Umwandlung einer GmbH: Aktivierung des Geschäftswerts


BFH-Urteil vom 16.5.2002, III R 45/98

Zahlt eine Kapitalgesellschaft einem ausscheidenden atypisch stillen Gesellschafter eine Abfindung, die auch den selbst geschaffenen, bisher nicht bilanzierten Geschäftswert abgilt, hat sie den darauf entfallenden Anteil der Abfindung als derivativen Geschäftswert zu aktivieren. Nur dieser derivative Anteil am Geschäftswert ist bei einer anschließenden Umwandlung der Kapitalgesellschaft auf den Alleingesellschafter nach § 3 Satz 1 UmwStG 1977 in der Schlussbilanz (Umwandlungsbilanz) der Kapitalgesellschaft anzusetzen. Da es sich bei der Umwandlung nicht um einen marktoffenen Vorgang handelt, der zu einer Bestätigung des selbst geschaffenen Geschäftswerts am Markt führt, bleibt der auf den originären Geschäftswert entfallende Anteil außer Ansatz.


Praxis-Info:


Der Geschäftswert als immaterielles Wirtschaftsgut des Anlagevermögens darf nur dann aktiviert werden, wenn er entgeltlich erworben wurde. Das Ausscheiden der atypischen stillen Gesellschafter gegen Abfindung für ihre Beteiligung an den stillen Reserven des Unternehmens und am Geschäftswert ist als entgeltlicher Erwerb von Mitunternehmeranteilen zu behandeln.

Eine Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Wirtschaftsgüter kommt aber nur dann in Betracht, wenn und soweit der Markt den Wert der immateriellen Wirtschaftsgüter durch Anschaffungskosten bestätigt hat. An einer solchen Bestätigung des selbst geschaffenen Geschäftswerts am Markt fehlt es bei der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft auf eine natürliche Person. [Anm. d. Red.]