Exposure Draft ED/2011/6: Erlöse aus Verträgen mit Kunden


IRZ, Heft 12, Dezember 2011, S. 512

Am 14. November 2011 haben der IASB und der FASB gemeinsam einen überarbeiteten Standardentwurf ED/2011/6 Revenue from Contracts with Customers veröffentlicht. Hintergrund dieses Re-Exposure sind die nach Veröffentlichung des ersten Exposure Draft mehr als 1.000 – teils sehr kritischen – Stellungnahmen.

Obwohl der Due-Process einen Re-Exposure grds. nicht vorsieht, haben sich die beiden Boards dennoch dazu entschlossen, einen erneuten Entwurf zur Erlösrealisierung mit der Möglichkeit zur öffentlichen Kommentierung herauszugeben; nicht zuletzt, um unbeabsichtigte Folgewirkungen zu vermeiden. Hintergrund hierfür ist die herausgehobene Bedeutung der Rechnungslegungsregeln zur Umsatzrealisierung für nahezu alle nach IFRS bzw. US-GAAP bilanzierenden Unternehmen.

 

Die Regelungen des ED/2011/6 sollen zu einheitlichen Grundsätzen der Umsatzvereinnahmung führen und sind grundsätzlich von sämtlichen Unternehmen branchenunabhängig immer dann anzuwenden, wenn vertragliche Vereinbarungen mit Kunden die Lieferung von Gütern oder die Erbringung von Dienstleistungen vorsehen. Ziel ist es, die bisher geltenden Standards IAS 18 und IAS 11 sowie zugehörige Interpretationen durch ein einheitliches Regelwerk zu ersetzen. In den US-GAAP würden hierdurch die Vorschriften zur Ertragserfassung in Topic 605 des FASB ASC abgelöst. ED/2011/6 soll die bestehenden IFRS und US-GAAP insb. durch folgende Aspekte verbessern:

 

  • Bereitstellung eines robusten Rahmenkonzepts zur Behandlung unklarer Aspekte der Umsatzrealisierung;
  • Beseitigung von Inkonsistenzen in den bestehenden Vorschriften;
  • Verbesserung der Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen, Branchen und Kapitalmärkten;
  • Versorgung der Adressaten der Rechnungslegung mit nützlicheren Informationen in den Anhangangaben; und
  • Vereinfachung der Erstellung von Abschlüssen durch Straffung des Umfangs der accounting guidance.

 

In Übereinstimmung mit dem originären Standardentwurf aus 2010 besteht das Grundprinzip von ED/2011/6 darin, dass ein Unternehmen die Umsatzerlöse aus Verträgen mit Kunden dann erfasst, wenn der Übergang der Kontrolle an dem Gut bzw. der Dienstleistung auf den Kunden stattgefunden hat. Die Höhe der Umsatzerlöse bemisst sich nach der Gegenleistung, die das Unternehmen vom Kunden erhält oder erhalten wird. Im Vergleich zum originären Entwurf vom Juni 2010 enthält ED/2011/6 folgende wesentliche Änderungen:

 

  • Einführung von zusätzlichen Leitlinien für die Bestimmung, wenn die Übertragung von einem Gut oder einer Dienstleistung über die Zeit erfolgt;
  • Vereinfachung der Bilanzierung von Garantien;
  • Vereinfachung der Regeln zur Bestimmung des Transaktionspreises (inkl. Einbringlichkeit, Zeitwert des Geldes und variable Vergütung);
  • Beschränkung des Anwendungsbereichs von Drohverlust-Tests („onerous test“) auf langfristige Dienstleistungsverträge (sog. „long-term-services“);
  • Einführung einer praxisorientierten Vereinfachung, die den Unternehmen erlaubt, Kosten für die Vertragsanbahnung als Aufwand anzusetzen, sofern der Vertrag eine Laufzeit von einem Jahr oder weniger aufweist;
  • Ausnahmen von vereinzelten Anhangangaben für nicht börsennotierte USGAAP-Anwender.

 

Stellungnahmen zu ED/2011/06 können bis zum 13. März 2012 an den IASB gerichtet werden.