Steuerliche Betriebsprüfung: Gutes Gesprächsklima schützt vor Nachforderungen


 

Wenn Unternehmen steuerliche Betriebsprüfungen in einem angespannten oder gar feindlichen Gesprächsklima führen, sehen sie sich teilweise sehr hohen Nachforderungen ausgesetzt. Dies gilt in Unternehmen mit großen Steuerabteilungen umso mehr. Diese nicht ganz überraschenden Zusammenhänge wurden jetzt im Rahmen einer Studie nachgewiesen.

 

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

Gewerbliche Unternehmen, freiberuflich Tätige, land- und forstwirtschaftliche Betriebe, Bauherrenge­meinschaften, Verlustzuweisungsgesellschaften usw. – fast jeder muss mit der steuerlichen Außenprüfung rechnen. Gefürchtet ist hierbei neben dem Aufwand, der für eine solche Prüfung betrieben werden muss, insbesondere das Damoklesschwert einer Steuer- und Zinsnachforderung. Dabei trifft es manche Unternehmen mehr als andere – nach den Ursachen für die auseinanderklaffenden Effekte wurden im Rahmen einer kürzlich durchgeführten Umfrage gesucht.

 

 

Lösung

Ein zentrales Ergebnis der am 30.11.2011 vorgelegten Deloitte-Umfrage „Betriebsprüfung-Belastungstest“ unter 733 Großbetrieben betrifft die Unternehmensgröße: Mit deren Anstieg nimmt die relative Mehrbelastung bei Ertrag- und Umsatzsteuern sowie jene im Bereich der Verrechnungspreise (Stichwort: Besteuerung von Funktionsverlagerungen) zu. Das gilt auch mit zunehmender Größe der Steuerabteilung. Erklärungsversuche für die Studienergebnisse gehen dahin, dass mit steigender Unternehmensgröße komplexere Steuersachverhalte auftreten, die es zu prüfen gilt; auch die Konzentration großer Steuerabteilungen auf „hochrisikogeneigte“ Sachverhalte wird von Dr. Norbert Endres (Partner Tax bei Deloitte) ins Feld geführt.

Bestätigt wurde auch die Vermutung, dass ein gespanntes oder gar feindliches Gesprächsklima während der Prüfung höhere Nachforderungen auslöst. Allerdings gaben die Umfrageteilnehmer in der Mehrzahl ein freundliches oder sachlich/neutrales Klima an, nur 10% nannten ein angespanntes und nur 1% ein feindliches Klima.

Gefragt wurde ferner nach der inhaltlichen Ausrichtung von steuerlichen Außenprüfungen: Der Fokus im Bereich der allgemeinen Ertragsteuern liegt demnach bei

  • der Anerkennung von Rückstellungsaufwendungen,
  • der Bewertung von Anlagevermögen oder
  • verdeckten Gewinnausschüttungen.

Bei Verrechnungspreisen hatten insbesondere auslandsbeherrschte Unternehmen Mehrbelastungen wegen beanstandeter oder nicht vorhandener Dokumentation von Geschäftsbeziehungen zwischen verbundenen Unternehmen zu tragen. Gewerbesteuerlich war die Hinzurechnungsvorschrift des § 8 GewStG das beherrschende Thema. Betriebsveranstaltungen und geldwerte Vorteile waren die zentralen Punkte der Lohnsteuer-Außenprüfungen.

 

 

Praxishinweise:

  • Die höchsten Nachforderungen gab es aufgrund fehlerhaft aufgeteilter Vorsteuerbeträge bei teilweise steuerfreien Ausgangsumsätzen sowie infolge fehlerhafter Buch- und Belegnachweise für innergemeinschaftliche Lieferungen und Ausfuhrlieferungen bei der Umsatzsteuer.
  • Hinsichtlich des Prüfungsrhythmus wurde im Schnitt ein Zeitraum von vier bis fünf Jahren ermittelt, bis das Finanzamt den Steuerpflichtigen ertragsteuerlich prüft. Problematisch ist insoweit, dass dann manche gesetzliche Bestimmung, die das Unternehmen seinerzeit beachten musste, schon gar nicht mehr gilt.
  • Zudem bedeutet ein zeitlicher Abstand von durchschnittlich fünf Jahren für die Unternehmen einen hohen Aufwand: Längst abgeschlossene Sachverhalte müssen neu aufbereitet werden, oder die damals handelnden Personen stehen für Auskünfte nicht mehr zur Verfügung. Besonders schwer ist es für Unternehmen, die Umstrukturierungen durchgeführt oder Finanzinformationssysteme angepasst bzw. umgestellt haben.
  • Demzufolge empfiehlt es sich für Unternehmen, über eine entsprechende detaillierte Dokumentation auf das „Stochern in alten Sachverhalten“ vorbereitet zu sein. Mit der Einführung des Vier-Augen-Prinzips lässt sich zudem eine eventuelle personelle Fluktuation besser auffangen.
  • Die vollständige Studie steht zum kostenlosen Download zur Verfügung – hier.

 

Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, Coesfeld

 

 

BC 1/2012