

 

Christian Thurow, Dipl.-Betriebsw. (BA), Operational Risk Manager Corporate Finance, London (E-Mail: Thurow@virginmedia.com)

 

 

BC 1/2012