Gesetzliche Reform des lohnsteuerlichen Reisekostenrechts zum 1.1.2014


Zustimmung des Deutschen Bundesrats am 1.2.2013 (BR-Drs. 34/13)

 

Nachdem der Deutsche Bundestag bereits Mitte Januar 2013 dem im Dezember 2012 gefundenen Vermittlungsergebnis zur Reform des lohnsteuerlichen Reisekostenrechts ab 1.1.2014 zugestimmt hatte, hat der Bundesrat das Gesetz in seiner Sitzung am 1.2.2013 endgültig beschlossen. Die zum 1.1.2014 in Kraft tretende Reform enthält folgende Kernpunkte:

  • Der bisherige Begriff der „regelmäßigen Arbeitsstätte“ wird erstmals gesetzlich definiert und mit dem neuen Begriff „erste Tätigkeitsstätte“ bezeichnet. Die Bestimmung dieser ersten Tätigkeitsstätte am Ort der dauerhaften Zuordnung soll vorrangig anhand der arbeits- oder dienstrechtlichen Festlegungen sowie der diese ausfüllenden Absprachen und Weisungen erfolgen. Ist dies nicht (eindeutig) möglich, sollen hilfsweise zeitliche, also quantitative Kriterien zur Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte herangezogen werden (z.B. Tätigwerden an diesem Ort arbeitstäglich, zwei volle Arbeitstage in der Woche oder mindestens ein Drittel der regelmäßigen Arbeitszeit). Unter den vorstehenden Voraussetzungen kann auch bei einem Entleiher oder Kunden eine „erste Tätigkeitsstätte“ begründet werden. Die Fahrten zu dieser Tätigkeitsstätte führen wie bisher in Höhe der Entfernungspauschale zu Werbungskosten. Tätigkeiten an allen anderen Tätigkeitsstätten führen lohnsteuerlich zu Reisekosten und sollen in Höhe der tatsächlich entstandenen (ggf. begrenzt auf notwendige Mehr-)Aufwendungen steuerfrei ersetzt bzw. als Werbungskosten abgezogen werden können.
  • Bei den Verpflegungsmehraufwendungen wird der Pauschbetrag von 12 € bei eintägigen Auswärtstätigkeiten bereits bei einer Abwesenheit von mehr als 8 Stunden gewährt. Dieser Betrag gilt ebenso für den An- und Abreisetag bei mehrtägigen Auswärtstätigkeiten, und zwar ohne Prüfung einer Mindestabwesenheitszeit. Die Dreimonatsfrist wird jedoch beibehalten, wobei allerdings ab 2014 eine zeitliche Unterbrechung von vier Wochen unabhängig vom Anlass der Unterbrechung zu einem Neubeginn der Dreimonatsfrist führt.

 

Geplante Verpflegungspauschalen ab 2014 (Inland)

Dauer der Abwesenheit

Pauschbetrag

24 Stunden

24 €

weniger als 24 Stunden, aber mindestens 8 Stunden

12 €

für den An- und Abreisetag, wenn der Arbeitnehmer an diesem, einem anschließenden oder vorhergehenden Tag außerhalb seiner Wohnung übernachtet (ohne Prüfung einer Mindestabwesenheitszeit!)

jeweils 12 €

 

  • Mahlzeiten werden ab 2014 bis zu einem Preis von 60 € typisierend mit dem Sachbezugswert als Arbeitslohn angesetzt. Darüber hinaus werden solche Mahlzeiten nicht besteuert, wenn dem Arbeitnehmer für die auswärtige Tätigkeit eine Verpflegungspauschale zustehen würde. Für den Werbungskostenabzug beim Arbeitnehmer wird die Verpflegungspauschale gekürzt (im Inland: 4,80 € für Frühstück und 9,60 € für Mittag- und Abendessen).
  • Die mit dem Sachbezugswert zu bewertenden Mahlzeiten (Preis bis 60 €) können aus Vereinfachungsgründen mit 25% pauschal besteuert werden, wenn dem Arbeitnehmer für die Auswärtstätigkeit keine Verpflegungspauschale zustehen würde (z.B. bei eintägiger Auswärtstätigkeit bis zu 8 Stunden).
  • Beruflich veranlasste Unterkunftskosten im Rahmen einer (= derselben) Auswärtstätigkeit sind vier Jahre unbeschränkt steuerfrei ersetzbar bzw. als Werbungskosten abziehbar. Danach werden sie nur noch in Höhe der vergleichbaren Aufwendungen im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung berücksichtigt (vgl. folgenden Absatz).
  • Im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung werden die beruflich veranlassten, tatsächlich entstehenden Unterkunftskosten im Inland ab 2014 höchstens bis zu einem Betrag von 1.000 € monatlich angesetzt.

Über die Einzelheiten der Reform wird in den kommenden BC-Ausgaben näher informiert.

Dipl.-Finanzwirt (FH) Jürgen Plenker

 

BC 2/2013