IASB veröffentlicht überarbeitete Vorschläge zu Wertminderungen von Finanzinstrumenten


IRZ, Heft 4, April 2013, S. 136

Der IASB hat am 7. März 2013 den Entwurf ED/2013/3 Finanzinstrumente: Erwartete Kreditausfälle veröffentlicht, in dem ein neues Modell zur Berücksichtigung von Wertminderungen bei Finanzinstrumenten vorgeschlagen wird. Dieser Entwurf ist nach ED/2009/12 Fortgeführte Anschaffungskosten und Wertminderungen sowie der Ergänzung (Supplementary Document) ED/2011/1 Financial Instruments: Impairment bereits der dritte Vorschlag zur Neufassung der Wertminderungsvorschriften im Rahmen der Phase 2 des Projekts zur Ersetzung von IAS 39.

Das Ziel der Neuregelungen ist eine gegenüber den derzeitigen Regelungen frühere Erfassung erwarteter Kreditausfälle. Dem neuen (Expected Credit Loss-)Wertminderungsmodell zufolge sollen Wertberichtigungen nicht erst nach deren Eintritt erfasst werden, sondern Risikovorsorge soll auch für erwartete Zahlungsausfälle von bislang nicht leistungsgestörten Finanzinstrumenten getroffen werden. Der Umfang der Wertminderung hängt dabei insbesondere da­von ab, ob sich die Kreditqualität des Finanzinstruments seit dem Erstansatz wesentlich verschlechtert hat; in die Beurteilung sind neben vergangenheitsbezogenen und gegenwärtigen auch zukunftsbezogene Informationen einzubeziehen.

In Abhängigkeit von der Verschlechterung der Bonität eines Finanzinstruments seit seinem erstmaligen Ansatz werden hinsichtlich der Höhe der zu erfassenden Risikovorsorge drei Stufen unterschieden:

Stufe 1: Finanzinstrumente, deren Kreditqualität sich seit ihrem Erstansatz nicht wesentlich verschlechtert hat oder die am Abschlussstichtag ein geringes Kreditrisiko aufweisen. Für sie sieht der Standardentwurf eine Risikovorsorge in Höhe des Barwerts der über die nächsten 12 Monate erwarteten Zahlungsausfälle vor, wobei Zinserträge auf der Grundlage des nicht wertgeminderten Buchwerts berechnet werden.

Stufe 2: Finanzinstrumente, deren Kreditqualität sich seit ihrem Erstansatz wesentlich verschlechtert hat (es sei denn, sie haben ein geringes Kreditrisiko am Abschlussstichtag), bei denen jedoch kein objektiver Nachweis für ein Verlustereignis vorliegt. Für sie wird eine Risikovorsorge in Höhe des Barwerts der über die verbleibende Restlaufzeit zu erwartenden Zahlungsausfälle gebildet, wobei Zinserträge weiterhin auf der Grundlage des nicht wertgeminderten Buchwerts berechnet werden.

Stufe 3: Finanzinstrumente, für die am Abschlussstichtag objektive Nachweise für eine Wertminderung vorliegen. Für sie wird eine Risikovorsorge in Höhe des Barwerts der über die verbleibende Restlaufzeit zu erwartenden Zahlungsausfälle gebildet, wobei auch Zinserträge auf der Grundlage des wertgeminderten Buchwerts berechnet werden.

Die bilanzielle Erfassung der Risikovorsorge erfolgt bei bilanzwirksamen Geschäften durch die Dotierung eines Wertberichtigungskontos, bei nicht bilanzierten Geschäften (Kreditzusagen, Finanzgarantien) durch die Bildung einer Rückstellung. Infolge des hohen Maßes an Subjektivität bei der Ermittlung der Risikovorsorge sieht der Standardentwurf zudem umfangreiche Angabepflichten vor. So werden neben einem Wertberichtigungsspiegel auch eine Erläuterung der Inputfaktoren und Annahmen für die Ermittlung der erwarteten Verluste sowie Informationen über die Auswirkungen der Verschlechterung oder Verbesserung des Kreditrisikos von Finanzinstrumenten gefordert.

Die Veröffentlichung des IASB-Entwurfs zu Wertminderungen von Finanzinstrumenten erfolgte nicht zusammen mit dem des FASB, da der FASB bereits im Dezember 2012 einen eigenen Alternativvorschlag (Current Expected Credit Losses) verlautbart hatte. Dieser Vorschlag sieht im Unterschied zu dem des IASB eine einheitliche Ermittlung der Risikovorsorge für alle Finanzinstrumente zum Zeitpunkt ihres Zugangs vor. Die Bemessung der Risikovorsorge soll dabei in Höhe des Barwerts der über die verbleibende Restlaufzeit erwarteten Zahlungsausfälle erfolgen.

Der Standardentwurf des IASB kann auf dessen Website (www.ifrs.org) heruntergeladen werden. Die Kommentierungsfrist endet am 5. Juli 2013.