BC-Leserfragen-Treff: Leserfragen 2011

 

Thema: Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG: Zeitgerechte Investition

Leserfrage:

Der in unserem Unternehmen gebildete Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG muss in diesem Jahr aufgelöst werden. Die Anschaffung eines Pkw ist noch in diesem Geschäftsjahr geplant, jedoch soll die Zulassung des Fahrzeugs erst im nächsten Geschäftsjahr erfolgen.

Fragen: Hat dies Auswirkungen auf den Investitionsabzugsbetrag? Beginnt die Abschreibung des Pkw mit Übergabe an den Abnehmer oder erst mit Zulassung des Fahrzeugs?

Antwort:

Die Durchführung der Investition hat in den dem Wirtschaftsjahr des Abzugs folgenden drei Wirtschaftsjahren zu erfolgen (Drei-Jahres-Frist). Es ist daher entscheidend, welchem Jahr die Anschaffung oder Herstellung zuzurechnen ist.

Laut den Einkommensteuer-Richtlinien gilt ein Wirtschaftsgut im Zeitpunkt seiner Lieferung als angeschafft (R 7.4 Abs. 1 Satz 2 EStR). Dies ist üblicherweise dann der Fall, wenn Eigenbesitz, Gefahr, Nutzen und Lasten auf den Erwerber übergegangen sind. Bei der Herstellung eines Wirtschaftsgutes kommt es dagegen auf den Zeitpunkt der Fertigstellung an. Die Fertigstellung wird angenommen, sobald das Wirtschaftsgut entsprechend seiner Zweckbestimmung genutzt werden kann (vgl. H 7.4 EStH „Fertigstellung“).

Abschreibungen sind vorzunehmen, sobald ein Wirtschaftsgut angeschafft oder hergestellt ist (vgl. R 7.4 Abs. 1 Satz 1 EStR). Hinsichtlich des Abschreibungsbeginns ist es im ertragsteuerlichen Sinne nicht maßgeblich, ob ein tatsächlicher Werteverzehr stattgefunden hat, sondern lediglich, ob sich Aufwendungen verbraucht haben (vgl. Kulosa, in: Ludwig Schmidt, EStG-Kommentar, 30. Auflage 2011, zu § 7, Rz. 3.).

Die an dieser Stelle komprimierten Antworten veranschaulichen Carsten Veldung (Steuerberater) und Sabine Lentz (Wirtschaftsprüferin, Steuerberaterin) in BC 11/2011, S. 500 ff., anhand von Anwendungsbeispielen. Darüber hinaus geben sie ausführlichere Erläuterungen u.a. zu den Voraussetzungen des Investitionsabzugsbetrags sowie zu den Folgen der Nichtinvestition.

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Thema: Bilanzieller Ausweis von Arbeitnehmerdarlehen

Leserfrage:

Bisher wurden die unverzinslichen Darlehen an Arbeitnehmer (langfristig) mit dem Auszahlungsbetrag unter den Ausleihungen ausgewiesen. Dies war auch laut maßgebender Bilanzkommentare zulässig. Zwischenzeitlich wurden die entsprechenden Passagen in der Literatur neu gefasst. Diesbezüglich stellen sich mir folgende Fragen:

  • Ist es richtig, dass nun die Darlehen an Arbeitnehmer mit dem Auszahlungsbetrag als Anschaffungskosten aktiviert werden und der Unterschiedsbetrag zum Barwert als außerplanmäßige Abschreibung angegeben werden muss?
  • Sind die jährlichen Zuführungen als Zuschreibungen zu behandeln?
  • Mit welchem Zinssatz sind die Barwerte jeweils zu bewerten?
  • Müssen Altfälle neu bewertet werden?
  • Ist das eine Bewertungsänderung nach BilMoG?
  • Wie ist der Unterschiedsbetrag zum 1.1.2010 zu behandeln?

 

Antwort:

Es ist richtig, dass bei unverzinslichen Darlehen regelmäßig der Barwert des Auszahlungsbetrags als Anschaffungskosten anzusetzen ist. Würde kein Ansatz zum Barwert erfolgen, hätte dies eine Überbewertung des Darlehens zur Folge. Die Abzinsung erfolgt z.B. auf der Basis des landesüblichen Zinsfußes/marktüblicher Zinssatz für festverzinsliche Wertpapiere mit entsprechender Laufzeit (vgl. Ellrott/Roscher, in: Beck´scher Bilanz-Kommentar, 7. Aufl. 2010, § 253 Rn. 592). Hinsichtlich des Zinssatzes kann in der Praxis auf die Zinssätze der Deutschen Bundesbank im Zusammenhang mit § 253 HGB zurückgegriffen werden.

Eine Abzinsung kann aus Vereinfachungsgründen nur unterbleiben, sofern es sich um eine kurzfristig fällige Forderung mit einer Restlaufzeit bis zu einem Jahr handelt oder aus Gründen der Unwesentlichkeit.

 

Weitere Bilanzierungshinweise, u.a. zum Ausweis des Unterschiedsbetrags und zur Erfassung von späteren Zuschreibungen gibt Dr. Christian Zwirner (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) in BC 6/2011, S. 268 f.

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Thema: Behandlung vordatierter Schecks im Rechnungswesen

Leserfrage:

Seit einiger Zeit nehmen bei uns Scheckzahlungen wieder zu. Entsprechend dem deutschen Scheckrecht habe ich bisher alle Schecks unverzüglich bei unserer Hausbank eingereicht. Hierdurch entstanden mit einigen Kunden Unstimmigkeiten, da diese Schecks vordatierten. Aus diesem Grund hat unsere Geschäftsleitung bestimmt, dass vordatierte Schecks erst am „Ausstellungstag“ bei der Hausbank einzureichen sind. Hierzu folgende Fragen:

  • Wie ist ein vordatierter Scheck nach HGB und IAS zu bilanzieren?
  • Wann kann die Forderung ausgebucht bzw. eine auf diese Forderung gebildete Wertberichtigung aufgelöst werden?
  • Wie ist unsere Rechtsstellung im Vergleich zu einer normalen Forderung, wenn während der Lagerung eines vordatierten Schecks ein Insolvenzverfahren über den Aussteller eröffnet wird?

 

Antwort:

Nach HGB und IFRS gibt es keine Regeln zur buchmäßigen Erfassung von Schecks. Es handelt sich um ein Problem der Buchhaltungsorganisation, wozu der Gesetzgeber bzw. der Standardsetter keine Regeln aufstellt. Vielmehr ist dies ein Thema der internen Organisation.

Erst recht gibt es keine Regeln für die Behandlung von vordatierten Schecks. Hier gilt nur das deutsche Scheckgesetz, wonach die Vordatierung ohne Wirkung ist. Nach der Vorgabe der Geschäftsleitung müssen die Schecks bis zum „Ausstellungstag“ verwahrt werden. Wenn es sich nur um einige wenige handelt, genügt eine geordnete Ablage. Bei einer Vielzahl von Scheckzahlungen kann ein Zwischenkonto eingerichtet werden, in dem wie folgt gebucht wird:

 

per Scheck

an

Debitor

 

und bei Einlösung des Schecks:

 

per Bank

an

Scheck

 

Bezüglich der Rechtsstellung spielt es keine Rolle, ob im Insolvenzfall schon ein Scheck vorliegt, sei er vordatiert oder nicht, die Forderung bleibt jedenfalls eine „normale“ Insolvenzforderung.

 

 

Weitere Praxishinweise zur Anlage von Zwischen- bzw. Unterkonten, zur Ausbuchung sowie zur Rechtsstellung geben Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) und Heike Heger (Leiterin Inkasso der Heidelberger Wirtschafts- und Arbeitsrechtskanzlei EDK Eckert, Klette & Kollegen) in BC 6/2011, S. 269 f.

 

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Thema: Darstellung erhaltener Anzahlungen im Jahresabschluss

Leserfrage:

Es ist die Frage an mich gestellt worden, ob erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen nach Fristigkeit – kleiner/größer ein Jahr – in der Bilanz darzustellen sind.

Unser Unternehmen weist diese Anzahlungen nach § 268 Abs. 5 HGB unter den Verbindlichkeiten aus.

Nach § 340d HGB müssen Forderungen und Verbindlichkeiten im Anhang nach Fristigkeit aufgeteilt dargestellt werden.

Gilt das auch für die erhaltenen Anzahlungen?

 

Antwort:

Mit erhaltenen Anzahlungen sind so gut wie nie Rückzahlungsverpflichtungen verbunden. Deshalb scheidet die Fristigkeitsangabe der Sache nach aus (einhellige Meinung im Schrifttum, z.B. Hoffmann/Lüdenbach, NWB Kommentar Bilanzierung, § 268 Tz. 110).

§ 340d HGB regelt ausschließlich die Bilanzierung von Kreditinstituten und ist außerhalb dieses Bereiches nicht anwendbar.

 

Erläuterungen von Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) in BC 1/2011, S. 43.

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Thema: Führung von Debitoren-/Kreditoren-Kontokorrenten

Leserfrage:

Wann ist ein Unternehmen dazu verpflichtet, eine Debitoren-, Kreditorenbuchhaltung bzw. ganz generell die Konten „Forderungen aus LuL“ und „Verbindlichkeiten aus LuL“ für den Jahresabschluss zu führen? Gegebenenfalls auch hinsichtlich einer Abgrenzung der ertragsteuerlichen Gewinnermittlung von der umsatzsteuerrechtlichen Soll- bzw. Ist-Besteuerung.

 

Antwort:

Es gibt keine „Verpflichtung“ gesetzlicher oder sonstiger Art zur Führung von Debitoren- und Kreditoren-Kontokorrenten. Das Gesetz – HGB und EStG – enthält sich sinnvollerweise jeder diesbezüglichen Anweisung zur Gestaltung der Finanzbuchführung.

Der Kaufmann als Verantwortlicher für die Buchführung hat eine Ermessensentscheidung zu treffen. Diese muss die erforderliche Überwachung der Leistungs- und Zahlungsbewegungen mit Kunden und Lieferanten gewährleisten. Ab einer gewissen Menge von Kunden und Lieferanten kann dies nicht ohne entsprechende Personenkonten erfolgen.

Die Besteuerung folgt dieser Vorgabe, die man als Ausfluss der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) werten kann. Zur umsatzsteuerlichen Soll- und Ist-Besteuerung sehe ich keinen Bezug zur Führung von Debitoren- und Kreditoren-Kontokorrenten.

 

Erläuterungen von Prof. Dr. Wolf-Dieter Hoffmann (Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) in BC 1/2011, S. 43.

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